Klopapier und Hamsterkäufe

Aggressivität in vielen Läden - doch Waren werden nicht knapp!

Weniger los als üblich ist dank des Coronavirus im Hammer Allee-Center.
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Weniger los als üblich ist dank des Coronavirus im Hammer Allee-Center.

Die Sorge vor dem Coronavirus treibt die meisten Hammer mächtig um. Mitarbeiter im Einzelhandel beklagen eine aggressive Stimmung.

Hamm – Ein häufiges Bild in Lebensmittelmärkten sind in den zurückliegenden Tagen Regale ohne Ware. Nudeln, Dosensuppe, Toilettenpapier und Desinfektionsmittel sind besonders gefragt und werden teilweise direkt von der Palette in den Einkaufswagen befördert. So ist nicht für jeden immer alles zu bekommen. Ein Grund zur Besorgnis? "Nein!", betonen Marktleiter, Großhändler und Lieferanten auf WA-Anfrage unisono.

Fakt ist: Es gibt keine Waren-Knappheit. Weder bei frischen Produkten wie Fleisch und Gemüse noch bei Konserven. Auch Hygieneartikel wie Toilettenpapier werden weiter in die Lebensmittelmärkte und Discounter geliefert. Das Problem: Durch Hamsterkäufe werden diese Waren schneller wieder aus den Regalen genommen als sie nachgelegt werden können.

Die Angst vor dem Coronavirus sorgt auch in Hamm für Hamsterkäufe. „Die Menschen kaufen, als ob es kein Morgen gibt“, berichtet die Leiterin eines Edeka-Marktes. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Dabei müssten sich die Kunden keine Sorgen machen. „Unser Lager ist voll, regelmäßig wird Ware geliefert, werden die Regale im Markt aufgefüllt“, sagt sie. Inzwischen hat der Markt reagiert: Jeder Kunde bekommt nur noch eine Packung Toilettenpapier und Küchenrollen.

Teilweise aggressive Stimmung

Die Situation in ihrer Filiale beschreibt die Leiterin als ruhig bis aggressiv. „Einigen Kunden können wir es nicht recht machen. Sie beschweren sich, weil es nicht schnell genug geht oder weil sie nur eine Packung Toilettenpapier erhalten können.“ Ihnen könnte sie nur entgegenhalten, dass die Situation für alle neu sei und jeder Mitarbeiter sein bestes gebe.

Ähnlich sieht es in anderen Geschäften aus. Die Leitung des Kaufland-Marktes im Hammer Westen wollte auf WA-Anfrage zwar nichts zur Situation im Markt sagen und verwies auf die Konzern-Pressestelle, die lediglich allgemeine Auskünfte erteilt. Hinter vorgehaltener Hand ist aus dem Markt allerdings zu hören, dass die Kunden teilweise aggressiv reagieren, wenn der gewünschte Artikel kurzfristig nicht verfügbar ist. Eine Beschränkung werde es aber nicht geben. Es sei schließlich insgesamt genug für alle da.

In einigen Märkten werden als Reaktion auf Hamsterkäufe nur noch begrenzte Mengen verkauft.

„Wenn die Menschen nur so viel kaufen, wie sie auch wirklich benötigen, hätten wir diese Situation so nicht. Selbst wenn sie für zwei oder drei Wochen einkaufen, würde das noch funktionieren. Die Mengen, die mitgenommen werden, sind allerdings irrational hoch“, sagt auch eine Mitarbeiterin eines Discounters im Norden der Stadt, die anonym bleiben möchte.

Genügend Klopapier in Großmärkten

„Alles im Griff“ haben die beiden Großmärkte in Hamm, Rullko und Handelshof. „Keine Lieferengpässe“ versichern Marie-Christine Ostermann (Rullko) und Jürgen Bringsken vom Handelshof. Das Hammer Familienunternehmen Rullko hat sich auf die Lebensmittelversorgung von Restaurants, Seniorenzentren und Kliniken spezialisiert. Täglich werde das Lager mit Lebensmittel beliefert. „Es ist alles vorhanden“, sagt Marie-Christine Ostermann. Täglich kommen neue Waren, niemand müsse sich Sorgen machen. Mitarbeiter seien auf besondere Hygienemaßnahmen aufmerksam gemacht worden und desinfizierten sich häufig die Hände. Ostermann: „Wir gehen besonnen durch die Krise.“

Ähnlich bewertet die Situation auch Jürgen Bringsken vom Handelshof. Gewerbliche Endkunden können bei ihm einkaufen. Seit vergangenem Freitag sei die Nachfrage gegen 14 Uhr „explodiert“. Während Gastronomen Waren abbestellten, würden seine übrigen Kunden sehr viel einkaufen.

„Es ist aber noch alles da“, sagt Bringsken. Niemand müsse sich Sorgen machen, Lieferengpässe geben es keine. Täglich würden Nachschub geliefert. Lediglich Desinfektionsmittel seien nicht mehr zu bekommen. „Die sind den Krankenhäusern vorbehalten“, so der Handelshof-Geschäftsführer. Die Lebensmittelindustrie arbeite nach wie vor und liefere ihre Waren aus.

Mitarbeiter werden besonders geschützt

Mitarbeiter-Schutz ist in diesen Tagen das höchste Gut in den Läden. Kein Marktleiter will riskieren, dass ihm Teile der Belegschaft krankheitsbedingt wegbrechen. Im Edeka-Markt werden besondere Schutzmaßnahmen für die Kassiererinnen ergriffen. Sie arbeiten seit Kurzem mit Einweghandschuhen und können ihre Hände desinfizieren. „Außerdem sollen sie häufiger eine Pause machen, um sich die Hände zu waschen“, sagt die Marktleiterin.

Einige Kunden treffen ebenfalls Vorkehrungen, weil sie Angst vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 haben. Mit Mundschutz und Handschuhen schlendern die Menschen durch die Gänge. Manuela Kaiser hat einen besonderen Grund, warum sie aktuell nur mit Atemschutz das Haus verlässt. Sie erholt sich von einer Brustkrebs-Erkrankung im vergangenen Jahr. Ihr Mann Michael trägt zu ihrer Sicherheit auch einen Mundschutz, während er frische Tomaten in den Einkaufswagen legt. „Wir wollen kein Risiko eingehen“, sagt er.

Allee-Center wartet auf klare Vorgaben

Im Allee-Center warten die Verantwortlichen unterdessen auf konkrete Regelungen. Die NRW-Landesregierung hatte angekündigt, dass ab heute strenge Regeln auch für Einkaufszentren gelten. „Nur noch zur Deckung des dringenden Bedarfs und unter strengen Auflagen sollen die Bürger ab Dienstag Einkaufszentren, Shopping-Malls und Factory-Outlets betreten dürfen“, teilte das Land mit. Laut Landesregierung werde dies auch durchgesetzt, um nach den Schulschließungen, die seit Montag gelten, größere Versammlungen von Schulkindern zu verhindern.

Wie das konkret umgesetzt wird, konnte Center-Managerin Cornelia Ludlei noch nicht abschließend sagen. „Sobald die Behörde die konkreten Regelungen der von der Landesregierung angekündigten Auflagen verabschiedet hat, werden sie im Allee-Center umgehend und in enger Abstimmung mit den Behörden umgesetzt“, sagt sie.

Präventive Maßnahmen umgesetzt

Solange die Behörden die Auflagen noch nicht konkretisiert hätten, könnte sie aktuell noch nicht einschätzen, wie die Umsetzung im Detail aussehe und welche einzelnen Maßnahmen dafür im Allee-Center erforderlich seien. „Die gesamte Entwicklung ist aktuell sehr dynamisch und wir beobachten sie daher sehr genau, um in geeigneter Weise reagieren zu können“ so die Center-Managerin. In der Allgemeinverfügung, die der Oberbürgermeister zuletzt erlassen hat, steht dazu Folgendes: „Der Aufenthalt in Einkaufscentren und Einrichtungshäusern ist nur zur Deckung des dringenden oder täglichen Bedarfs gestattet.“

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, seien im Allee-Center eine Reihe von präventiven Maßnahmen umgesetzt worden, sagt Ludlei. Zusätzliche Desinfektionsspender wurden aufgestellt und die Reinigungskräfte angewiesen, häufiger neuralgische Punkte wie etwa Türgriffe zu desinfizieren.

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