Neue Pumpwerke und Stauräume bald in Betrieb

Millionen für Hochwasserschutz in Hamm - Restrisiko bleibt

Gregor Santehanser und Stefan Brockenkemper erklären die Funktionsweise des Pumpwerks „Hoppeistraße“.
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Ganz viel Technik in fünf Meter Tiefe: Gregor Santehanser (rechts) und Stefan Brockenkemper erklären die Funktionsweise des wartungsfreien Pumpwerks „Hoppeistraße“.

Es ist eines der größten Projekte des Lippeverbandes überhaupt: Mehr als 75 Millionen Euro investiert der Verband in die ökologische Verbesserung des Herringer Bachs und in den Hochwasserschutz. Und allmählich biegen die Arbeiten auf die Zielgerade ein.

Herringen/Pelkum - Das neue Pumpwerk „Hoppeistraße“ befindet sich mittlerweile im Testbetrieb. Im August werde man das Pumpwerk, wie Projektleiter Gregor Santehanser erklärt, einem „Stresstest“ unter realen Bedingungen unterziehen, um dann im Herbst mit dem Regel-Betrieb zu starten.

Die Anlage an der nördlichen Hoppeistraße weist einige Besonderheiten auf. „Es ist das modernste Pumpwerk in Hamm“, so Stefan Brockenkemper von der Stadtentwässerung Hamm. Es sei komplett wartungsfrei und überwache sich quasi selbst. „Das heißt, dass zum Beispiel die Pumpen und Schieber regelmäßig angeworfen und auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden.“ Jeder Fehler werde der Leitzentrale gemeldet. Von ihr werden dann Mitarbeiter rausgeschickt, die den Schaden gegebenenfalls beheben. Aber auch Routinekrontollen fänden statt.

Die sechs Pumpen, die sich in etwa fünf Meter Tiefe befinden, haben eine Pumpleistung von bis zu 600 Litern Regen- und Schmutzwasser pro Sekunde – und damit deutlich mehr als das alte Pumpwerk direkt daneben. Zudem wird es von zwei verschiedenen Umspannwerken gespeist. Und das gebe eine zusätzliche Sicherheit bei möglichen Stromausfällen oder -abschaltungen, so Brockenkemper.

Hochwasserschutz in Hamm: Regelbetrieb Ende dieses Jahres

Das zweite neue Pumpwerk befindet sich am Bocksheideweg. Wie schon an der Hoppeistraße sind auch hier die Pumpen unter der Erde. Zudem gibt es ein kleines Regenrückhaltebecken, das als Zwischenspeicher dient und das rund 2500 Kubikmeter Fassungsvermögen hat. Nach Verbandsangaben müssen noch die letzten Maschinen, die Elektro-Technik und die elektronische Steuerung eingebaut werden, damit das Pumpwerk im September in den Testbetrieb gehen kann. Außerdem müssen die Häuser der Heidhof-Siedlung, der Dresdner Straße des Bocksheidewegs und eines Teils der Fangstraße angeschlossen werden. Santehanser geht davon aus, dass der Regelbetrieb Ende dieses Jahres starten und die Baustelle abgezogen werden kann.

Damit sind die Arbeiten im Umfeld des Herringer Bachs und des Hoppeibachs aber noch nicht beendet. Zwei bestehende Rückhaltebecken werden noch einmal vergrößert, bis sie ihre Endgröße erreicht haben – von 1200 auf 3600 Kubikmeter (Fangstraße) und von 1 500 auf 4500 Kubikmeter (zwischen Kamener Straße und Deutzholz). Nordöstlich der Bergehalde „Sundern“ wird zudem noch ein Hochwasserrückhaltbecken mit einem Fassungsvermögen von rund 35.000 Kubikmetern angelegt. Die dafür erforderlichen Rodungsarbeiten wurden bereits Anfang des Jahres durchgeführt. „Aktuell bereiten wir zusammen mit dem Bergbau die Ausschreibung der Maßnahme vor“, so der Projektleiter, der damit rechnet, dass Anfang 2022 mit dem Bodenaushub begonnen werden kann.

Hochwasserschutz in Hamm: unnötige Lkw-Fahrten vermieden

Der kommt dann zur benachbarten Bergehalde und wird für deren Endgestaltung verwendet. Positiver Nebeneffekt: Dadurch werden unnötige An- und Abfahrten von Lkw über das Straßennetz vermieden, da der Bodenaushub in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hochwasserrückhaltebecken wieder eingebaut wird.

Zu den letzten Maßnahmen des Gesamtprojekts gehört dann die Herausnahme der Betonschalen des Herringer Bachs und des Hoppeibachs sowie die Errichtung des „Blauen Klassenzimmers“ in Höhe der Jahn- und Lindenschule.

Das Projekt

Am Herringer Bach und Hoppeibach kümmert sich der Lippeverband schon seit den späten 1990er-Jahren um eine Neuordnung des Gewässersystems. Die einst offenen Schmutzwasserläufe wurden verroht, neue Pumpwerke und Auslaufflächen als Schutz vor Hochwasser gebaut. Das alles wurde erforderlich, da die natürliche Vorflut aufgrund bergbaulicher Einwirkungen gestört ist und das Wasser daher gepumpt werden muss, damit es abfließen kann. Kosten: mehr als 75 Millionen Euro.

Hochwasserschutz in Hamm: kein 100-prozentiger Schutz möglich

Das gesamte Maßnahmenpaket trägt auch maßgeblich zum Hochwasserschutz bei: Leistungsstärkere Pumpwerke und neue Rückhaltebecken sollen die Gefahr von Überflutungen deutlich senken. Eine natürliche Überflutungsfläche befindet sich zwischen dem Wiescher Bach und dem Daberg. Sie könnte, ohne dass Häuser gefährdet werden, bis zu 600.000 Kubikmeter Wasser fassen, vier mal mehr als das künstlich angelegte Hochwasserrückhaltebecken an der Sandbochumer Straße. Bisher habe man die große Fläche aber noch nicht in Anspruch nehmen müssen, so Santehanser.

Aber auch er und Anne-Kathrin Lappe, Sprecherin des Lippeverbandes, wissen: Einen 100-prozentigen Schutz vor Hochwasser gibt es nicht. „Irgendwann stößt jedes System einmal an seine Grenzen“, so Lappe. Das habe die aktuelle Flutkatastrophe gezeigt. Man könne aber vorbeugen. Im Sinne des Hochwasserschutzes wäre es wichtig, möglichst wenig Flächen zu versiegeln oder natürliche Überlaufbereiche vorzuhalten. Sinnvoll seien auch neue „Zwischenspeicher“, zum Beispiel unter Parkplätzen, so Santehanser.

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