Middelhoff schafft vor OLG Hamm Klage aus der Welt

HAMM - Thomas Middelhoff hat eine juristische Baustelle weniger: Der umstrittene Ex-Chef des bankrotten Handelsriesen Arcandor konnte sich vor dem Hammer Oberlandesgericht (OLG) doch noch mit einem erbosten Kleinaktionär zusammenraufen.

 „Welt“- Chefredakteur Jan-Eric Peters als Kläger schluckte den Vergleich, obwohl er mit seinen Arcandor-Aktien im Herbst 2008 kräftige Verluste erlitten hatte. In erster Instanz sprach ihm das Landgericht Essen immerhin 2575 Euro Schadenersatz für einen Teil seines Investments zu.

Doch Middelhoff wollte sich nicht damit abfinden, als Vorstandschef persönlich für die fehlgeschlagene Aktienanlage geradezustehen. „Ich werde gejagt wie ein Krimineller“, beschwerte sich der 58-jährige Top-Manager vor Gericht. Mit Erfolg: In der Berufung lotste der Vorsitzende OLG-Richter Aloys Horsthemke die Streithähne zu einem Vergleich. Peters lässt die Klage fallen, Middelhoff spendet 6 000 Euro an eine gemeinnützige Stiftung. Zudem bedauert er offiziell die entstandenen Nachteile des Aktionärs, zu denen „möglicherweise die Kommunikation der Arcandor AG“ beigetragen hätte.

Die Pressearbeit des Essener Konzerns war im September 2008 alles andere als glücklich. Der Mutterkonzern von Karstadt, Quelle und Thomas Cook taumelte. Die Verhandlungen über dringend nötige neue Kredite stockten wenige Tage nach der Lehman-Pleite. Dann der Durchbruch: Arcandor bekam frisches Geld. Und am nächsten Morgen bekräftigte Pressesprecher Jörg Howe, dass der Reiseriese Thomas Cook, wichtigste Perle des Konzerns, auf keinen Fall versilbert werden müsse. Das stimmte zwar nicht, verlockte aber Peters dazu, nur eine Stunde später 20 000 Arcandor-Papiere zu kaufen, nachdem er schon am Vortag 50 000 geordert hatte. Gesamtwert des Pakets: fast eine Viertelmillion Euro. Erst am selben Abend rückte Arcandor mit einer offiziellen ad-hoc-Mitteilung heraus, dass man doch über eine Trennung von Karstadt und Thomas Cook nachdenken müsse. Der Kurs stürzte ab. Peters‘ Verlust lag bei 50 000 Euro. Peters‘ Klage hängte sich am Paragrafen 826 des BGB auf, der „sittenwidrige vorsätzliche Schädigung“ ahndet. Starker Tobak für Middelhoff: „Hier geht es letztlich um meine Ehre“.

750 Blatt stark sind seine Einlassungen fürs OLG, die darauf abzielen, dass der Pressesprecher gegen klare Anweisungen geplaudert habe. Auch Richter Horsthemke ließ Zweifel durchblicken, ob Middelhoff als Beklagtem Vorsatz und Sittenwidrigkeit letztendlich nachzuweisen seien. „Das ist ein nicht ganz sicherer juristischer Boden“. Das Risiko der Beweislast sah das OLG auf jedem Fall beim Kläger. Jan-Eric Peters ließ seinen Zorn von soviel Gegenwind bremsen. „Ums Geld geht es mir sowieso nicht“, beteuerte der Journalist. Er wolle Fehlverhalten aufdecken. Wem er die 6 000 Euro spendet, verriet Middelhoff leutselig noch auf dem Gerichtsflur: „Das geht an ‚Ein Herz für Kinder‘.“ Rund um die Arcandor- Pleite laufen weitere Verfahren gegen den Ex-Chef: Unter anderem will der Insolvenzverwalter millionenschweren Schadenersatz wegen Pflichtverletzungen und überhöhter Bonuszahlungen. - jod

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