Sachsenschleife

Nach brutalem Mord an Vater: Urteil gegen 47-jährige Tochter ist gefallen

In diesem Haus starb der 75-jährige Hammer.
+
In diesem Haus starb der 75-jährige Hammer.

Nach wochenlanger Unterbrechung des Prozesses ging plötzlich alles ganz schnell. Das Dortmunder Schwurgericht hat am Montag die 47-jährige Frau verurteilt, die im März 2020 ihren pflegebedürftigen Vater in der Badewanne getötet hat. Die Strafe: neun Jahre Haft wegen Totschlags.

Dortmund/Hamm – Die Angeklagte hatte die Bluttat im Verlaufe des Prozesses gestanden und zuletzt noch einmal ausführliche Angaben bei dem psychiatrischen Sachverständigen Marc-Philipp Lochmann gemacht. Doch ihre Hoffnungen, dass die Richter sie für vermindert schuldfähig erklären und die Strafe deshalb massiv abmildern würden, erfüllten sich nicht.

Schädelbruch, blutende Schnitt- und Platzwunden

Klar ist: Die 47-Jährige geriet am Tattag mit ihrem Vater in einen heftigen Streit, drängte ihn ins Badezimmer und schlug dort mehrmals mit einer scharfkantigen Holzlatte auf seinen Kopf ein. Der Rentner erlitt einen Schädelbruch und zahlreiche blutende Schnitt- und Platzwunden und starb noch am Tatort.

Fest steht auch, dass die Angeklagte seit Jahren schwer depressiv ist und regelmäßig viele Medikamente einnimmt. Den Grad einer verminderten Schuldfähigkeit erreichte sie damit aber nicht. Laut Psychiater Lochmann sprach vor allem ihr zielgerichtetes und besonnenes Nachtatverhalten dagegen. Immerhin war die 47-Jährige im Anschluss an die Bluttat seelenruhig einkaufen gegangen.

Frage nach Motiv nicht endgültig geklärt

Was die Richter jedoch auch am Urteilstag umtrieb, war der Umstand, dass der Prozess nicht alle Unklarheiten beseitigen konnte. „Es herrscht immer noch einige Dunkelheit“, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Kelm in der Urteilsbegründung. Vor allem die Frage des Motivs sei von der Angeklagten nicht zufriedenstellend beantwortet worden. „Wir sind nicht glücklich damit, können aber nichts dagegen unternehmen“, so Kelm weiter.

Die 47-Jährige hatte im Prozess erklärt, zwischen ihr und ihrem Vater habe es seit Jahren nicht mehr gestimmt. Als Tochter sei sie von dem Senior nicht ernst genommen worden. Und bis zuletzt habe dieser sie auch immer mal wieder geschlagen.

Schwurgericht bleibt unter Forderung der Staatsanwaltschaft

Was aber genau der Auslöser für die Bluttat war, konnte oder wollte sie den Richtern nicht schildern. In ihrer von Verteidiger Karsten Possemeyer abgegebenen Erklärung hieß es dazu nur: „Mein Vater hat mich an diesem Tag auf seine gewohnt hämische Art beleidigt.“

Ob die 47-Jährige gegen das Urteil Revision einlegen wird, steht noch nicht fest. Verteidiger Possemeyer hatte in seinem Plädoyer mit maximal sechseinhalb Jahren jedoch eine deutlich geringere Strafe beantragt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte dagegen die Verhängung von mehr als elf Jahren Haft gefordert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion