Urteil nach Auto-Attacke auf Jogger - „Überreagiert“

Der Angeklagte und sein Anwalt Karsten Possemeyer am ersten Tag des Prozesses.
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Der Angeklagte und sein Anwalt Karsten Possemeyer im Gerichtssaal.

Aufatmen bei einem 75-jährigen Autofahrer aus Hamm. Nachdem er am 14. Dezember mit seinem Auto Jagd auf einen Jogger gemacht hat, wurde er am Mittwoch vom Dortmunder Landgericht doch nicht wegen versuchten Totschlags verurteilt. Die Strafe fiel milde aus.

Hamm/Dortmund – Am Ende des nur zwei Tage dauernden Prozesses waren sich alle Beteiligten einig: Der Angeklagte hatte nach einer Provokation des Joggers völlig überreagiert. Der Sportler war auf der Straße gelaufen und hatte dem Autofahrer den „Scheibenwischer“ gezeigt, weil dieser seiner Meinung nach zu dicht an ihn herangefahren war. Daraufhin hatte der Angeklagte den Motor mehrmals im Leerlauf laut aufheulen lassen und war dann mit einiger Geschwindigkeit auf den Jogger zugefahren. Eine Reihe von Findlingen am Rand der Bradfordstraße stoppten den Mercedes zum Glück unsanft, ehe etwas passierte.

Staatsanwalt Henner Kruse sagte in seinem Plädoyer: „Gefährlich war dieser Vorfall auf jeden Fall.“ Denn immerhin war der Jogger erst kurz vor dem Aufprall des Autos auf den Findling über den Stein gesprungen. Einen Tötungsvorsatz unterstellte der Staatsanwalt dem 75-Jährigen dabei allerdings nicht mehr.

Über seinen Verteidiger Karsten Possemeyer hatte dieser kurz zuvor noch einmal die Verantwortung für den Vorfall übernommen, sich entschuldigt und erklärt: „Ich bin froh, dass dem Jogger nichts passiert ist.“ Er habe aber in diesem Moment allenfalls mit Verletzungen gerechnet. An den möglichen Tod des Mannes habe er zu keinem Zeitpunkt gedacht.

Urteil zur Bewährung ausgesetzt

So sahen es am Ende auch die Richter. Wie vom Staatsanwalt beantragt, verhängten sie ein Jahr und neun Monate Haft. Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt, weil das Gericht nicht davon ausgeht, dass der Rentner erneut angeklagt wird.

Schwerer wiegt die „Nebenstrafe“, die das Schwurgericht verhängte. Obwohl der 75-Jährige seit eineinhalb Jahren auf seinen Führerschein verzichtet, wurde eine weitere Sperrfrist von zwei Jahren festgesetzt. Der Mann habe sich durch die Tat als „ungeeignet zum Führen eines Fahrzeugs erwiesen“, hieß es in der Urteilsbegründung.

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