Riesenglück für 51-jährigen Lünener

Mit Auto auf Jogger zugerast - Rentner aus Hamm gesteht

Der Angeklagte und sein Anwalt Karsten Possemeyer am ersten Tag des Prozesses.
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Der Angeklagte und sein Anwalt Karsten Possemeyer am ersten Tag des Prozesses.

Weil er mit seinem Auto Jagd auf einen Jogger gemacht haben soll, muss sich ein 75-jähriger Rentner aus Hamm seit Dienstag vor dem Dortmunder Schwurgericht verantworten. Der Prozess begann mit Nervosität und einem ersten knappen Geständnis.

Dortmund/ Hamm – Der Angeklagte aus dem Hammer Süden hatte seine ganze Familie mitgebracht, die ihm eigentlich Unterstützung geben sollte. Als die Verhandlung dann jedoch aufgerufen wurde und die Richter den Saal betraten, schien er doch wieder hoch nervös zu sein.

Gleich dreimal musste der Vorsitzende Richter Thomas Kelm ansetzen, um den 75-Jährigen dazu zu bringen, seine Personalien zu bestätigen. „Mein Mandant steht heute ziemlich neben sich“, sagte Verteidiger Karsten Possemeyer.

Das traf offenbar auch auf den Nachmittag des 14. Dezember 2019 zu. Der Angeklagte war mit seinem betagten Mercedes auf der Bradfordstraße (sie kreuzt die Ahornallee) unterwegs, als er auf einen am Straßenrand joggenden Mann traf. Der Sportler aus Lünen hatte gerade seinen Sohn zum Auswärtsspiel beim Hammer SC abgeliefert und war dann einfach losgelaufen. „Das mache ich immer so, stets der Nase nach“, sagte der Zeuge.

Rentner aus Hamm jagd Jogger: Scheibenwischer-Geste

Der Mercedes des Angeklagten soll ihm dann aber bedrohlich nahegekommen sein. Also fuhr der Zeuge seine Hand aus und schlug einmal auf die hintere Seitenscheibe. „Ich wollte auf mich aufmerksam machen“, sagte er den Richtern. Und er gab auch zu, dem Angeklagten kurz darauf auch noch die Scheibenwischer-Geste gezeigt zu haben.

Die Reaktion des heute 75-Jährigen hätte er sich aber niemals vorstellen können. „Ich war ein paar Meter weitergelaufen, als plötzlich hinter mir der Motor ein paarmal laut aufheulte“, erinnerte sich der 51-Jährige. Dann sei der Mercedes mit einiger Geschwindigkeit auf ihn zugefahren. Ein beherzter Sprung über eine Reihe am Straßenrand liegender Findlinge habe ihn jedoch
gerettet.

Rentner aus Hamm jagd Jogger: Mit voller Wucht auf Findlinge

Der Mercedes war damals mit solcher Wucht gegen die Steine geprallt, dass einer sogar bis in einen Hauseingang geschoben wurde. Ein anderes Fels-Hindernis stoppte schließlich den Wagen - bei dem Aufschlag brach sogar die Vorderachse.

Verteidiger Possemeyer erklärte nach einem kurzen Rechtsgespräch zu Verhandlungsbeginn, dass sein Mandant die Tat an sich einräume. Er werde sich später noch ausführlicher zu seinem Motiv äußern. Klar sei aber schon jetzt: „Er hatte natürlich keinen Tötungsvorsatz.“

Für den Fall, dass man am Ende tatsächlich nur von einer versuchten Körperverletzung ausgehen könnte, stellte das Gericht dem 75-Jährigen schon jetzt eine Bewährungsstrafe in Aussicht.

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