Es geht auch um erfundene Firmen

Krankenhaus-Mitarbeiter soll Vermögen veruntreut haben

+

Hamm/Dortmund - Ein Mitarbeiter der Finanzbuchhaltung der Dortmunder St.-Johannes-Gesellschaft soll das Unternehmen um ein Vermögen betrogen haben. Zu der Gesellschaft gehört auch das St.-Marien-Hospital Hamm.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem hohen sechs-, möglicherweise auch siebenstelligen Schaden aus. Die Krankenhausgesellschaft spricht laut Medienberichten von 1,2 Millionen Euro, die veruntreut worden seien sollen.

Der 36-jährige Buchhalter soll über Jahre hinweg Scheinrechnungen von ihm erfundenen Firmen ins Zahlungssystem eingepflegt und die fälligen Geldbeträge auf sein eigenes Konto überwiesen haben. Angefangen haben soll das Ganze bereits im Jahr 2010. Ein Teil der Taten wäre damit strafrechtlich bereits verjährt. Die Dortmunder Polizei und Staatsanwaltschaft seien derzeit dabei, die einzelnen Untreuehandlungen zusammenzutragen.

Von Relevanz seien wegen der Verjährungsfrage insbesondere die Fälle ab dem Jahr 2014. Wie häufig sich der 36-Jährige, der in Düsseldorf wohnt und ein Verwandter eines früheren St.-Johannes-Funktionsträgers sein soll, möglicherweise Geld aufs eigene Konto überwies, könne von den Ermittlern derzeit noch nicht abgesehen werden, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Seit Ende 2018 laufen die Ermittlungen gegen den Beschuldigten. Eine Anklage ist noch nicht erhoben worden.

Lesen Sie auch:

Krankenhaus-Mitarbeiter griff 626 Mal in Patientengeld-Kasse

Hammer Kliniken unter den Besten in Deutschland

Junge Ärzte meiden Hamm - Liegt's am miesen Image?

Mitarbeiter in Vertrauensstellung

Die mutmaßlich kriminellen Machenschaften wurden demzufolge über acht Jahre im Unternehmen nicht bemerkt. Laut Medienberichten soll der Mann eine Vertrauensstellung besessen haben. Er habe gegenüber der St.-Johannes-Gesellschaft zwischenzeitlich das Fehlverhalten eingestanden. Für die Gesellschaft arbeitet er nicht mehr. Er soll zudem gegenüber den Ermittlern angekündigt haben, 150.000 Euro als sofortige Wiedergutmachung zahlen zu wollen. 

Fälle dieser Art tauchen immer wieder im Gesundheitswesen auf. 2015 musste sich in Hamm eine damals 52-jährige Apothekenangestellte vor Gericht verantworten, weil sie über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren fällige Rechnungsbeträge ihres Arbeitgebers auf ihr eigenes Konto eingezahlt und das Hammer Unternehmen so um ein Haar in den Ruin getrieben hatte. 145 Mal überwies sie sich Beträge zwischen 500 und 8000 Euro – insgesamt 437.000 Euro – auf ihr eigenes Konto. Mit dem Geld kaufte sie in Online-Portalen Schmuck, Parfüm und Kleidung ein. Sie wurde zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt.

Das ist die St.-Johannes-Gesellschaft:

Die Dortmunder St.-Johannes-Gesellschaft wurde 1989 gegründet und ist Träger von acht Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen an zehn Standorten. Das St.-Marien-Hospital Hamm fusionierte 2011 mit dem katholischen Unternehmen, in dem rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Im Jahr 2017 machte das Unternehmen einem Umsatz von 342 Millionen Euro einen Jahresüberschuss von 1,5 Millionen Euro. Das St.-Marien-Hospital hatte dabei einen Gesamtumsatz von 88,5 Millionen Euro. Gut 16.000 Patienten wurden in den beiden Hammer Häusern versorgt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare