Ende eines Familienunternehmens nach 61 Jahren

Modehaus Lyko am Heessener Markt schließt die Pforten

Das Ende nach 61 Jahren: Dagmar Draband schließ das Modehaus Lyko – und verrät noch nicht, was kommt.
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Das Ende nach 61 Jahren: Dagmar Draband schließ das Modehaus Lyko – und verrät noch nicht, was kommt.

Wann der letzte Tag des Modehauses Lyko in Hamm-Heessen anbricht, kann Geschäftsführerin Dagmar Draband noch nicht sagen. Sie nennt ein Kriterium: „Der letzte Tag ist, wenn wir alle Waren verkauft haben.“

Hamm - Klar ist: Mit dem Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe leitet Draband das Ende des seit 61 Jahre bestehenden Modehauses am Heessener Markt ein. Das war am Montag deutlich zu sehen. Viele Kunden kamen zum Ausverkauf und verließen das Geschäft mit vollen Taschen und Plastiktüten.

Alle Mitarbeiter hatten alle Hände voll zu tun, an der Kasse bildete sich eine lange Schlange. Aber die Kundinnen hatten auch Geduld mitgebracht. „Ich habe so viel zu tun“, sagt Geschäftsführerin Draband, „ich brauche jetzt mal eine kurze Pause.“

Dagmar Draband hört gemeinsam mit ihrer Mutter auf

Warum ist jetzt Schluss? Draband bringt ihre Mutter Ulrike Frerich ins Spiel: „Wir waren immer ein Familienunternehmen, und meine Mutter ist jetzt 77 Jahre alt und möchte ihren Lebensabend gerne genießen – sie hat ja auch zuletzt immer an meiner Seite mitgearbeitet.“ Im dreimaligen Lockdown habe sie, Draband, viel Zeit gehabt, zu überlegen, wie es weitergehen könnte – und traf die Entscheidung: „Wir hören jetzt zusammen auf.“

Dabei fällt ein Stichwort, das eine große Rolle spielt: Die Corona-Krise. Drei Mal Lockdown, Einschränkungen durch die Pandemievorsorge mit Tests und Termin im Verkauf, die Angst älterer Kunden, sich außerhalb der eigenen vier Wände anzustecken. Das Modehaus Lyko war von der Pandemie besonders betroffen. Und ein Ausweichen ins Netz, den Verkauf der Kleidung via Internet-Shop: Das war für Lyko-Kunden kein gangbarer Weg.

Was wird aus dem Reisebüro und dem Gardinenstudio?

In den Räumlichkeiten des Modehauses Lyko residieren zwei Geschäfte: das Gardinenstudio von Wanda Ternka und das Sun-Reisebüro von Barbara Sander. Während Sander ihre Fläche aufgibt und ihre Reisen künftig von zuhause aus vermittelt, wird das Gardinenstudio im Untergeschoss des Gebäudes bleiben.

Das ist das zweite Stichwort: Internet. „Die Generation unter 35 Jahren ist im Netz verschwunden und kauft dort“, sagt Dagmar Draband, „da bekommen wir keine Kunden nach.“ Das, was Lyko stets ausgemacht habe, die gute Beratung und Betreuung der Kunden, war von Jüngeren offenbar nicht gewünscht. „Unsere Kundinnen schätzen die Beratung sehr“, sagt Draband, „aber es sind nicht genügend Menschen, die das wollten.“

Diese Aussichten treffen auf die Notwendigkeit, zu investieren. Denn Draband hätten viel Geld in die Hand nehmen müssen, den Laden zu modernisieren und zu renovieren, und das vor dem Hintergrund, dass nach den Corona-Einschränkungen der Modehandel mit Rabatten geworben hätte, um die Lager wieder zu leeren. So kommt es, dass das Lyko schließt, obwohl gerade abgeschlossene die Sanierung des Heessener Marktes bessere Chancen eröffnet hätte.

Mit dem Moped die Mode auf die Dörfer gebracht

Begonnen hat das Modehaus unter ganz ungewöhnlichen Umständen. Dagmar Drabands Großvater fuhr in den Fünfzigerjahren mit dem Moped über das Land und verkaufte Mode. 1960 eröffnete die Familie das Geschäft am Heessener Markt, 1968 zog sie in das heutige Gebäude um, das sie damals selbst hat bauen lassen.

Es war die Zeit des Wachstums. 1975 erfolgte ein Anbau, weil die Flächen nicht mehr ausreichten. Rund 1200 Quadratmeter waren es damals, etwa 30 Mitarbeiter beschäftigte das Familienunternehmen. Eine Schneiderei gehörte dazu, ein Gardinenstudio, eine Kinderabteilung und eine Abteilung für festliche Kleider, etwa für Hochzeiten oder zum Schützenfest. Nach und nach verkleinerte sich Lyko in den vergangenen Jahren. Heute sind es noch sieben Mitarbeiterinnen, die Fläche wurde auf 400 Quadratmeter reduziert.

Ich bin erst 52 Jahre alt, ich kann noch mal richtig durchstarten.

Dagmar Draband, Geschäftsführerin des Modehauses Lyko

Die sieben Mitarbeiter fallen nicht in ein Loch, versichert Draband, das sei ihr sehr wichtig gewesen. „Die meisten gehen jetzt in den Ruhestand, und ein paar jüngere Mitarbeiterinnen haben uns in den vergangenen Wochen schon verlassen, wenn sie die Chance hatten, anderswo zu arbeiten.“

Wie es weitergeht mit Gebäude und Verkaufsflächen, will Dagmar Draband derzeit noch nicht verraten. Sie sei in guten Verhandlungen, das Vorhaben werde eine Bereicherung für Heessen und den Heessener Markt – „wenn‘s klappt.“ Sie selbst hat noch keine konkreten Pläne, und sie sagt: „Ich bin erst 52 Jahre alt, ich kann noch mal richtig durchstarten.“

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