Drama am Straßenstrich in Heessen

Mord! Urteil nach Tod von Prostituierter deutlich härter

Szene mit dem Angeklagten am Tag des Urteils im Gerichtssaal.
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Szene mit dem Angeklagten am Tag des Urteils im Gerichtssaal.

Jetzt also doch: Nach dem gewaltsamen Tod einer Prostituierten auf dem Hammer Straßenstrich hat das Dortmunder Schwurgericht den Täter wegen Mordes verurteilt. Eine erste Verurteilung wegen Totschlags hatte der Bundesgerichtshof in der Revision gekippt.

Dortmund/ Hamm – Die Angehörigen des Opfers waren zwar nicht selbst im Saal, als der Vorsitzende Richter Tim Wroblweski die aus ihrer Sicht erlösenden Worte sprach. Doch über ihren Anwalt werden sie schnellstmöglich informiert worden sein. Die Richter verhängten am Mittwoch eine lebenslange Haftstrafe – und damit deutlich mehr als die achteinhalb Jahre, die am Ende des ersten Prozesses gestanden hatten.

Die jetzigen Richter sind davon überzeugt, dass der Angeklagte die bulgarische Prostituierte am frühen Morgen des 12. September 2018 erwürgt hat, um einen vorangegangenen Betrug zu vertuschen. Er hatte nämlich die sexuellen Dienstleistungen der 35-Jährigen in Anspruch genommen, obwohl er genau wusste, dass er keinen Cent mehr in der Tasche hatte.

Die Angaben des Angeklagten, dass die Frau genau über seine Geldnot Bescheid gewusst und er ja sogar noch versucht habe, sie mit einer „Nase“ Kokain zu bezahlen, verwiesen die Richter ins Reich der Fabeln. „Das alles klingt in unseren Ohren sehr konstruiert“, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Auffällig sei vor allem, dass von Kokain im ersten Prozess an keiner Stelle die Rede gewesen sei.

Prostituierte in Hamm ermordet: Null Promille bei Festnahme

Nach der Tat hatte der Angeklagte zunächst seinen Arbeitgeber und später auch einen Freund informiert und sich schließlich am Abend der Polizei gestellt. Bei seiner Festnahme betrug der Alkoholwert im Blut 0,00 Promille.

Dass der Angeklagte bei der Tat erheblich betrunken war – ein psychiatrischer Gutachter hatte Alkoholwerte zwischen 2,9 und 3,6 Promille errechnet – glauben die Richter ebenfalls nicht. Sie gehen vielmehr davon aus, dass der syrische Asylbewerber auf die Frage, was er denn getrunken habe, deutlich zu dick aufgetragen hat.

Prostituierte in Hamm ermordet: keine Entzugserscheinungen

„Hätte er wirklich einen solchen Promillewert aufgewiesen, hätte er niemals so klar und zielgerichtet handeln können“, so Richter Wroblweski im Urteil. Mehrere Zeugen hatten ihn noch unmittelbar vor seinem Besuch des Straßenstrichs gesehen und erklärt, der Mann habe vielleicht angetrunken, keinesfalls aber betrunken gewirkt.

Ein koordiniertes Auftreten trotz über drei Promille hatte Gutachter Brian Blackwell allenfalls einem „extrem trinkgewohnten Mann“ zugebilligt. Doch auch da scheidet der Angeklagte aus Sicht der Richter aus. „Denn dann hätte er nach seiner Festnahme in der Untersuchungshaft deutliche Entzugserscheinungen zeigen müssen.“

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