Asgaard-Spur ins Bundesgesundheitsministerium

Millionen von Hammer Sicherheitsfirma verschwunden - Masken-Deal mit Spahn?

Mitarbeiter der Uentroper Sicherheitsfirma Asgaard.
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Mitarbeiter der Uentroper Sicherheitsfirma Asgaard.

Bis zu zehn Millionen US-Dollar sollen vom Firmenkonto des Sicherheitsunternehmens „Asgaard“ in Hamm verschwunden sein. Ein Teil der Millionen wurde möglicherweise bei der umstrittenen FFP-2-Masken-Kaufaktion Bundesgesundheitsminister Jens Spahn reinvestiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Hamm - Keine Luxusautos, kein Prachtbüro: Wer sich dem Firmensitz der „Asgaard German Security Guards Consulting GmbH“ an der Kranstraße im Uentroper Gewerbegebiet nähert, würde hier wohl kaum ein Unternehmen vermuten, das über einen Bewachungsauftrag im Irak Jahr für Jahr Gewinne in Millionenhöhe einstreicht.

Letztlich hat es das auch nicht, beziehungsweise: Das viele, viele Geld kam anscheinend nie in Uentrop an. „Zehn Millionen US-Dollar sind weg. Das wäre der Rohgewinn der Firma gewesen“, sagt Asgaard-Geschäftsführer Dirk Gaßmann. Das Geld sei ihm gestohlen worden. Und zwar vom ehemaligen Asgaard-CFO (Chief Financial Officer) namens Z.. Bis auf 16,07 Dollar habe dieser gemeinsam mit einem weiteren (Ex-)Mitarbeiter aus dem Unternehmen das Firmenkonto in Bagdad leergeräumt.

Gaßmann sagt das nicht bloß so daher. Er präsentiert dem WA eine Kontoauszugsliste für die Zeit vom Mai 2020 bis zum August 2020. In der Tat wurden beispielsweise am 21. Mai 2020 2,2 Millionen Dollar mittels zweier Schecks – einer über 2 Millionen Dollar, der andere über 200 000 Dollar – von dem Konto in bar abgehoben. Die Schecks, auch das kann Gaßmann dokumentieren, sind von Z. gezeichnet und mit dem Asgaard-Stempel versehen worden.

Die Zentrale an der Kranstraße: In der zweiten Etage hat die Sicherheitsfirma ihre Büros.

Diebstahlthese scheint plausibel

16 weitere (Bar-)Auszahlungen über insgesamt 2,03 Millionen Dollar erfolgten mittels weiterer Schecks – meist in 100.000er-Schritten –, bis am 26. August 2020 noch besagter Kontostand von 16,07 Dollar ausgewiesen war.

Bei dem in Rede stehenden Konto handelt es sich um das der „Asgaard German Security Guards Consulting“, deren alleiniger Geschäftsführer Dirk Gaßmann ist. Bis Januar 2021 war er nach seinen Angaben auch Alleingesellschafter, inzwischen gebe es einen US-Investor als Mitgesellschafter. Das Konto wird bei der „Trade Bank of Iraq“ geführt.

Gaßmanns These, bestohlen worden zu sein, erscheint plausibel – insbesondere deshalb, weil Z. am 15. Januar 2020 mit Wirkung zum 29. Februar 2020 bei der Asgaard-Consulting gekündigt und in der Folge (unter anderem) von jeglichen Vollmachten entbunden worden war. Die beiden Scheckformulare über die 2,2 Millionen Dollar tragen das Datum 1. März 2020 und wurden, wie geschildert, am 21. Mai 2020 benutzt.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, kaufte offenbar FFP2-Masken für 2 Millionen Euro, die möglicherweise mit Asgaard-Geld angeschafft wurden.

Daie Spur ins Spahn-Ministerium

Als „Der Spiegel“ am 6. März 2021 („Berliner Bonanza) darüber berichtet, wie das Bundesgesundheitsministerium im vergangenen Frühjahr im Zuge der ersten Coronawelle großzügigst für 6 Euro das Stück Schutzmasken ankaufte und diverse Politiker daran mitverdienten, dämmert es Gaßmann, wohin seine Millionen geflossen sein könnten. Z., der in Berlin lebt und dort auch eine Firma „Grauhaus Germany GmbH“ betreibt, wird in dem Bericht erwähnt. Er soll dem Spahn-Ministerium für 2 Millionen Euro 400.000 Mund-Nase-Schutzmasken, die er sich in Dubai besorgt haben will, verkauft haben.

Die Grauhaus, so schreibt Gaßmanns Anwältin aus Leipzig am 22. April an das Spahn-Ministerium, verfüge gemäß öffentlich einsehbarer Unterlagen seit Jahren nicht einmal mehr über ihr Stammkapital. Es sei zu vermuten, dass die Mittel für den Erwerb der Masken „aus den unmittelbar zuvor entwendeten Mitteln meiner Mandantschaft stammen“. Für den Fall, dass noch Zahlungen an Grauhaus/Z. zu zahlen seien, fordert sie das Ministerium auf, diese zurückzuhalten, um eine eventuelle Sicherstellung der Gelder zu ermöglichen. Ebenso drängt sie das Ministerium, ebenfalls die Strafverfolgungsbehörden über diesen Sachverhalt in Kenntnis zu setzen und Strafanzeige wegen Geldwäsche und anderer etwaig in Betracht kommender Delikte gegen Z. zu erstatten.

Die „Grauhaus Germany GmbH“ steht im April 2021 auch auf einer Liste für den Bundesgesundheitsausschuss. Hier sind 40 Bundestagsabgeordnete samt der Firmen aufgeführt, die wegen der milliardenschweren Maskendeals in Kontakt mit dem Gesundheitsministerium standen.

Unter den „Schwertern von Kadesia“ in Bagdad: Hier präsentiert Asgaard seinen Fuhrpark.

Wurden die Masken überhaupt bezahlt?

Die Masken, die Z. lieferte, sollen laut „Der Spiegel“ mangelhaft gewesen und deshalb (zunächst) nicht bezahlt worden sein. Laut des Magazins fragte der CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (Göttingen) im Sommer 2020 per Mail bei seinem Parteikollegen Spahn nach, wo denn das Geld für die Grauhaus wegen der von ihr gelieferten 400.000 Masken bleibe. Angeblich sei dies ein Freundschaftsdienst für einen befreundeten Steuerberater gewesen, soll Güntzler sein Vorgehen erklärt haben. Verdient habe er daran nicht.

Ob die Masken letztlich bezahlt wurden, ist unklar. Seit Z. in einem Telefonat mit dem WA vor einigen Wochen erfuhr, dass die Staatsanwaltschaft Berlin ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet hat, bleiben telefonische WA-Anfragen bei ihm – zuletzt am Donnerstag, 17. Juni, – unbeantwortet. Zu allen von Gaßmann und dessen Anwältin erhobenen Vorwürfen liegen dem WA somit keine Stellungnahmen Z.’s vor. Die Staatsanwaltschaft Berlin hatte dem WA am 26. April bestätigt, dass ein Ermittlungsverfahren gegen Z. anhängig sei.

Das Bundesgesundheitsministerium teilte hinsichtlich des Maskengeschäfts mit Z./Grauhaus dem WA am Freitag, 18. Juni, mit, dass man sich zu laufenden Verfahren nicht äußern könne. Immerhin erfuhr der WA vom Landgericht Bonn, wo Dutzende Klagen von Maskenlieferanten auf Erfüllung ihrer Verträge mit dem Gesundheitsministerium anhängig und gesammelt sind, dass die „Grauhaus“ oder Z. dort nicht erwähnt seien. Demnach gehören Grauhaus/Z. nicht zu den Klägern.

Der millionenschwere Auftrag im Irak

Warum überhaupt Bagdad, warum der Irak? Asgaard beschreibt sich selbst als international operierendes Dienstleistungsunternehmen. Personen- und Objektschutzaufträge würden auf höchstem Niveau erfüllt. Der Schwerpunkt bei Auslandseinsätzen liege in der MENA-Region (Middle East & North Africa).

Ob und in welchem Umfang Aufträge an die seit 2010 unter immer wieder leicht abgewandelten Namen existierende und seit 2016 in Uentrop ansässige Firma erteilt wurden, ist unklar. Jedenfalls einmal hat es funktioniert, nämlich in der irakischen Hauptstadt Bagdad.

Bewaffnet im Einsatz – bei Tag und in der Nacht.

Dort bewachen die Uentroper Bodyguards die Botschaft eines arabischen Staates. Um welches Land es sich beim Auftraggeber handelt, wird von Asgaard öffentlich nicht preisgegeben. Der Auftrag begann 2017 und wurde nach Gewinn einer Neuausschreibung im Jahr 2018 um fünf Jahre mit Asgaard verlängert.

Im Januar 2019 wurde dieser neue Auftrag angetreten. 40 Millionen US-Dollar sollen hierfür an die Asgaard Consulting fließen. „Die Hälfte davon ist kalkulatorischer Rohgewinn“, sagt Gaßmann.

Im Jahr 2017 heuerte auch Z. als CFO bei Asgaard an. Er wurde, so schreibt Gaßmanns Anwältin in ihrer Strafanzeige vom 10. März 2021, mit der Überwachung und Abwicklung sämtlicher Finanztransaktionen im Irak betraut und mit umfangreichen Vollmachten ausgestattet.

Gut möglich, dass er es war, der den Kontrakt mit dem Auftraggeber überhaupt erst möglich machte. Z. ist laut Strafanzeige der einzige Asgaard-Angestellte, der Arabisch spricht. Zudem soll er über gute Kontakte zu dem in Berlin ansässigen Botschafter des Auftraggeberlandes verfügen. Z. erhebt, so hatte er es im Herbst 2020 gegenüber dem WA erklärt, selbst Ansprüche auf den Unternehmensgewinn.

Die schwierige Aufgabe der Ermittler

Wer als deutsche Firma im Irak Geschäfte macht, muss eine Reihe von rechtlich komplexen Hürden überspringen. Eine Asgaard-Zweigniederlassung wurde deshalb im Irak gegründet, ferner offenbar eine örtliche Sicherheitsfirma (Al Saif) gekauft. Formal werden hierüber die Bewachungsaufträge durchgeführt – und dies, so sagt Gaßmann, geschehe so bis heute. Nur, dass nicht er, sondern Z. mit abtrünnigem Asgaard-Personal den Zugriff habe und den Auftrag auch weiter durchführe.

Es wird keine leichte Aufgabe für die Ermittler in Berlin werden, die Materie zu durchdringen. Gaßmann sagt, er sei über Jahre von Z. hinters Licht geführt worden. Mit immer wieder neuen Ausreden sei ihm seitens des Z. weis gemacht worden, dass der Auftraggeber (noch) nicht zahle. Doch faktisch sei das Geld geflossen und von Z. zur Seite geschafft worden. Monatelang habe er recherchiert und jetzt endlich alle Beweise zusammen. Zusätzlich bereite er nun auch eine Strafanzeige für die irakischen Behörden vor.

Der rechte Schatten über Asgaard

Bleibt noch eins: der rechte Schatten über Asgaard. Rechtsradikale Tendenzen werden Gaßmann und seinen Bodyguards seit Langem nachgesagt und verdichteten sich insbesondere im vergangenen Jahr. Im September 2020 berichteten „Der Spiegel“ und das ARD-Nachrichtenmagazin „Kontraste“ über Reichskriegsflaggen und Wehrmachtssymbole, die in der Asgaard-Zentrale in Bagdad die Wände zieren. Geliefert hatte das damals drei Jahre alte Foto-Material Z.. Und er war es auch, der behauptete, dass Gaßmann Morddrohungen in Richtung der Linken-Bundestagsabgeordneten Martina Renner ausgesprochen habe.

Der Generalbundesanwalt leitete darauf ein Ermittlungsverfahren wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ein. Zweimal wurde die Asgaard-Niederlassung in Uentrop durchsucht – auch weil gegen einen Polizisten aus Frankfurt (Zugriff auf Datenbänke der Polizei) und einen KSK-Bundeswehrsoldaten (rechtsradikale Tendenzen) ermittelt wurde/wird. Beide hatten eine Verbindung zu Asgaard.

Die Ermittlungsverfahren sind bislang nicht abgeschlossen. Gaßmann sieht sich als Opfer einer Verleumdungskampagne und weist die Vorwürfe weit von sich. Es gehe nicht „um realitätsfremde Nazi- und Anschlagspläne, sondern allein um Wirtschaftskriminalität durch Unterschlagung in Millionenhöhe“. Er habe viele Monate lang daran gearbeitet, „alle Beweise gerichtsfest von Bagdad bis Berlin zu beschaffen und der Staatsanwaltschaft zur Verfügung zu stellen. Ich hoffe, dass die Behörden jetzt ihre Arbeit machen und die Wahrheit ans Licht kommt.“

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