Etwas gruselig, aber zweckmäßig gegen das Coronavirus

Diese Schutzmasken kommen aus einem 3D-Drucker in Hamm

Ein bisschen gruselig, dafür aber sicher zweckmäßig: Das Hammer Fablab arbeitet an Schutzmasken aus dem 3D-Drucker. Der Vereinsvorsitzende Jens Kneißel hält vor allem den Entwurf eines amerikanischen Arztes (linkes Bild) für brauchbar.
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Ein bisschen gruselig, dafür aber sicher zweckmäßig: Das Hammer Fablab arbeitet an Schutzmasken aus dem 3D-Drucker. Der Vereinsvorsitzende Jens Kneißel hält vor allem den Entwurf eines amerikanischen Arztes (linkes Bild) für brauchbar.

Atemschutzmaske aus dem Drucker: Die Freiwilligen des Hammer Fablabs wollen mit 3D-Druckern und CNC-Fräsen etwas gegen das Coronavirus tun.

Hamm – Wer in der Hirsch-Apotheke einkauft, trifft auf Mitarbeiter hinter Acrylglas-Scheiben. Sie stecken in Aufstellern aus Siebdruckplatten, lassen sich gut reinigen und desinfizieren – und kommen aus Hamm. Technikbegeisterte Hammer haben sie in ihrer Freizeit mithilfe einer CNC-Fräse gefertigt. „Diese Spuckschutz-Aufsteller sind gut zu gebrauchen. Die könnten wir auch noch mal herstellen“, sagt Jens Kneißel.

Kneißel ist der Vorsitzende des Vereins Fablab. Seit der Verein vor eineinhalb Jahren gegründet wurde, tauschen sich dort technikbegeisterte Hammer aus. Aktuell überlegen sie, was sie gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie tun können.

Das Fablab mit seinen etwa 50 Mitgliedern verfügt über eigene Vereinsräume, in denen sie unter anderem CNC-Fräsen, Lasercutter und 3-D-Drucker haben. Allerdings sind Treffen in den Räumen virusbedingt gerade nicht möglich. Aber technikbegeistert wäre nicht technikbegeistert, wenn nicht viele Vereinsmitglieder 3D-Drucker zu Hause hätten.

Und so produzieren sie medizinisches Material einfach dort. So fragten sich die Fablab-Mitglieder, was sie gegen den Mangel an Atemschutzmasken tun können. Im Internet kursieren Druckanleitungen für Masken, mehrere probierten sie aus. „Für die Serienproduktion ist das noch nichts“, sagt Kneißel. Ein Modell hält er aber für brauchbar: Die Maske besteht aus einem desinfizierbaren Kunststoff. Sie ist wiederverwendbar, lediglich einen Filter muss man austauschen. „Die Maske hat ein amerikanischer Arzt entwickelt, der offenbar wusste, was er tut“, sagt Kneißel.

Die Hammer Technikfans könnten weitere solcher Masken herstellen, allerdings nicht in großer Zahl – der Druck eines einzelnen Modells dauert bis zu fünf Stunden. „Das ist eine Notlösung.“

Fablab-Vorsitzender Jens Kneißel: das nächste Projekt ist ein Beatmungsgerät.

Arbeiten für "Gottes Lohn"

Vielversprechend findet Kneißel dagegen Gesichtsvisiere: Die Technikfans drucken dabei einen Stirnbandträger, an dem Overhead-Projektor-Folie befestigt wird. Visiere wie diese würden unter anderem in Kliniken verwendet. Kneißel sagt, davon könne man etliche herstellen.

Die Arbeiten erledigen die Fablab-Mitglieder „für Gottes Lohn“, wie Kneißel sagt. Im Fablab sind Menschen unterschiedlicher Altersgruppen organisiert – Rentner ebenso wie Studenten und Schüler, Akademiker genauso wie Praktiker. Sie überlegen nun weiter, was sie gegen das Virus tun können. Nächstes Projekt: ein Beatmungsgerät.

Anfragen für Produkte etwa von medizinischen Einrichtungen nimmt das Fablab per E-Mail an info@fablab-hamm.de entgegen.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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