„Medical Data Space“ für unabhängige und zentrale Speicherung

Missbrauch von Gesundheitsdaten: Patientenschutz made in Hamm

Digitale Technologie im Gesundheitsbereich
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Symbolbild

Hamm - Gesundheitsdaten sollen künftig unabhängig und zentral gespeichert werden. Das „Medical Data Space“ in Hamm soll das möglich machen.

Wenn wir uns beim Arzt oder im Krankenhaus behandeln lassen, werden jedes Mal sensible Daten über unsere Gesundheit gesammelt. Egal ob der Zustand unseres Herzens, die Sehschwäche oder die Diabeteserkrankung: Alles landet in den Datenbanken verschiedener Fachärzte. Der Zugriff für andere behandelnde Mediziner ist – wenn überhaupt – nur stark begrenzt möglich. In Notfällen geht deshalb oft wertvolle Zeit verloren. Befunde müssen teilweise telefonisch erfragt oder persönlich in der Praxis abgeholt werden. Der Patient wird so zum Dienstboten.

Abhilfe soll jetzt die Einrichtung des sogenannten „Medical Data Space“ in Hamm (hier klicken für Homepage!) schaffen, der jetzt im Rahmen der „Digitalen Woche“ offiziell eröffnet wurde. Das einfache Prinzip: Der Patient wird endlich Herr seiner eigenen Daten und kann entscheiden, wer auf die Informationen zugreifen kann.

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langfristig an Marker Allee angesiedelt

In den vergangenen Monaten wurde im Fraunhofer-Anwendungszentrum Symila und an der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) an der Infrastruktur für das Online-Portal, das am Dienstag in den Probebetrieb übergegangen ist, gewerkelt. Langfristig soll der „Medical Data Space“ im Innovationszentrum an der Marker Allee angesiedelt werden. In einem Testbereich können dort künftig verschiedene Akteure der Gesundheitswirtschaft an Lösungen arbeiten, die Daten aus den eigenen Erhebungen miteinander zu vernetzen.

Insel-Lösungen sollen verbunden werden

„In den vergangenen Jahren hat jede Klinik, jedes Gesundheitszentrum eigene Insellösungen entwickelt. Die wollen wir jetzt miteinander verbinden“, erklärte Professor Harald Mathis vom Fraunhofer-Institut. „Uns liegt dabei neben der Souveränität der Patienten vor allem die Datensicherheit am Herzen.“ So sei gewährleistet, dass die Informationen – beispielsweise zur Dosierung eines Medikamentes – nicht von Dritten manipuliert werden können und dadurch Leben gefährdet werden.

Das Fraunhofer-Institut eröffnete im Alten Fährhaus den „Medical Data Space“.

„Akute Cyberrisiken“ bei Ärzten und Apothekern

Dass die eigenen Gesundheitsdaten dort, wo sie aktuell verwahrt werden, nicht immer in sicheren Händen sind, verdeutlicht ein aktueller Report des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Darin wird auf „akute Cyberrisiken“ bei Ärzten und Apothekern hingewiesen. Oft seien sensible Daten nur durch leicht zu erratende Passwörter oder veraltete und unzureichende Technik gesichert. „Wir wollen mit dem ,Medical Data Space‘ die bestehenden Systeme zwar nicht abschaffen, aber sicherstellen, dass niemand Unbefugtes an die Daten herankommt“, betonte Mathis.

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Zugriff möglichst einfach und transparent

Über das Online-Portal soll der Zugriff möglichst einfach und innerhalb des Systems transparent sein. Auf einen Blick sollen die Patienten künftig sehen können, welche Daten über den eigenen Gesundheitszustand abgespeichert sind. Zugriffsrechte für Ärzte, Therapeuten und soziale Dienste können vergeben und entzogen werden. Bei Patienten, die das selbst nicht mehr können, weil sie gesundheitlich beeinträchtigt sind, sollen das nach entsprechender Authentifizierung auch Angehörige übernehmen dürfen. Nach dem Probebetrieb soll das System für jeden Bürger zugänglich sein.

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Zweistelliger Millionenbetrag an Fördermitteln

Nach Angaben von Mathis wurde in den vergangenen Monaten bereits ein zweistelliger Millionenbetrag an Fördermitteln in das Projekt investiert. Weitere sechsstellige Summen würden zur weiteren Realisierung nach Hamm fließen. „Damit wird ein dickes Ausrufezeichen für Hamm und auch für den Hochschulstandort gesetzt“, sagte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann.

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