Kaputtes Fenster, neue Wohnungsschlüssel

Weil Nachbarn sich sorgten: Mieter nach dem Urlaub ausgesperrt

"Wer zahlt das zerstörte Toilettenfenster?", fragt sich Hans-Peter Switala.
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"Wer zahlt das zerstörte Toilettenfenster?", fragt sich Hans-Peter Switala.

Da kommt man aus dem Urlaub zurück und der Wohnungsschlüssel passt nicht mehr. Und das Toilettenfenster ist auch noch eingeschlagen. Welcher Film läuft denn hier gerade ab?

Hamm – Genau das fragte sich Hans-Peter Switala, als er kürzlich nach gut drei Wochen aus Thailand nach Pelkum zurückkehrte. Die Antwort wurde ihm schriftlich gleich mitgeliefert: Er möge doch auf der Hauptwache der Polizei vorstellig werden und dort seine neuen Wohnungsschlüssel im Empfang nehmen. So hieß es in einem Schreiben, das die Beamten hinterlassen hatten.

Neue Wohnungsschlüssel

„Die Polizistin auf der Wache war sehr freundlich“, erinnert sich Switala. Sie habe ihm erklärt, dass sich aus seinem Wohnumfeld wohl jemand Sorgen um ihn gemacht habe, weil er so lange nicht aufgetaucht sei. Richtig erklären kann sich Switala das nicht, denn unter seiner Wohnanschrift lebe er erst seit einem halben Jahr und habe bisher auch keinen engeren Kontakt zu seinen 13 Nachbarn gepflegt.

Vorgehen bei Verdacht auf Unglücksfall

Polizei und Feuerwehr handelten nach der Alarmierung wie auch sonst üblich beim „Verdacht auf Unglücksfall in Wohnung“: Mit Streifen-, Rüst- und Krankenwagen geht es unter Blaulicht in solchen Fällen zum Einsatzort.

Dort werden zunächst mehrere Faktoren abgeklärt, bevor die Tür geöffnet wird. Ist die vermeintliche Person in der Wohnung ansprechbar? Was haben Nachbarn beobachtet? Oder befindet sich die Person in einem der Hammer Krankenhäuser?

Möglichst wenig Schaden anrichten

Lassen sich die Fragen nicht klären, quille vielleicht auch noch der Briefkasten über, komme es in Absprache mit der Polizei zu einer so genannten "Ersatzvornahme" durch die Feuerwehr, die dann das Schloss öffne. „Wir versuchen immer, uns minimalinvasiv einen Zugang zu verschaffen“, sagt Stadtsprecher Tom Herberg. Zunächst werde beispielsweise erkundet, ob in der betreffenden Wohnung ein Fenster gekippt sei, was von außen geöffnet werden könne.

Stabiles Schloss sorgt für Schäden am Fenster

Dass in seinem Fall sowohl Schloss als auch Fenster in Mitleidenschaft gezogen wurden, konnte sich Hans-Peter Switala zunächst nicht erklären, hat aber einen einfachen Hintergrund: Weil sich das Schloss in diesem Fall nicht habe öffnen lassen, habe die Feuerwehr sich Zugang durch das Toilettenfenster verschafft, erklärt Polizeisprecher Hendrik Heine.

Um die Wohnung wieder zu verschließen, wechselte die Freiwillige Feuerwehr den Schließzylinder aus und verschloss auch das Fenster provisorisch wieder.

Wer übernimmt die Kosten für den Einsatz?

 „Aber wer kommt jetzt für die Reparatur auf?“, fragt sich Switala. In diesem Fall wohl die Stadt, denn der Mieter hat den Einsatz nicht vorsätzlich herbeigeführt und hat sich auch keiner Straftat schuldig gemacht. Entschieden werde immer für den Einzelfall, so Stadtsprecher Tom Herberg. Die Fälle werden im Rechtsamt bearbeitet.

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