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Mord an Prostituierter: Akribische Suche nach DNA-Spuren dauert an

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Kurz nach dem Leichenfund am 18. Juni 2009: Die Spurensicherung übernimmt in der Nähe des Sachsenrings das Kommando. Neun Monate später wird die rote Handtasche in Berge gefunden. ▪
Kurz nach dem Leichenfund am 18. Juni 2009: Die Spurensicherung übernimmt in der Nähe des Sachsenrings das Kommando. Neun Monate später wird die rote Handtasche in Berge gefunden. ▪ © Zimmermann/Polizei

HAMM ▪ Es war ein Taxifahrer, der Monika zuletzt gesehen hat. In der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 2009. Das war heute vor zwei Jahren. Für die Ermittler ist es ihre Todesnacht. Sie wurde von einem Unbekannten ermordet.

Um kurz nach Mitternacht war der Taxifahrer an der Heessener Straße vorbeigefahren, wo die 32-jährige Ungarin auf dem Straßenstrich auf Kundschaft wartete. Weiße, hochhackige Overknee-Stiefel und ein breiter, ebenfalls weißer Gürtel machten die junge Frau auch an diesem Abend von weitem erkennbar. Was in den Stunden danach geschah, ist bis heute ein Mysterium geblieben. Der Mordfall Monika jährt sich am morgigen Sonntag – vermutlich – zum zweiten Mal.

Die Leiche der Prosituierten wird zwölf Tage später, am 18. Juni 2009, per Zufall von zwei Spaziergängern entdeckt. Unweit des Sachsenrings finden sie die Tote in einem Gebüsch, einer Örtlichkeit, die üblicherweise nicht von den Frauen mit ihren Freiern angesteuert wird. Der genaue Todestag lässt sich nicht mehr ermitteln, zur Todesursache schweigt die Dortmunder Staatsanwaltschaft. Es ist Täterwissen, das sie nicht über die Medien verbreiten will. Nur so viel steht fest: Die 32-Jährige starb eines gewaltsamen Todes.

Als die Mordkommission unter Leitung von Kriminalhaupkommissar Kai Oldenburg am gleichen Abend die Ermittlungen aufnimmt, gibt es zunächst Hoffnung auf eine schnelle Aufklärung des Verbechens. Es gibt viele Hinweise, und es kommt auch wenige Tage später zu einer Festnahme. Doch der Verdächtige wird bereits einen Tag später wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Staatsanwaltschaft ist von der Beweislage nicht überzeugt.

Ein Hinweis nach dem anderen führt in den folgenden Wochen und Monaten ins Leere. Trotzdem ist es kein perfektes Verbrechen, das Monikas Mörder begangen hat. Am 11. März 2010, also ein dreiviertel Jahr später, finden spielende Kinder auf dem Gelände des Gartenbaubetriebs Kley an der Ostdorfstraße unter einem Holzstapel eine rote Handtasche. Es ist die Tasche der 32-jährigen Ungarin. Bei der weiteren Untersuchung des Geländes entdecken Polizeibeamte ein weiteres Beweisstück: die weiße Jacke der Frau.

5,29 Millionen Fernsehzuschauer rätseln im April unter Moderation von Rudi Cerne bei „Aktenzeichen XY“ über den merkwürdigen Weg, den der Täter nahm. Warum fuhr er quer durch die Stadt, um sich der Beweisstücke ausgerechnet hier zu entledigen? Gab es Zeugen, die ihn dabei beobachtet haben?

Während zeitgleich in den Labors des Düsseldorfer Landeskriminalamtes die Stunde der High-Tech-Kriminalisten schlägt, die die Beweisstücke auf DNA-Spuren untersuchen, sitzt Kommissar Oldenburg im XY-Studio und erläutert den Fall. Es gibt vereinzelte Hinweise, doch der Durchbruch bei den Ermittlungen gelingt nicht – noch nicht.

Kai Oldenburg ist auch heute noch der Leiter der Morkommission im Fall Monika. „Solange die kriminaltechnischen Untersuchungen laufen, bestehen berechtigte Hoffungen auf eine Tatklärung“, erläutert er im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Durchführen von DNA-Analysen sei grundsätzlich eine sehr langwierige Angelegenheit. Schwierig sei es inbesondere, auf den Fundstücken Spuren von DNA zu entdecken. „Die Objekte werden mikroskosich untersucht, also bei zigfacher Vergrößerung. Und wenn man etwas gefunden hat, ist es nicht zwangsläufig DNA. Das kann auch Staub sein oder von Tieren stammen.“ Grundsätzlich sei es jedenfalls möglich, trotz langer Liegezeit DNA nachzuweisen. „Aber es bleibt die Suche nach der Stecknadel in einem Heuhaufen“, sagte er. Wie oft sie im Fall Monika schon gelang, bleibt das Geheimnis der Ermittler.

Ein Ende der Untersuchungen sei ebenfalls nicht absehbar. „Wir haben eine hohe Priorität, aber das LKA untersucht natürlich eine Vielzahl von Fällen“, sagt Oldenburg. Wenn in einer anderen Angelegenheit akuter Handlungsbedarf besteht, gehe dieser halt vor. „Aber das ist normal und auch kein Problem.“

Für Oldenburg und seine Kollegen steht fest, dass der Täter allein unterwegs war. Hinweise auf ein Raubdelikit gebe es nicht – gut möglich also, dass sich in der Tasche oder der Jacke noch die Tageseinnahmen des 32-jährigen Opfers befanden. Auskünfte dazu gibt es allerdings nicht. Ob der Täter aus Hamm stammt oder aus dem Umland, ist bis heute unbeantwortet und Anlass für Spekulationen. „Für einen Täter aus der örtlichen Umgebung spricht der versteckte Ablageort der Tasche“, sagt Oldenburg. „Andererseits kommt man an dieser Stelle vorbei, wenn man zur Autobahn 2 fahren will.“ Ein möglicher Zwischenstopp bei McDonald‘s bleibt auch nur ein theoretischer Moment: Als Tasche und Jacke im März gefunden wurden, waren die Videobänder der Kameras an der Werler Straße bereits längst gelöscht.

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