Hoffen auf „großes Vogelparadies“

„Erlebensraum Lippeaue“ braucht mehr Nässe

Lippeaue, Heessen, Hamm, Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
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Zwei Bereiche: Rechts, direkt an der Lippe, liegt das Schilfgebiet, das schon seit vielen Jahren existiert. Und links zwischen dem alten und dem neuen Deich entstehen die Feuchtwiesen, die viel Nässe brauchen.

Es ist offenbar alles in Ordnung mit der Umwelt in Heessen. Das zeigen die wenigen Reaktionen auf die zweite Folge der Serie „Was braucht Heessen?“, bei dem es um den Umweltschutz im Stadtbezirk ging. Allerdings: Der Hammer Vorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Jürgen Hundorf, lud auf einen Blick in die Lippeaue ein. Dazu gab es Reaktionen aus dem Netz.

Heessen - Eine Neu-Heessenerin ging dabei mehr auf die Gestaltungssatzung in den alten Kolonien ein. Vom Erlebensraum-Lippeaue-Projekt erwartet sie „ein großes Vogelparadies“. Auf Facebook gab sich ein Kommentar abwägend: Nach Dolberg raus gebe es genug Lippeauen. Wie sinnvoll sei da die Investition von Millionen mitten in der Stadt? Der Nutzer räumt aber auch ein: Das hat seinen Charme. Lob gab es auch von einem Nutzer, der die Homepage des Erlebensraumprojekts postete.

Was braucht Heessen?

In unserer Serie „Was braucht Heessen?“ möchten wir ergründen, wie das Zusammenleben in Heessen gelingt, wie es den Heessenern geht und wie sie ihren Bezirk erleben. Für die Serie haben wir zehn Themenschwerpunkte definiert – im zweiten Teil jetzt ging es um das Thema Umwelt. Sie haben uns geschrieben, was Sie darüber denken. Hier ist die Auswertung. Sie möchten noch etwas ergänzen? Dann schreiben Sie uns an heeessen@wa.de. Im nächsten Serienteil geht es um das Thema Bildung. Er erscheint am Freitag, 30. April.

Jürgen Hundorf suchte für sein Lob den höchsten Punkt der Auen aus, einen Punkt auf dem alten Deich, der jetzt viel höher wirkt als bislang und künftig Aussichtspunkt sein wird. Von hier aus sind die Rehe zu sehen, die unten auf den Wiesen rennen, und ein Storch, der Nahrung sucht. Hundorf sagt: „Wir glauben fest daran, dass Naturerlebnis und Naturschutz hier gut zu vereinbaren sind – Hamm wird ein Alleinstellungsmerkmal bekommen mit diesem wertvollen Naturschutzgebiet mit seltenen Vogel- und Tierarten.“

Dabei unterscheidet der Nabu-Vorsitzende zwei Gebiete:

- das Schilfgebiet nahe der Lippe, das seit vielen Jahren Bestand hat, bei den Bauarbeiten so weit wie möglich geschont wurde: Hier finden viele Röhrichtarten ein Zuhause.

- das offene Weidegebiet südlich des neuen Damms, der den Lebensraum für die Vögel bieten kann, die Umweltdezernent Volker Burgard und Umweltamtsleiter Dr. Oliver Schmidt-Formann genannt haben: Uferschnepfe, Bekassine, Kiebitz, Wachtelkönig oder Braunkehlchen.

Wir glauben fest daran, dass Naturerlebnis und Naturschutz hier gut zu vereinbaren sind – Hamm wird ein Alleinstellungsmerkmal bekommen mit diesem wertvollen Naturschutzgebiet mit seltenen Vogel- und Tierarten.

Jürgen Hundorf, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Hamm

Letztere seien hochgradig vom Aussterben bedroht und bräuchten ganz bestimmte Bedingungen. Die aufzuzählen, ist Hundorf wichtig.

Gebraucht wird vor allem: Nässe

„Diese Vögel brauchen nasse Flächen“, sagt er, „und deswegen müssen sie wirklich sehr stark vernässt werden.“ In den Life-Gebieten auf der anderen Seite der Fährstraße sei man da eher defensiv vorgegangen und habe das Wasser „nicht wirklich“ nach oben geholt. Wolle man die genannten Vögel in den Erlebensraum locken, brauche man mehr Wasser in den Wiesen. Und das heiße auch: Von April bis Juli dürften sie nicht bewirtschaftet werden – „anderswo wird das Gras ja schon im April erstmals geerntet.“

Es komme darauf an, welche Vogelarten den Erlebensraum als Brutplatz aussuchten. „Ein Kiebitz, von dem ich glaube, dass er als erstes wieder hier siedelt, fängt im März mit dem Brüten an und endet Mitte Mai, der Wachtelkönig hingegen ist anspruchsvoller, der braucht Zeit bis in den August.“ Wasser in die Auen zu holen und die Landwirtschaft den Vogelarten anzupassen, sagt Hundorf, müsse an dieser Stelle gehen, denn der Boden gehöre der öffentlichen Hand.

Störungen können alles zunichte machen

Mit Blick auf den Rad- und Fußweg auf dem künftigen Deich betont Hundorf: „Was wichtig ist: Die Feuchtwiesen dürfen nicht betreten werden.“ Die Vogelarten brüteten auf dem Boden – und das heißt: „Es genügt, dass ein Mensch oder ein Hund an einem Tag auf die Fläche läuft, um alles wieder zunichte zu machen.“

Es genügt, dass ein Mensch oder ein Hund an einem Tag auf die Fläche läuft, um alles wieder zunichte zu machen.

Jürgen Hundorf, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Hamm

Er glaube, dass das möglich sei, indem man ganz einfach am Deichfuß mit einem Wildschutzaun abzäunt, denn da kämen auch die Hunde nicht durch. „Und wenn doch mal ein Halter versehentlich vergisst, seinen Hund anzuleinen, rennt der nicht sofort in die Fläche.“

Leser sagen, es stehe gut um die Umwelt

In einer Umfrage auf wa.de wollten wir wissen: „Wie gut steht es um Natur und Umwelt in Heessen?“ Die Antworten waren überwiegend positiv. 33 Prozent antworteten: „Gut. Es gibt hier große Wald- und Grünflächen, viel Raum für Tiere und Pflanzen, 44 Prozent fanden, dass der Umweltschutz zwar in vielen Bereichen ernst genommen werde, es sich aber auch noch vieles verbessern ließe. Nur 15 Prozent fanden, dass es um Natur und Umwelt in Heessen schlecht stehe. Insgesamt beteiligten sich fast 200 Leser an der Umfrage.

Hundorf hofft, dass die Experten der Stadt eng mit den Experten der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (Abu) im Kreis Soest zusammenarbeiten, denn sie seien ja auch bis zur Münsterstraße zuständig. „Am besten beginnt das jetzt“, sagt der Nabu-Chef, dann wäre das Monitoring und das Biotopmanagement gesichert.

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