Nach Corona-Zwangspause

Ab mit der Mähne! Friseure freuen sich auf Wiedereröffnung

Friseure müssen demnächst strengen Hygienevorgaben gerecht werden.
+
Friseure müssen demnächst strengen Hygienevorgaben gerecht werden.

Auf den Köpfen einiger Hammer sieht es derzeit ziemlich chaotisch aus. Was einst eine perfekt gestutzte Frisur war, ist jetzt ein Wust aus viel zu lang gewordenen Haaren. Damit ist jetzt bald Schluss: Ab dem 4. Mai dürfen die Friseure ihre Geschäfte wieder öffnen, allerdings unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen.

Hamm/Bönen – „Wir müssen ein Hygienekonzept vorlegen. Das haben wir in den vergangenen Tagen akribisch ausgearbeitet“, sagt Friseurin Nicole Schaeffer. In ihrem Geschäft an der Hammer Straße in Bockum-Hövel laufen gerade die Vorbereitungen auf die Wiedereröffnung. „Wir installieren Plexiglasscheiben an der Kasse und zwischen den einzelnen Plätzen. Kunden dürfen unseren Laden nur mit einem Mundschutz betreten, wir selbst tragen natürlich auch einen. An Bärten und Augenbrauen dürfen wir nicht arbeiten“, erklärt die Friseurmeisterin. Auch Getränke oder Zeitschriften dürfen nicht an die Kunden herausgegeben werden.

Um das Ansteckungsrisiko möglichst gering zu halten, hat das Team auch zusätzliche Maßnahmen getroffen. „Wir haben einen Raum, der normalerweise für Hochzeitsmake-Up genutzt wird. Hier machen wir jetzt das Finish. Denn wenn wir den Kunden die Haare föhnen, könnten sich ja Keime oder Bakterien durch den Raum verteilen“, so Schaeffer.

Es werde schon ungewohnt sein so zu arbeiten, aber es sei eben nötig. „Ich glaube, dass wir das noch das ganze Jahr weiter pflegen müssen. Es ist unser Bestreben, dass wir alles machen, was wir können, damit wir Geschäfte weiter geöffnet lassen können.“ Eine erneute Ladenschließung würde die Friseure an die Existenzgrenze bringen, ist sich Schaeffer sicher. Denn die fehlenden Einnahmen der vergangenen Wochen haben viele Friseure finanziell hart getroffen. „Ich hatte zum Glück Rücklagen, aber wenn es noch bis Ende Mai oder gar Anfang Juni gedauert hätte, wäre es auch bei mir eng geworden“, sagt die Friseurin. Um weiter laufende Kosten des Geschäfts decken zu können, ist Schaeffer kreativ geworden. „Ich habe ein Farb-Taxi ins Leben gerufen und den Kunden die benötigten Produkte kontaktlos zur Haustüre geliefert. Dann haben wir ihnen in Videokonferenzen erklärt, wie sie sie selbst zusammenmischen und auftragen können“, erklärt die Friseurin.

Nicole Schaeffer wird im Moment fast pausenlos von ihren Kunden angerufen. Das Terminbuch ist schon wieder gut gefüllt.

Endlich wieder selbst Hand anlegen

Trotzdem sei sie jetzt sehr froh, endlich wieder selbst Hand anlegen zu können. Dass das Interesse der Kunden da ist, zeigt der Kalender. Die erste Woche sei schon gut durchgeplant und es kämen immer weitere Termine hinzu.

Für „Salon Schulte Susanne & Team“ ist die Terminvergabe Neuland. In den sieben Filialen im Hammer Stadtgebiet und einer in Bönen arbeiten „wir eigentlich grundsätzlich ohne Termin“, erzählt Geschäftsführerin Sandra Talar: „Das werden wir natürlich ändern, sonst kommen hinterher fünf Kunden auf einmal.“ Derzeit wird noch das Vorgehen besprochen, ab nächster Woche wollen die Filialen aber erreichbar sein.

Auch bei ihr steht aktuell der Schutz von Kunden und Mitarbeiterinnen im Vordergrund. „Ein paar Sachen haben wir schon, auf andere warten wir noch. In den acht Filialen wird bei der Wiedereröffnung auf Einmalhandtücher zurückgegriffen. „Wir haben nicht in jedem Salon eine Waschmaschine, sondern eine zentrale Station“, erklärt sie. Die Menge, die da pro Tag zusammenkomme, sei nicht zu bewältigen. Zudem werden Flächen abgeklebt, damit die Kunden sich nicht zu nahe kommen.

Nur jeder zweite Platz besetzt

Ähnliches berichtet auch Susanne Herboth, ihr gehören zwei Friseurgeschäfte in Hamm. „Wir haben die Zeit genutzt, um unsere Filiale an der Ostenallee zu renovieren. Trotzdem war es jetzt höchste Zeit, dass die Geschäfte wieder geöffnet werden“, sagt die Friseurmeisterin. Die Hilfen vom Land und die Kurzarbeit seien zwar gut, doch für die acht Auszubildenden des Betriebes galt diese Regel ja zum Beispiel nicht. „Das war schon schwer“, sagt die Friseurin. Auch in ihren Geschäften werden gerade noch Plexiglasscheiben eingebaut. Um den Abstand einhalten zu können, darf nur jeder zweite Platz besetzt werden. „Aber in der Ostenallee haben wir einen großen Garten, wenn das Wetter schön ist, werden wir unsere Kunden auch dort platzieren“, sagt Herboth.

Damit die Kunden weiterhin die Gesichter der Mitarbeiter sehen können, hat das Team besondere Masken bestellt. „Die sind durchsichtig, man kann also unsere Münder sehen, und sie funktionieren auch gut bei Brillenträgern. Das ist ja schon doof, wenn da die Brille immer beschlägt“, so die Friseurin. Dennoch werde es ein komisches Gefühl sein, die Kunden nur mit Maske zu sehen.

Hygienepreis nicht ausgeschlossen

Ingo Lanowski, Obermeister der Hammer Friseur-Innung und Vorsitzender des „Friseur- und Kosmetikverbandes“ in NRW, sieht die neuen Hygienemaßnahmen entspannt: „Der Friseur hat schon immer stark auf Hygiene beim Kunden und im Betrieb geachtet. Deshalb werden wir die Vorschriften, die von der Landesregierung kommen, auch umsetzen können.“

Für die Friseure sei die Arbeit unter den neuen Bedingungen aber schon aufwendiger und teurer, denn Desinfektionsmittel, Masken und Plexiglas müssen jetzt zum Teil zu deutlich höheren Preisen angeschafft werden. „Es könnte sein, dass wir hinterher einen Hygienepreis mit einsetzen müssen“, sagte der Innungs-Vorsitzende. Der nächste Haarschnitt könnte also ein paar Euro mehr kosten, ist dann aber auch sicher schöner, als der eigene Versuch mit dem Rasierapparat im Badezimmer.

Das sind die Regeln für Friseure:

Am Mittwoch hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege auf sechs Seiten und unter 17 Punkten die Arbeitsstandards für das Frisör-Handwerk zum Wiederbeginn am 4. Mai zusammengestellt. Eine Distanz von mindestens 1,5 Metern muss in jede Richtung zum Arbeitsplatz eingehalten werden. Kunden und Beschäftigte müssen einen Mundschutz tragen. Einweghandschuhe sind bis zum verbindlichen Haarewaschen verpflichtend. Dazu ist ein Einmalumhang Vorschrift, der alle Kontaktflächen abdeckt. Schere, Kämme, Bürsten und Wickler müssen vor jedem neuen Gebrauch mit einem fettlösenden Mittel gereinigt werden. Die Termine sind telefonisch oder digital zu vereinbaren. Außerdem sollen die Kundenkontaktdaten dokumentiert werden, damit eine etwaige Infektionskette nachvollzogen werden kann. - bob

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare