Hammer Mumien-Schau soll dem Tod das Tabu nehmen

Hamm - Über drei Millionen Menschen haben die Ausstellung „Mumien – Der Traum vom ewigen Leben“ seit ihrer Premiere vor zehn Jahren in Mannheim besucht. Seit Sonntag sind die Mumien von Menschen und Tieren aus aller Welt im Gustav-Lübcke-Museum zu sehen.

„Diese Ausstellung ist eine Reise durch unterschiedliche Kulturen und vergangene Zeiten. Sie erzählt vom würdevollen und respektvollen Umgang mit dem Tod“, sagte Hamms Thomas Hunsteger-Petermann bei der Eröffnung, bevor er klar stellte: „Jedem Besucher sollte bewusst sein, dass in dieser Ausstellung keine Objekte gezeigt werden, sondern Tiere und Menschen“. Der Oberbürgermeister wies zudem darauf hin, dass die Ausstellung keine Zurschaustellung lebloser Körper ist. „Die Achtung des Todes ist mir genau so wichtig wie die Achtung des Lebens. Die Würde des Menschen ist für mich unantastbar: auch – und insbesondere – im Tod“.

Museum: Eröffnung "Mumien. Der Traum vom ewigen Leben"

Der Tod solle dazu kein Tabu-Thema in der Gesellschaft darstellen, dabei könne die Präsentation helfen. Hunsteger-Petermann stellte zudem klar, dass es sich bei der Ausstellung nicht um eine Leichenschau handelt: „Diese Ausstellung ist sehr nachdenklich und leise und stellt hohe Anforderungen an jeden einzelnen Besucher.“

Ein Gedanke, den der neue Museumsleiter Dr. Daniel Spanke aufgriff. „Diese Ausstellung ist etwas besonderes, weil es um uns Menschen geht. Wir lernen etwas über die Hoffnungen und Ängste der Menschen in anderen Kulturen und zu anderen Zeiten. Wir lernen viel über Lebens- und Sterbensumstände in der Vergangenheit.“ Faszination für alle Generationen Mumien üben nach seiner Meinung eine große Faszination und Anziehungskraft aus – und könnten so auch in Hamm ein jüngeres Publikum ansprechen.

 „Es gibt Statistiken, dass in Europa bereits ein Zwölfjähriger im Durchschnitt mindestens 500 Leichen gesehen hat. Allerdings virtuell in den Medien. Wenn wir es klug machen, und gut mit Schulen kooperieren, dann bin ich überzeugt, dass gerade diese Ausstellung etwas bewirken kann.“ Der Besuch der Mumien-Ausstellung ermögliche statt eines abstrakten Umgangs eine reale Konfrontation. „Das kann heilsam, bildend und wichtig sein.“ 

Dr. Winfried Rosendahl von den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, die die Mumien zur Verfügung gestellt haben, bezeichnet die Toten als „Archive des Lebens, die helfen können, ihre Geschichten zu erzählen.“ Als Snack gab es für die Besucher Marzipan in Mumienform. „Das hätten die Ägypter gut nachvollziehen könne, denn es geht bei ihrem ganzen Totenkult nicht um den Tod, sondern um das Leben, dass wir genießen sollten. Man braucht davor keine Angst zu haben – das ist eine wichtige Botschaft der Ausstellung“, so Spanke. 

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