Mehr Hilfen gefordert

Mögliche Insolvenzwelle: Wirtschaftsverbände kritisieren Corona-Politik

Schotten dicht: Seit Monaten dürfen die Geschäfte in der Fußgängerzone nicht oder nur eingeschränkt öffnen.
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Schotten dicht: Seit Monaten dürfen die Geschäfte in der Fußgängerzone nicht oder nur eingeschränkt öffnen.

Angesichts des Kaugummi-Lockdowns, der sich inzwischen seit gut einem halben Jahr auch in Hamm hinzieht, wird die Lage für die lokale Wirtschaft ohne klare Öffnungsperspektiven bedrohlicher. Die Wirtschaftsverbände warnen vor einer Insolvenzwelle und kritisieren die Pandemie-Politik.

Hamm – Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Dortmund ist vor allem vom Corona-Impfgipfel auf Bundesebene Anfang der Woche enttäuscht.

„Angesichts der in Kürze zu erwartenden besseren Impfstoffverfügbarkeit vermissen wir klare Absprachen für eine Steigerung des Impftempos“, sagt er. „Den Schritt in eine Nach-Pandemiezeit wird es nur mit einer ausreichend großen Anzahl von Geimpften geben. Daher sollte nun alles daran gesetzt werden, das Impfen so schnell wie möglich auszuweiten.“ Positiv bewertet Schröder hingegen die in Aussicht gestellte Freigabe der Impfpriorisierung im Juni. „Bis dahin sollten jedoch die betriebsärztlichen Strukturen entsprechend eingebunden und ausgestattet werden.“ Hierzu fehle bislang ein konkretes Konzept.

Soloselbstständige und Kleinunternehmen leiden

Ferner könnten Erleichterungen für Genese und Geimpfte einen Beitrag zu einer konkretisierten Öffnungsperspektive leisten und Unternehmen entlasten. So hätten aktuell viele Friseure damit zu kämpfen, dass durch die Pflicht, einen negativen Test vorzuweisen, zahlreiche Kunden abspringen würden.

In Schwierigkeiten gerieten derzeit vor allem Soloselbstständige, Kleinunternehmen und Verbraucher, betont Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund. Mit dem Auslaufen der Ausnahmeregelungen zur Stellung eines Insolvenzantrags Ende April könne sich die Entwicklung nun drehen. „Nach über einem Jahr der Krise haben viele der Soloselbständigen und Unternehmen auch ihre privaten Rücklagen für ihren Lebensunterhalt und zur Aufrechterhaltung ihres Betriebs aufgebraucht. Viele in den besonders betroffenen Branchen im Gastgewerbe, der Freizeit- und Tourismuswirtschaft und in der Kultur- und Kreativwirtschaft stehen nun mit dem Rücken zur Wand“, so Schreiber.

Anstieg der Insolvenzen zu erwarten

Viele Unternehmer würden ihr Geschäft derzeit aufgeben, ohne überhaupt Insolvenz anzumelden. „Wichtige Entscheidungen in den Unternehmen werden verzögert getroffen.“ Das zeigten auch die Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen (minus 17 Prozent). Nach Einschätzung der IHK sei in den kommenden Monaten ein deutlicher Anstieg der Insolvenzen zu erwarten. Schreiber fordert daher eine Wiederanfahrhilfe. „Mit einer passgenauen Unterstützung sollte diesen Unternehmen ermöglicht werden, den Re-Start nach dem Lockdown zu finanzieren.“

Gerhard Draband vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) hadert mit den Konjunkturprognosen des Bundes (preisbereinigtes BIP: +3,5 Prozent in 2021). Im Wahljahr würden Luftschlösser gebaut. „Der Bundesregierung fehlen strategische Ansätze, der sich auftürmenden Insolvenzwelle mit geeigneten Reformmaßnahmen zu begegnen“, erklärt er.

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