"Wir haben dem Druck standgehalten": Lokalpolitik gegen Finke-Erweiterung

+
Der Chef der Möbelhauskette Kurt Krieger zog die Pläne zurück, ein Hochregallager in Rhynern bauen zu wollen. Damit kam er einer Absage der Lokalpolitik zuvor.

Hamm – Geschlossen dagegen: Alle Mitglieder der großen Koalition hätten gegen den Bau eines Logistikzentrums in Rhynern gestimmt. Das war der Tenor bei einer Pressekonferenz im Kurhaus. Kurz zuvor war der Chef der Möbelhauskette der Absage zuvorgekommen.

Vor einer Woche hieß es noch, am Finke-Standort in Rhynern müsse entweder eine 50 Millionen Euro teure Erweiterung samt Logistikzentrum entstehen oder der Standort werde aufgegeben. Überraschend zog Kurt Krieger, Chef der Möbelhaus-Kette Höffner, am Montag diese Pläne zurück. Bei einer Pressekonferenz wenige Stunden später wurde deutlich, dass die Lokalpolitik ohnehin nicht zugestimmt hätte. Es hieß, kein einziges Mitglied der großen Koalition hätte für die Pläne gestimmt.

Hier einige der Argumente und Äußerungen der Lokalpolitiker:

 „Entscheidend waren die Proteste der Bürger und das geschlossene, ruhige und sachliche Auftreten der Großen Koalition“, sagte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann über den Sinneswandel im Hause Höffner. Er selbst „hätte diese Wende nicht für möglich gehalten“.

  • CDU-Kreisvorsitzender Arnd Hilwig zeigte sich „sehr, sehr froh“ und kündigte an, dass das Thema Verkehr in Rhynern ungeachtet der Absage fürs Hochregallager noch einmal auf die Tagesordnung gehöre.
  • CDU-Fraktionschef Dr. Richard Salomon erinnerte an die Stimmen, die für den Ausbau waren – nämlich die der 150 Arbeitnehmer. Die Aussicht auf eine Aufgabe des Standorts und eine Bauruine seien „uns nun Gott sei dank erspart geblieben“.
  • Während insbesondere in der vergangenen Woche die Drähte nach Berlin im Büro des Oberbürgermeister glühten, war in Reihen der SPD deren Fraktions-Chef Justus Moor einer der akribischsten Denker und Lenker. „Der Kelch ist an uns vorbeigegangen“, sagte er mit Blick auf das Hochregallager. „Wir haben dem Druck standgehalten.“
  • SPD-Chef Marc Herter stellte mit Blick auf die Bürgergespräche und Bürgerversammlung heraus: „Es war gut, dass die Koalition aus dem Rathaus herausgegangen ist. Das sollte uns allen Mut machen, es öfter zu tun.“ Ferner habe sich gezeigt, dass das Hochregallager nichts mit dem Standort zu tun habe. „Das war eine unzulässige Verknüpfung“.
  • Grünen-Fraktions-Chef Reinhard Merschhaus meldete sich gestern zu Wort. Auch seine Partei sei „erleichtert“. Die von Beginn an vertretene Position, sich in der Frage nicht erpressen lassen zu dürfen, sei bestätigt worden. Der Möbelmarkt bleibe eine „problematische Ansiedlung“, am Antrag zur nächsten Ratssitzung, keine Änderungen am bestehenden Bebauungsplan vorzunehmen, werde aufrechterhalten.
  • Die Linken fühlten sich ebenfalls „bestätigt“ und forderten, den Wunsch der Bürger in „trockene Tücher zu bringen“. „Ansonsten sind wir uns sicher, dass die Diskussion nach der nächsten Kommunalwahl wieder losgeht.“

Für alle Berichte zum Thema klicken Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare