Was heißt das für den Prozess?

Missbrauchsprozess gegen Hammer (57): Neuer Datenträger aufgetaucht

Missbrauch Opfer
+
Ein 75 Jahre alter Geschäftsmann aus Hamm steht in Dortmund vor Gericht. Er soll mehrere Jugendliche missbraucht haben. (Symbolbild)

Seit fast zehn Monaten verhandelt das Dortmunder Landgericht über schwere Missbrauchsvorwürfe gegen einen 57-jährigen Geschäftsmann aus Hamm. Jetzt fordert der Angeklagte den sofortigen Stopp des Verfahrens – weil die Polizei neue mögliche Beweismittel vorgelegt hat.

Dortmund/ Hamm – Staatsanwältin Stephanie Rößler wirft dem Angeklagten vielfachen sexuellen Missbrauch von mehreren Jugendlichen vor. Die mutmaßlichen Opfer sollen sich bei ihm für Gelegenheits-Jobs beworben haben und anschließend über eine längere Zeit missbraucht worden sein.

Die 31. Jugendstrafkammer des Dortmunder Landgerichts hat bereits zahlreiche Zeugen vernommen – die meisten davon unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Weitere geplante Vernehmungen gestalten sich dagegen offenbar schwierig. Am Dienstag ließ ein junger Mann, der inzwischen in Cottbus lebt, mitteilen, dass er wegen der angespannten Wetterlage und der damit verbundenen Straßenverhältnisse gerne auf eine Anreise nach Dortmund verzichten würde. „Wir halten das absolut für geboten“, entschied der Vorsitzende Richter Ulf Pennig klar.

Unter anderem auch, weil zuletzt wichtige Personen in häusliche Quarantäne mussten und das Verfahren daher offiziell in den Zustand der „Hemmung“ versetzt wurde, sind die Richter aktuell noch nicht so weit, wie sie es eigentlich ursprünglich mal vorhatten. Dennoch sind bisher nur noch drei weitere Verhandlungstage bis zum 24. März terminiert.

Geschäftsmann aus Hamm vor Gericht: Kommt nun alles ganz anders?

Möglicherweise kommt nun aber alles ganz anders. Verteidiger Norbert Velser verlas am Montag einen Antrag, das Verfahren umgehend auszusetzen, hilfsweise aber für einen längeren Zeitraum zu unterbrechen.

Hintergrund dieser Forderung ist der Umstand, dass die Polizei den Verfahrensbeteiligten erst Anfang Januar einen weiteren Datenträger übermittelt hat, auf dem sich Sprachnachrichten des Angeklagten und auch Chatverläufe mit Jugendlichen befinden sollen.

Geschäftsmann aus Hamm vor Gericht: „Bewusst zurückgehalten“

Velser wirft der Polizei vor, diese Daten offenbar „bewusst zurückgehalten zu haben“. Denn aus seiner Sicht ist klar: Hätten diese Informationen schon frühzeitig vorgelegen, wären „einige der bisher schon erfolgten Zeugenvernehmungen sicherlich anders verlaufen“.

Der Verteidiger beklagt, dass er bislang nicht die Zeit hatte, das offenbar umfangreiche Datenmaterial zu sichten, auszuwerten und das Ergebnis anschließend mit seinem Mandaten zu besprechen. Aus diesem Grund solle die Kammer das Verfahren komplett aussetzen und die Verhandlung gegen den 57-Jährigen zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal neu beginnen. Dann könnten die Zeugenvernehmungen auch noch einmal in der gebotenen Ausführlichkeit wiederholt werden.

Geschäftsmann aus Hamm vor Gericht: Schriftliche Stellungnahme erwartet

Die Richter forderten die übrigen Verfahrensbeteiligten daraufhin auf, bis zum kommenden Freitag, 12. Februar, um 13 Uhr eine schriftliche Stellungnahme zu dem Antrag abzugeben.

Bis zur Fortsetzung der Verhandlung am Mittwoch, 24. Februar, werde die Kammer dann über den Antrag entscheiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare