Unsere Serie „Was braucht Pelkum?“

Multikulti an der Schule: Warum das eine große Chance sein kann

Internationale Schule: Alex Kramer, Florian Rösner und Peter Kraus schätzen das Klima am MGH.
+
Internationale Schule: Alex Kramer (von links), Florian Rösner und Peter Kraus schätzen das Klima am MGH.

Hamm ist bunt. Und das gilt auch für seine Schulen. Mehr als jeder zweite Hammer Grundschüler (52,5 Prozent) hat eine Zuwanderungsgeschichte. Pelkum bildet da keine Ausnahme. Diskutieren Sie mit (Formular unten im Artikel).

Hamm-Westen – Ihre Familien stammen aus Ländern wie England, Russland, Syrien, China, Vietnam oder der Türkei: Mehr als 60 Prozent der Schüler, die das Märkische Gymnasium besuchen, haben eine Zuwanderungsgeschichte – so auch der stellvertretende Schülersprecher, der auf den „ur-deutschen“ Namen Peter Kraus hört. Der 18-jährige Sinti aus Heessen fühlt sich wohl an der Schule und bestätigt ebenso wie der 17 Jahre alte Alexander Kramer aus Herringen, dass das Zusammenleben an der „internationalen Schule“ funktioniert.

Das ist auch Schulleiter Florian Rösner wichtig. Und er sieht in dieser Internationalität einen großen Vorteil. „Unsere Schule ist ein Spiegelbild der deutschen Gesellschaft, die in den vergangenen Jahrzehnten immer bunter geworden ist.“

Bildung international: Schüler aus 20 Herkunftsländern

Noch in den späten 1980er-Jahren waren Schüler mit ausländisch – vornehmlich türkisch – klingenden Namen an der Stadtteilschule im Hammer Westen die Ausnahme. Jetzt, zu Beginn der 2020er-Jahre, besuchen Kinder und Jugendliche aus rund 20 verschiedenen Herkunftsländern das MGH. Aber: Die meisten seien hier, wie Rösner sagt, aufgewachsen und hätten auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Laut Schulstatistik haben nur 79 der knapp 900 Schüler keinen deutschen Pass.

Für Alexander Kramer spielt es keine Rolle, woher seine Mitschüler kommen. Er sei seit dem 5. Schuljahr auf dem MGH und froh, an einer internationalen Schule lernen zu können – auch etwas über die anderen Kulturen. Das sei spannend, wie er findet. Er könne sich noch gut an die 150-Jahr-Feier im Jahre 2017 erinnern, auf der sich verschiedene Kulturen vorgestellt hätten. Und nach mehr als sechs Jahren auf dem MGH könne er sagen: „Der Zusammenhalt der Nationen ist überragend.“

Viele stellen die Zigeuner in eine Schmuddel-Ecke.

Peter Kraus, Schüler am MGH

Peter Kraus kann dies bestätigen, auch wenn er erst seit einem Jahr auf der Schule ist. Er ist von der Martin-Luther-Hauptschule in Heessen auf das MGH gewechselt. Zunächst habe er nicht gewusst, wie er als Seitensteiger und vor allem Sinti aufgenommen werde. „Denn viele stellen die Zigeuner in eine Schmuddel-Ecke“, spricht Kraus das in Deutschland verpönte Wort „Zigeuner“ offen aus.

Probleme hätte er am MGH aber nicht gehabt. Natürlich habe es einige Nachfragen zu seiner Herkunft und zur Kultur der Sinti gegeben. Und die habe er gerne beantwortet. Dass viele seiner Mitschüler kein Problem mit seiner Herkunft haben, zeigt auch, dass Peter Kraus zum stellvertretenden Schülersprecher gewählt wurde und er damit ein wichtiger Ansprechpartner für die Gymnasiasten ist.

Das freut auch den Schulleiter. Eine wichtige Aufgabe sehe die Schule unter anderem darin, Schüler unterschiedlicher Mentalitäten und Kulturen zusammenzuführen. Deshalb seien zum Beispiel Aktionen wie die Interkulturellen Tage zu Beginn der Einführungsphase wichtig. Er sei zudem froh, dass das MGH Teil des von der EU geförderten Erasmus+-Netzwerks sei und man im Zuge der Globalisierung Kontakt zu Schulen nach Spanien und Frankreich aufgenommen habe. Ein weiteres Land solle noch hinzukommen, so Rösner.

Zuwanderung

Schüler verfügen über eine Zuwanderungsgeschichte, wenn mindestens eines der folgenden Merkmale zutrifft: die Person ist im Ausland geboren und nach Deutschland zugewandert; mindestens ein Elternteil ist im Ausland geboren und nach Deutschland zugewandert oder die Verkehrssprache in der Familie ist nicht Deutsch.

Und auch aktuelle Projekte wie „Jüdisch hier“, bei dem einige Schüler den modernen Antisemitismus in Hamm untersuchen, tragen zum gegenseitigen Verständnis bei. Das sei um so bemerkenswerter, da auch viele muslimische Schüler mitmachten und das Verhältnis zwischen Juden und Moslems aus der Geschichte heraus angespannt sei. Und auch der Sport und die Musik hätten eine verbindende Wirkung. Beim Fußball oder Musizieren spiele die Herkunft keine Rolle – so wie früher bei der Arbeit unter Tage.

Bildung international: Der Charakter zählt, nicht die soziale Herkunft

Nun herrscht natürlich auch am MGH nicht überall Friede, Freude, Eierkuchen. Aber an welcher Schule ist das schon der Fall? Denn an einem Ort, wo fast 900 Individuen aufeinander treffen, gibt es auch Streitigkeiten und Grüppchen-Bildungen. Die beiden Schüler können das bestätigen. „Es gibt Mitschüler, mit denen man sich gut und welche, mit denen man sich weniger gut versteht.“ Und zu anderen habe man gar keinen Kontakt, so der SV-Vertreter Alexander Kramer. Das sei völlig normal. Für ihn sei der Charakter seines Gegenübers entscheidend – und eben nicht die soziale Herkunft oder die Religion.

Und er und Peter Kraus wissen: Später, im Beruf oder Studium, werden sie weiter mit Kommilitonen oder Kollegen unterschiedlicher Herkunft zusammenarbeiten – quasi ein Spiegelbild dessen, was sie auf einer internationalen Schule wie dem MGH längst erleben.

Bildung international: Die Pelkumer Schulen und ihr Zuwanderungsanteil

Von den Hammer Gymnasien hat das MGH damit den höchsten Anteil von Schülern mit Zuwanderungsgeschichte. Ein Blick auf die Migrationsquoten der Schulen in Pelkum

  • 64,4 Prozent der knapp 900 Schüler des Märkischen Gymnasiums haben eine Zuwanderungsgeschichte. Eine rein ausländische Staatsbürgerschaft haben aber nur 79 Schüler. 
  • Spitzenreiter unter den Pelkumer Grundschulen ist die Geistschule, wo laut der Schulstatistik 2020/21 178 der 297 Schüler eine Zuwanderungsgeschichte haben. Das sind fast 60 Prozent. Eine ausländische Staatsbürgerschaft haben allerdings nur 25 Schüler (8,4 Prozent). Damit rangiert die Geistschule stadtweit im unteren Drittel.
  • Die Schillerschule spiegelt recht gut die Situation in der Stadt wider. 51,6 Prozent der 182 Schiller-Schüler haben eine Zuwanderungsgeschichte. Aber auch hier ist der Anteil der Schüler mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft recht gering. Laut Statistik sind es 22 Schüler (12,1 Prozent). 
  • Mit 40,9 Prozent hat die Selmigerheideschule die wenigsten Grundschüler mit Zuwanderungsgeschichte im Stadtbezirk Pelkum. Insgesamt wird sie in diesem Schuljahr von 269 Schülern besucht. Eine ausländische Staatsbürgerschaft haben 16 Schüler, was 5,6 Prozent entspricht
  • Alfred-Delp-Schule: Die Förderschule für geistige Entwicklung hat zwei Standorte, einen in Westtünnen und einen in Pelkum. Von den 251 Schülern haben 121 (48,2 Prozent) eine Zuwanderungsgeschichte. Auffällig: Der Anteil der Schüler mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft ist hier mit fast 25 Prozent im Vergleich zu den anderen Schulen im Stadtbezirk hoch.
  • 340 Mädchen und Jungen besuchen aktuell die freie Waldorfschule, die allerdings nicht in Trägerschaft der Stadt Hamm steht. Von ihnen haben lediglich fünf (1,5 Prozent) eine ausländische Staatsbürgerschaft. Das ist die geringste Quote in ganz Hamm.

Sagen Sie uns hier Ihre Meinung:

Bitte schreiben Sie maximal 3 Sätze pro Frage. (Mindestens 50 Zeichen.)

Mit Ausfüllen und Abschicken dieses Formulars erkläre ich mich einverstanden, dass ich mit meinem Statement im Westfälischen Anzeiger namentlich genannt werde.

Das Thema kommentieren können Sie außer über das Formular auch unter dem passenden Post auf der WA-Facebookseite und per Mail an pelkum@wa.de.

Mehr zum Thema lesen Sie in der Print-Ausgabe des Westfälischen Anzeigers vom 15. Juni. Der nächste Schwerpunkt unserer Serie „Was braucht Pelkum?“ erscheint am 29. Juni im Print und Online. Dann geht es um das Wohnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare