100 Prozent fürs „Fiftynine“

Vereinsheim zum echten Restaurant umgebaut - mitten in der Pandemie!

Ein festlich gedeckter Tisch, der nur noch Gäste braucht: Frank Bögel ist für die „normalen Zeiten“ gerüstet.
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Ein festlich gedeckter Tisch, der nur noch Gäste braucht: Frank Bögel ist für die „normalen Zeiten“ gerüstet.

Mitten in der Corona-Pandemie hat Frank Bögel ein Vereinsheim in Hamm zum Restaurant mit Ambiente umgebaut. Viel Geld und viel Leidenschaft hat er investiert. Jetzt muss eigentlich „nur“ noch der Lockdown vorübergehen.

Hamm - Frank Bögel steht in den Startlöchern. Und aktuell auch in der Küche des „Fiftynine“, wie das Vereinsheim des TuS 59 nun heißt. In Töpfen köchelt es verheißungsvoll. „Allein in die Küchenausstattung sind rund 35.000 Euro für neue Geräte gesteckt worden“, sagt der 44-Jährige.

Die Begeisterung ist dem Restaurantchef anzumerken. Vor ein paar Tagen hat er im Rietzgartenviertel rund 500 Außer-Haus-Karten in die Briefkästen gesteckt. „Nur im Umkreis von 150 Metern, dann ist das Essen noch heiß, wenn es zuhause ankommt“, sagt Bögel, der eigentlich gehofft hatte, in diesen Tagen öffnen zu können. So lange der Betrieb nun ruht, bleibt es vorerst beim Schlemmen-to-go. Dass sich Bögel dafür selbst an den Herd stellt, ist ungewöhnlich: Pfiff in die Küche bringen soll eigentlich Koch Ralf Jansen, der derzeit noch Arbeitslosengeld bezieht und bei Bögel vorerst nur ein wenig aufstockt.

Der Arbeitsvertrag wird unterschrieben, sobald der Lockdown endet. „Vorher kann ich mir die Festanstellung nicht leisten”, erklärt Bögel. Die aktuellen Speisepläne arbeitet Jansen bereits aus und sorgt dafür, dass Bögel sie mit Unterstützung einer Küchenhilfe umsetzen kann. Chef und Koch telefonieren derzeit häufig. Bevor sie in den Außer-Haus-Verkauf starteten, gab es ein Probekochen für die jüngere Etage des Vereins.

„Ich lebe jetzt vom Geld meiner Frau“, sagt Frank Bögel.

TuS-Vereinsheim wird Restaurant Fiftynine: Hoffen auf Azubis

Die Agentur für Arbeit ist bei dem Modell mit im Boot. Derzeit arbeitet Ralf Jansen unter dem Dach der DAA darauf hin, den Ausbilderschein zu bekommen. „Wenn wir loslegen können, wollen wir auch Azubis einstellen, Ausbildungsbetrieb werden”, verrät Bögel.

Die Außer-Haus-Karten lassen erahnen, wo es hingehen soll: Bodenständiges und Raffiniertes findet sich. Und natürlich dürfen die beliebten Schnitzel nicht fehlen. Schauen Vereins-Funktionäre und Mitglieder vorbei, wird gefrotzelt, ob Bögel sich wohl bald zu fein für Currywurst sei. Ernst gemeint ist das nicht. Im Gegenteil – alle wünschen sich, dass bald wieder Leben einkehrt. Über den neuen Namen der Restauration hat Bögel lange nachgedacht: Zum einen wollte er seinem Lokal eine eigene Note verleihen, aber die Bande zum Verein nicht gänzlich kappen: Mit Fiftynine können alle leben, zumal das Logo im sportlichen Rot-Weiß-Design mit schwarzer Schrift daher kommt.

Mehrere dutzend Außer-Haus-Essen hat Bögel bereits rausgegeben. Zum Leben reicht das nicht. „Ich lebe jetzt vom Geld meiner Frau. Bis Ende April halten wir das noch durch, dann müssen wir uns was einfallen lassen.”

Frische Zutaten in der Küche: Das Konzept für die Speisekarte steht.

TuS-Vereinsheim wird Restaurant Fiftynine: Den Traum leben

Bögel, gebürtiger Rheinländer, ist der Liebe wegen nach Hamm gekommen. Seit 20 Jahren tummelt er sich in der Gastronomie, seit drei Jahren wirbelt er auf dem TuS-Gelände. Die beginnenden Renovierungs- und Sanierungsarbeiten wollte er eigentlich zum Anlass nehmen, sich eine neue Herausforderung zu suchen. Seine Partnerin Sandra Messner überredete ihn, zu bleiben und seinen Traum vom eigenen Restaurant mit großem Biergarten und pfiffiger Küche zu leben.

Mitten in der Pandemie, Anfang Oktober 2020, übernahm Bögel also die Gastronomie des Tus 59. Zunächst gab es finanzielle Unterstüzung vom Land. „Heute bekomme ich nichts mehr. Aber ich kann mich dennoch glücklich schätzen. Anderen Kollegen geht es sehr viel schlechter. So lange der Laden Corona-bedingt nicht läuft, verzichtet der Verein auf die Pacht. Die Sanierung, die rund eine halbe Million gekostet hat, wurde vom Verein und mit Fördergeldern des Landes NRW finanziert.” Klar, in die Ausstattung hat er investiert und um die liebevolle Dekoration kümmert sich Sandra Messner. Einen Tisch im Erker hat Bögel wie für ein Gala-Diner eingedeckt, um zu zeigen, was einmal möglich sein wird.

TuS-Vereinsheim wird Restaurant Fiftynine: Events für viele Gäste

Neben dem Schankraum mit einigen Sitzplätzen und dem Blick in die Tennishalle ist der große Saal Bögels ganzer Stolz. Licht und hell stehen dort die Tische in zurückhaltenden Farben. Gut vorstellbar, dass hier einmal 45 Gäste gleichzeitig bei Kerzenlicht speisen oder aber Fußballfans vor dem großen Flachbildschirm ihren Favoriten anfeuern. Einige sind quadratisch, um den Bridge-Runden ideale Bedingungen zu bieten. Eine Trennwand bietet die Möglichkeit, den Raum zu verkleinern. „In Corona-Zeiten ist das natürlich auch ein Spuckschutz“, fügt der Restaurant-Chef an.

Veranstaltungen mit bis zu 350 Leuten sind da denkbar – von der Hochzeit bis zum runden Geburtstag und der Grillrunde nach der Fahrradtour bietet die barrierefreie Anlage unzählige Möglichkeiten.

TuS-Vereinsheim wird Restaurant Fiftynine: Nachhaltigkeit wichtig

Während Bögel die Außenbestuhlung in Stellung bringt, wird noch der in die Terrasse eingebettete Bouleplatz erneuert. Spielgeräte für Kinder sollen folgen: Eine Nestschaukel im Baum, Slacklines zwischen Bäumen und ein Klettergerüst unterm Baum. „Plastikflaschen oder so etwas gibt es nicht mehr, ich habe beispielsweise auf Glasflaschen umgestellt, achte auf Nachhaltigkeit in Bewirtschaftung und Küche.“ Das Konzept kommt bei potenziellen Sponsoren an, ein paar Getränkehersteller unterstützen Bögel bereits. Er glaubt an den Erfolg: Leckeres Essen in einem runderneuerten und multifunktionalen Anwesen, ein Biergarten in Spaziernähe zum Kanal und zum Kurpark, Parkplätze satt und zahlreiche Vereinsmitglieder als Multiplikatoren.

Die Speisekarte per Flyer wird es künftig wohl nicht mehr geben. Einer seiner drei Söhne baut die Internetseite und kümmert sich um Social Media. Geöffnet ist täglich von 12 bis 20 Uhr. Wer die Außer-Haus-Gerichte bestellen möchte, tut das am besten zwei Tage vorher unter Telefon 0163/4822202.

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