Nach Verfolgungsjagd auf der Heessener Straße

Mordversuch an Motorradpolizist? Angeklagter aus Hamm schweigt

Motorradpolizist
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Eine Kollision des Motorradpolizisten mit dem Angeklagten hätte ganz böse ausgehen können. (Symbolbild)

Die Vorwürfe von Staatsanwalt Felix Giesenregen haben es in sich. Er hat einen 25-jährigen Mann wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, tätlichen Angriffs auf einen Polizisten und Mordversuchs in Hamm angeklagt.

Dortmund/ Hamm – Beim Ausscheren in den Gegenverkehr soll der Angeklagte im Dezember 2019 einen neben ihm fahrenden Motorrad-Polizisten in die Gefahr eines Sturzes gebracht haben. „Das war wirklich knapp“, erinnerte sich der Polizist zum Prozessauftakt jetzt in seiner Zeugenaussage vor dem Schwurgericht. „Ich musste bremsen, um nicht gerammt zu werden.“ Danach habe er sich gedacht: „Bleib lieber hinter dem Auto und halte Sichtkontakt, bis die Kollegen in den Streifenwagen übernehmen können.“

Der Anlass für die Verfolgungsjagd war offenbar banal. Der Angeklagte soll ohne Führerschein über die Heessener Straße gefahren sein und dem Motorrad-Polizisten mit dem Handy in der Hand aufgefallen sein. Der Beamte nahm daraufhin sofort die Verfolgung auf, um den Mann zum Anhalten zu bewegen. Doch der wollte laut Anklage mit allen Mitteln verhindern, dass die Polizei mitbekommt, dass er gar keinen Führerschein besaß.

Der Angeklagte (hier neben Verteidiger Andreas Steffen) will zu den Vorwürfen nichts sagen.

Gestoppt wurde der 25-Jährige schließlich auf Ahlener Stadtgebiet. Zunächst hatte er noch versucht, zu Fuß weiter zu flüchten, dann aber doch aufgegeben und sich festnehmen lassen. Zu den Vorwürfen von Staatsanwalt Felix Giesenregen will er im Prozess lieber nichts sagen.

Was geht aus den Videoaufnahmen hervor?

Sein Verteidiger Andreas Steffen machte jedoch deutlich, welches Ziel der Angeklagte in dem Prozess verfolgt. Er will versuchen, den schweren Vorwurf des versuchten Mordes zu entkräften. Lange und akribisch hat sich Anwalt Steffen daher die aus einem Streifenwagen gemachten Videoaufnahmen der Verfolgungsjagd angeschaut. Darauf will er erkennen, dass der Motorrad-Polizist, wenn überhaupt, dann nur kurz die Bremse betätigt, als der Angeklagte urplötzlich auf die andere Fahrspur ausschert. „Und vielleicht befand sich das Motorrad in diesem Moment ja auch im toten Winkel für meinen Mandanten“, so Steffen.

Für alle übrigen beteiligten Polizisten steht dagegen fest: „Das hätte ganz schlimm ausgehen können.“ Das sagte eine 32-Jährige Streifenwagen-Fahrerin - und weiter. „Ich habe in dem Moment fest damit gerechnet, dass es einen Unfall gibt und mein Kollege verletzt wird.“

Der Prozess wird fortgesetzt.

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