Auf dem Hammer Straßenstrich: Zuhälter soll vier Jahre in Haft

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Symbolbild

Hamm/Dortmund - Ein auf dem Hammer Straßenstrich aktiver polizeibekannter Zuhälter muss für vier Jahre ins Gefängnis. Das entschied am Dienstag das Dortmunder Landgericht. Neun Monate hatte die Beweisaufnahme in dem Verfahren gegen den 41-jährigen türkisch-stämmigen Deutschen gedauert.

Auch seine zehn Jahre jüngere Ehefrau war angeklagt, sie erhielt eine neunmonatige Bewährungsstrafe. Ein weiterer mitangeklagter Bulgare erhielt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Das Gericht war zu dem Schluss gekommen, dass der Hauptangeklagte jahrelang der Zuhälter von mindestens drei Frauen aus seinem Heimatland gewesen ist. 

Im Mittelpunkt der intensiven Beweisaufnahme stand dabei eine zunächst 15-jährige Bulgarin, die jüngere Schwester der angeklagten Frau. Diese war nach Dortmund zur Wohnung der vierfachen Mutter und ihres Schwagers gelockt worden, sollte angeblich in der Familie helfen. 

Angeklagten führten gutes Leben

Tatsächlich wurden ihr die Papiere weggenommen. Sie erhielt den gefälschten Pass einer vermeintlich erwachsenen Frau und sei dann erst auf den Dortmunder und dann auf den Hammer Straßenstrich geschickt worden, um anzuschaffen. Inzwischen ist sie 24 Jahre alt.

Ihre Anwältin fasste das Leid ihrer Mandantin und der zwei anderen Prostituierten zusammen: „Die beiden Eheleute und ihre vier Kinder führten ein gutes Leben mit vielen Reisen, das war mit Sozialhilfe und Krankengeld nicht zu machen. Gezahlt haben die Frauen mit ihrer Arbeit auf dem Strich!“ 

150.000 Euro auf dem Strich erwirtschaftet 

Nach den Berechnungen von Staatsanwältin Barbara Cuntze haben die drei Frauen innerhalb des mehrjährigen Tatzeitraums rund 150.000 Euro erwirtschaftet, von denen sie ein Drittel oder gar die Hälfte abgeben mussten. Die Justiz muss nun prüfen, in welchem Umfang diese Gelder von den Angeklagten eingefordert werden können. 

Die Frauen hatten als Zeuginnen im Prozess teilweise widersprüchliche Angaben gemacht, mehrmals betont, dass sie freiwillig als Straßenhuren oder später in Bordellen gearbeitet hätten. Mit einem Teil der erzielten Freierlöhne unterstützten sie ihre Familien in Bulgarien. 

Die Ehefrau des verurteilten Zuhälters hatte früher selbst als Prostituierte gearbeitet und ihre Schwester gedrängt, so zum Familienunterhalt beizutragen. Der verurteilte Landsmann hatte die Frauen während der Urlaubszeiten des Hauptangeklagten zum Straßenstrich gefahren, ihre Arbeit überwacht und Geld eingetrieben. 

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