Missverständnis um Unitymedia-Einsatz in Hamm

Monteure oder Betrüger? Kein Einlass ohne Ausweis!

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Techniker von Unitymedia waren der Auslöser für den aktuell diskutierten Fall. (Symbolbild)

Hamm - Wenn Handwerker unvermittelt und ohne Ankündigung vor der Haustür stehen, ist das nicht immer ein gutes Zeichen. Wie kompliziert die Situation werden kann, zeigt ein aktuell diskutierter Fall aus Bockum-Hövel.

„Falsche Handwerker betrügen Mann.“ „Falscher Dachdecker zockt Seniorin ab.“ „Falsche Installateur erbeutet Bargeld.“ Dutzende Trickbetrugsfälle dieser Art tragen sich jedes Jahr in Hamm zu. Werden sie von den Opfern angezeigt, warnt die Polizei öffentlich, um andere Menschen zu sensibilisieren. Das funktioniert auch, wie sich vor wenigen Tagen in Bockum-Hövel zeigte – nur dass es diesmal die Falschen traf.

Was war passiert?

Zwei Männer im Handwerker-Outfit klingelten am Donnerstag, 18. Oktober, an der Oppelner Straße bei einer 77-jährigen Frau, um im Auftrag von Unitymedia eine Telefonleitungsstörung zu beheben. Obwohl die Seniorin skeptisch war, durften sie in die Wohnung, um sie schon wenige Minuten später wieder zu verlassen und mit einem „weißen Caddy mit RE-Kennzeichen“ wegzufahren.

Weil die mutmaßlichen Monteure keinen Ausweis vorzeigen konnten, blieb das Grübeln der Seniorin. Ein Anruf bei Unitymedia brachte die Erkenntnis, dass gar kein Auftrag für ihre Wohnung vorliege und sie daher bei der Polizei Strafanzeige stellen solle. Was sie prompt tat. In der Konsequenz veröffentlichte die Polizei die dann auch vom WA verbreitete Warnung vor „falschen Unitymedia-Mitarbeitern“, mitsamt entsprechender Personenbeschreibung der „Flüchtigen“.

Techniker im Einsatz.

Eine Nachricht mit unerwartetem Nachhall: So meldeten sich WA-Leser mit Korrekturbedarf. Sehr wohl seien Monteure mit Auftrag und dem genannten Auto in dem Bereich unterwegs gewesen. Bestätigt wurde indes, dass sie sich weder ausweisen konnten noch angemeldet waren. Recherchen zufolge handelte es sich um Mitarbeiter eines Subunternehmens.

Polizei: Im Zweifel von Betrug ausgehen

Die Polizei räumte das Missverständnis ein, bestätigte die Skepsis und die folgende Anzeige jedoch als völlig korrekt. „Wir finden es gut und richtig, dass die Menschen in solch einer unklaren Situation skeptisch sind“, urteilte Polizeisprecherin Julia Breitenstein. Man müsse immer erst von „betrügerischen Absichten ausgehen“.

Handwerker im Einsatz.

Diese Ansicht teilt auch das Unternehmen selbst. „Falls sich Verbraucher mit dem spontanen Besuch eines Unternehmensvertreters nicht wohl fühlen, empfehlen wir, einen Termin für einen späteren Zeitpunkt zu vereinbaren oder eine Vertrauensperson hinzuzuziehen“, sagte eine Firmensprecherin auf Nachfrage. Auch der Abgleich von Personal- und Dienstausweis sowie der Anruf bei der Unitymedia-Hotline schaffe Sicherheit.

Ausweis für Unitymedia-Leute Pflicht

Das Tragen eines Unitymedia-Ausweises mit Foto, Mitarbeiternummer und einer Telefonnummer – für eventuelle Rückfragen – sei für alle Mitarbeiter Pflicht, heißt es weiter. Zudem trügen sie auf ihrer Kleidung das Unitymedia-Logo und nutzten ein Fahrzeug mit Firmenlogo. Bei unerwarteten Störungen bleibe aber manchmal keine Zeit, alle betroffenen Kunden im Vorfeld zu benachrichtigen.

In diesem Fall führte der Einsatz des Kommunikationsunternehmens zur genannten kommunikativen Fehlerkette...

Zweifel? So verhalten Sie sich richtig:

Um möglichen Trickdieben keine Chance zu geben, geben Polizei und Verbraucherschützer folgende Verhaltenstipps, wenn ein Besuch unangekündigt ist oder die Personen unbekannt sind:

  • Lassen Sie erst einmal keine Unbekannten ins Haus.
  • Nutzen Sie Sicherheitsvorkehrungen wie Türspion, Gegensprechanlage oder Sperrbügel.
  • Lassen Sie sich die Dienstausweise zeigen.
  • Lassen Sie Fremde draußen warten und überprüfen Sie die Angaben durch telefonische Nachfrage bei der zuständigen Firma oder Behörde. Teilen Sie dies dem Unbekannten vor der Tür mit. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
  • Verständigen Sie bei verdächtigen Feststellungen direkt den polizeilichen Notruf 110. Sind die Fremden seriös, werden sie warten.

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