Angeschwärzte junge Männer melden sich

Quarantäne-Brecher-Brüder: „Die Polizei war schneller als wir“

Auf einem Handy zeigt die „Corona Warn-App“ ein erhöhtes Risiko an.
+
Die am Pranger stehenden Brüder aus Hamm sind oder waren einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. (Symbolbild)

„Wir wollten nur schnell zur Bank fahren und Geld abholen.“ Das soll die Begründung sein, weswegen ein 19 und 21 Jahre altes Brüderpaar aus Bockum-Hövel am Dienstagabend die gegen sie bestehende Quarantäne gebrochen haben.

Hamm – Die jungen Männer meldeten sich am Donnerstag aus eigenem Antrieb in der Redaktion. 45 Euro hätten sie abgehoben, das Geld sei für Nachbarn bestimmt gewesen, die für sie in der Quarantäne-Zeit eingekauft hätten, erzählten sie. Die Bank sei nur wenige Autominuten von zu Hause entfernt gewesen. Angehörige hätten versucht, sie übers Telefon zu warnen, weil sie das Mehrfamilienhaus verlassen hatten und dabei anscheinend beobachtet worden waren. Sie seien auch sofort wieder zurückgefahren. „Aber die Polizei war schneller als wir.“

Wie hier auf WA.de berichtet, trafen die Beamten die jungen Männer außerhalb der Wohnung an und leiteten ein Strafverfahren ein. Allzu ausgeprägt war das Unrechtsbewusstsein der mutmaßlichen Quarantäne-Brecher auch am Donnerstag noch nicht. „Wir sind beide negativ getestet, und unsere Mutter kann am Freitag wieder aus der Quarantäne“, erklärten sie. Die Mutter habe sich auf der Arbeit angesteckt, keiner in der Familie habe Symptome gehabt. Sie selbst hätten am vergangenen Freitag ihr negatives Ergebnis erhalten. Wer sie denn bei der Polizei angeschwärzt habe, wollten sie wissen.

Ob es, wie die beiden Beschuldigten sagen, das erste und einzige Mal in der Quarantäne-Zeit war, dass sie das Haus verlassen hatten, ist nun Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Fest steht, dass es sich bei einem Quarantäne-Verstoß um eine Straftat handelt, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet wird. Die Strafe könnte auch deutlich höher ausfallen, wenn sich herausstellt, dass ein Quarantäne-Brecher jemanden anderes angesteckt hat. Dann sind auch fünf Jahre Haft möglich, wie Henner Kruse, Sprecher der Dortmunder Staatsanwaltschaft erklärte.

Bis 2. Februar unter Quarantäne gestellt

Die Brüder sind bis Dienstag, 2. Februar, unter Quarantäne gestellt, weil bei ihrer Mutter das Coronavirus nachgewiesen wurde. Nach einem Hinweis hatte die Polizei geprüft, ob die 19 und 21 Jahre alten Deutsch-Polen tatsächlich gegen die Auflage verstoßen hatten – und traf die Brüder nicht zu Hause an.

In zwölf weiteren Fällen sind im Verlauf der Pandemie Strafverfahren gegen Personen aus Hamm eingeleitet worden. Die allermeisten Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. In zwei Fällen wurden jeweils Strafbefehle ausgestellt. Die Betroffenen hatten – jeweils im April – ihre Wohnungen verlassen. Der eine war spazieren gegangen, der andere zur Bank und zum Tanken gefahren. In beiden Fällen wurden die Quarantäne-Brecher mit 30 Tagessätzen à 20 Euro belegt, müssen also jeweils 600 Euro zahlen. Die Höhe eines Tagessatzes hängt unter anderem von den Vermögensverhältnissen des Betroffenen ab. Zwei weitere Verfahren wurden eingestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare