Stadt Hamm muss öfter reinigen

Zu faul für den Gang zur Tonne: Müll „To go“ landet oft daneben

Plastikmüll - Einweggeschirr
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Im Zuge der Corona-Krise wurde und wird besonders viel Verpackungsmüll produziert. Und der landet oft genug in der Natur.

Die Zeiten einer mit Corona wachsenden „To-go“-Kultur hinterlassen Spuren in Hamm – und diese sind nicht schön.

Hamm - Essens-Verpackungen und Getränkebehälter wanderten zwar auch schon vor der Pandemie nicht immer in die Müllbehälter im öffentlichen Raum. Mit Corona scheint die Vermüllung im Stadtgebiet aber spürbar zugenommen zu haben. Ein Eindruck, den die Stadt auf Nachfrage bestätigt.

„Das To-go-Geschäft bedeutet mehr Müllaufkommen“, sagt Stadtsprecher Tom Herberg. Früher seien Essens- und Getränkeverpackungen meist in der Nähe von Fast-Food-Ketten oder an Autobahn-Auffahrten aufgetreten, seit Beginn der Pandemie aber zunehmend auch im städtischen Bereich. Daher habe die Stadt beziehungsweise der Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb (ASH) die Reinigungs-Intervalle verdichtet. Wie ursprünglich einmal pro Woche die Müllbehälter zu leeren und das Umfeld zu reinigen reiche nicht mehr aus, so Herberg.

In den Parks und Grünanlagen in Hamm-Mitte werde inzwischen täglich kontrolliert und abgefahren, und auch anderswo seien die Intervalle dichter geworden. Im Lippepark beispielsweise variiere die Taktung zwischen zwei und vier Mal pro Woche.

Viele Hammer zu faul für den Gang zum Mülleimer

Die Erklärung für Herberg ist simpel: „Die Menge an Müllbehältern ist weniger das Problem. Hauptproblem ist, dass manche Menschen nicht bereit sind, zehn Meter bis zu einem Mülleimer zu gehen.“ Diese würden häufig nur halb gefüllt angetroffen, mit den Hinterlassenschaften drumherum verstreut.

Bis auf den dringenden Appell, Müll zu vermeiden, diesen ordnungsgemäß zu entsorgen oder wieder mitzunehmen, blieben der Stadt wenig Möglichkeiten. „Wir werden dem Problem wahrscheinlich immer ein Stück hinterherlaufen“, so Herberg. Ein Lauf, für den am Ende die Allgemeinheit zahlt.

Applaus für „Chaos“-Bewältigung im Ostring

Ein reales Beispiel vom Wochenende: Beim Sonntagsspaziergang im Ostring fällt zwei Freundinnen eine „enorme Verschmutzung“ um die Mülleimer und auf der Wiese auf: reichlich Plastikbecher, Essens-Verpackungen, Papier. Die beiden handeln, weil sie das „Chaos“ nicht so zurücklassen wollen. Sie räumen auf und sammeln alles ein, was im Park herumliegt. Vier volle Müllsäcke später ist der Park sauber. Von Passanten ernten sie anerkennende Worte. Eine spontane Aktion – weil anderen ihr Verhalten egal ist.

Abfallmengen im Vergleich

Wertstoffe (Verpackungen und stoffgleiche Nichtverpackungen): 2019: 6888 Tonnen, 2020: 7515 Tonnen.

Papier: 2019: 12.805 Tonnen, 2020: 12.101 Tonnen.

Restmüll: 2019: 42.555 Tonnen, 2020: 42.938 Tonnen.

Und das Müllaufkommen in der Pandemie insgesamt? Entgegen der Vermutung, durch Lieferservice und boomenden Versandhandel sei der Altpapieranteil aufgrund von Verpackungsmaterial gestiegen, bestätigt sich in Hamm nach Angaben der Stadt nicht – im Gegenteil. Die Menge ging von 2019 auf 2020 sogar zurück (siehe Kasten oben). Deutlich zugenommen hat der Anteil der Wertstoffe, und eine Zunahme verzeichnet die Stadt auch beim Restmüll.

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