Gericht gibt Identität nicht preis

Mutmaßlicher Anstifter zum Mord vor Gericht - Er ist erst 15

symbolbild gericht verhandlung
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Ein Jugendlicher, der in Hamm lebt, steht wegen angeblicher Mordfantasien in Dortmund vor Gericht.

Ein 15-jähriger Jugendlicher soll versucht haben, einen Bekannten zum Mord an Juden oder Muslimen anzustiften. Nun steht er in Dortmund vor Gericht. Er stammt aus Oer-Erkenschwick und wohnt derzeit offenbar statt in einem Jugendgefängnis in einer betreuten Einrichtung in Hamm.

Dortmund/Hamm – Weil der Schüler zur Tatzeit 14 Jahre alt und damit gerade erst strafmündig war, findet der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wie sehr das Dortmunder Landgericht darauf bedacht ist, auch nicht das kleinste Detail bekanntwerden zu lassen, wurde beim Prozessauftakt direkt deutlich.

Beim offiziellen Aufruf der Sache nennt die Protokollführerin üblicherweise den Namen des Angeklagten. Am Donnerstag wurde dieser durch das Aktenzeichen ersetzt. Die Identität des Jugendlichen soll unbedingt geheim bleiben.

Auch über die Anklagevorwürfe ist nur wenig bekannt. Laut Staatsanwaltschaft soll der heute 15-Jährige einem Bekannten in einem WhatsApp-Chat geschrieben haben, er solle sich doch ein Messer oder eine Schusswaffe besorgen und damit in einer Moschee oder Synagoge ein Blutbad anrichten. Vorbilder sollen die Attentate in Halle und Christchurch gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft wertet diese Tat als versuchte Anstiftung zum Mord.

Festnahme im Februar 2020

Zu einer Umsetzung dieser angeblichen Mordfantasien kam es jedoch augenscheinlich nicht. Im Gegenteil: Im Februar 2020 wurde der Jugendliche festgenommen. Im Rahmen einer Wohnungsdurchsuchung sollen bei ihm damals auch mehrere Kilogramm Sprengstoff gefunden worden sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte plante, damit selbst einen Mordanschlag auf Juden oder Muslime durchzuführen. Konkrete Pläne oder Anschlagsziele soll es allerdings noch nicht gegeben haben. Gefahr für Menschen bestand also offenbar nicht.

Ob sich der Jugendliche zu den Anklagevorwürfen äußern wird, wurde am ersten Verhandlungstag noch nicht entschieden. Nach Auskunft von Verteidiger Jens Tuschhoff wurde lediglich die Anklageschrift verlesen. Das Gericht hat bisher bereits Verhandlungstage bis in den Juli angesetzt.

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