„März ist der wichtigste Monat“

Modehändlerin Petra Caldewey und die nahende Katastrophe

Stets optimistisch: Trotz der prekären Lage will Modehändlerin Petra Caldewey nicht aufgeben.
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Stets optimistisch: Trotz der prekären Lage will Modehändlerin Petra Caldewey nicht aufgeben.

Die jüngste Verlängerung des Lockdowns trifft Gastronomen und Einzelhändler hart. Während die Friseure ab dem 1. März öffnen dürfen, müssen Restaurants und Geschäfte weiter geschlossen bleiben.

Hamm - Petra Caldewey führt gemeinsam mit ihrem Mann seit 16 Jahren das Modegeschäft Caldewey auf dem Daberg. Sie „vertreibt“ sich die Zeit mit hohem Engagement mit anderen Dingen und für andere Menschen. Doch die existenziellen Probleme bleiben. WA.de sprach mit ihr über die kritische Situation. (Coronavirus in NRW)

Wie ernst ist die Lage?
Es ist schon prekär. Wir haben seit Mitte Dezember geschlossen und seitdem so gut wie keine Einnahmen gemacht. Wir machen einen kleinen Fensterverkauf und rufen zum Teil Stammkunden an, die Kleidung bestellt haben. Aber das ist natürlich mit viel Aufwand verbunden. Die Kunden müssen draußen warten, bekommen dann die Kleidung, nehmen sie mit nach Hause, probieren sie da an und bringen sie, wenn sie nicht passt, zurück oder kommen noch einmal vorbei, um zu bezahlen.
Ein Online-Shop war für Sie keine Option?
Wir haben darüber nachgedacht, aber das ist für uns nicht umsetzbar, da wir unsere Mode in kleinen Stückzahlen einkaufen und eine individuelle Beratung über das Internet nicht möglich ist.
Wie lange können Sie unter diesen Umständen noch durchhalten?
Nicht mehr lange. Wir haben die Frühjahrs-Ware ja schon im August bestellt – damals hatte Herr Spahn ja versprochen, dass die Geschäfte nicht noch einmal geschlossen werden. Deshalb haben wir ganz normal Ware bestellt. Das ist ein mittlerer fünfstelliger Betrag. Die Ware müssen wir auch abnehmen. Anders, als es viele vielleicht glauben, gibt es kein Rückgaberecht oder eine Stornierungsmöglichkeit. Weil uns die Einnahmen aus dem Winterschlussverkauf fehlen, müssen wir das jetzt aus unserer Altersvorsorge bezahlen. Wenn die Geschäfte ab dem 7. März öffnen dürfen, könnten wir die Kurve noch kriegen. Denn der März ist für uns der wichtigste Monat. Normalerweise findet dann unsere Frühjahrsmodenschau statt und die Kunden decken sich neu ein. Die Modenschau machen wir wieder digital, wenn der Lockdown aber bis Ende März verlängert wird, wäre das eine Katastrophe.
Wie sieht es mit den Corona-Hilfen aus? Fangen die einen Teil ihrer Kosten auf?
Von den Hilfen kommt leider nur wenig an. Sie decken ja weiterhin nur einen Teil der Fixkosten wie Miete, Versicherungen und so weiter ab. Gehälter und Wareneinkauf müssen wir selbst stämmen. Was versprochen wurde und was wir jetzt tatsächlich bekommen, ist ein großer Unterschied. Und ändert sich täglich.
Haben Sie darüber nachgedacht, das Geschäft zu schließen?
Das ist für uns keine Option. Wir sind von unserem Konzept überzeugt. Wir ordern jetzt gerade die Wintermode mit allem, was das Sparbuch hergibt. Wir brauchen jetzt schnell eine Öffnungsperspektive und sei es erst einmal nur eine Kundin mit Termin ins Geschäft zu lassen. Besser heute als morgen, wir stehen bereit.

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