Interview

Krause: "Das kriegst du eben nicht mit Johnny Däpp hin"

Mickie Krause ist am 27. Januar der Top-Act der Hammer Schlagernacht.
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Mickie Krause ist am 27. Januar der Top-Act der Hammer Schlagernacht.

Vor seinem Auftritt bei der Hammer Schlagernacht spricht Top-Act Mickie Kraus im Interview über Verlangen nach Abwechslung und erklärt, warum Helene Fischer den falschen Weg gegangen ist.

Hamm - Als er das Telefon-Gespräch übernommen hatte, meldete er sich mit „Wendler“. Nein, Mickie Krause kann es nicht lassen, den Sänger aufs Korn zu nehmen. Daran anknüpfend, ob er bei seinem Auftritt auf der Hammer Schlagernacht am 27. Januar in den Zentralhallen denn auch Songs von Michael Wendler zu Besten gebe, antwortete er: „Das war ja nicht mal ein Hit, bei mir gibt es nur Hits.“ Im Gespräch mit Marcel Guboff erklärte er darüber hinaus, warum Krause zuletzt als Rocker unterwegs war und wie er über Künstler-Kollegen denkt, die es vom Dschungel direkt auf die Ballermann-Bühne schaffen.

Sie waren zuletzt aktuell mit Band unterwegs – und es ging eher in Richtung Rock-Musik. Vollzieht Mickie Krause einen Image-Wandel?

Mickie Krause: Das, was ich mit der Band samt Schlagzeug, Bass und Gitarre gemacht habe, war ein Experiment – auch mit Blick auf mein 20-jähriges Bühnen-Jubiläum 2018. Da überlegen wir, ob wir nicht auch eine kleine Tour mit Krause und Band planen sollen. Der Test-Ballon lief schon mal sehr gut. In Hamm bin ich dann aber mit einem 45-minütigen Halbplaypack-Programm am Start.

Ist es einfach nur ein Verlangen nach Abwechslung?

Krause: Es ist von allem ein bisschen. Wenn man rund 200 Mal im Jahr in Deutschland mit einem 45-Minuten-Porgramm auf der Bühne steht, kann das irgendwann auch mal langweilig werden. Das ist genauso wie in jedem anderen Job: Wenn du montags bis freitags arbeiten gehst, ist der Mittwoch auch mal ein Tag, der nicht ganz so toll ist. So ist es mit unserem Programm auch. Dazu möchte ich natürlich den Leuten die Bandbreite zeigen, die immer unterschätzen, was ich musikalisch mache. Wir werden immer nur als Ballermann-Sänger abgestempelt, die eigentlich nichts anderes können als „Zicke-Zacke“ zu machen. Wenn man dieses zweistündige Bühnen-Programm mit der Band und mir sieht, wird man eines Besseren belehrt. Daher ist es eine gewisse Genugtuung den Leuten auch zu zeigen, was man auf der Pfanne hat.

Es ist also durchaus mehr in diese Richtung vorstellbar?

Krause: Das Ziel ist, dass wir mit dieser Show Veranstaltern die Möglichkeit geben, das Rock-Programm mit Mickie Krause inklusive Band zu buchen.

Es ist selten, dass Partyschlager-Künstler auf Tour gehen. Zuletzt war Mia Julia unterwegs.

Krause: Bei mir ist es erstens ein Zeit-Problem, und zweitens erwarten die Leute von Mickie Krause das Party-Programm mit den Songs, die sie kennen. Daher ist es schwierig, die Leute bei solchen Veranstaltungen mit etwas Neuem zu verunsichern. Dauerhaft kann das mit Band nur funktionieren, wenn ich auf viele, viele Halbplayback-Jobs verzichten würde.

"Tief im Inneren bin ich Rocker"

Die Rock-Musik ist aber schon Ihre private Leidenschaft?

Krause: Ich bin ja ein Kind der 80er-Jahre. Ich war dieses Jahr zweimal bei U2. Dafür bezahle ich dann gerne auch mal ein Ticket, um die geilste Band der Welt zu sehen. Aber ich bin auch Coldplay-Fan, auch wenn mir das fast schon zu kommerziell ist. Aber die Konzerte sind immer noch gut. Im April war ich bei Sting. Tief im Inneren bin ich ein Rocker, auch wenn ich nicht so aussehe.

Wie schaffen Sie es dennoch, auf der Bühne als Mickie Krause authentisch zu sein?

Krause: Dafür gibt es kein Patent-Rezept. Du musst einfach nur die Fähigkeit besitzen, ein Publikum unterhalten zu können. Das konnte ich mit 15, 16 Jahren am Lagerfeuer oder Jugendzentrums-Veranstaltungen genauso gut wie heute. Ich kenne sehr viele Künstler-Kollegen, die zwei, drei Jahre sehr erfolgreich unterwegs waren. Aber dann hat sie dieses Gen, authentisch zu sein, verlassen. Ich bin 2018 in meinem 20. Jahr, und ich glaube, dass ich mir genau das bewahrt habe, authentisch zu sein.

Krause und Band ab Dienstag auf Tour!12.12. in Köln,13.12. in Münster,.14.12 Oberhausen!

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Mehr als 20 Jahre Bühne haben nur wenige in der Branche geschafft. Was machen Sie anders als viele andere?

Krause: Neben der Tatsache, authentisch sein zu müssen, ist es auch wichtig, lustig zu sein und Spaß an dem Job zu haben. Wenn du keinen Bock hast, kannst du das nicht erfolgreich durchziehen, weil die Leute das irgendwann merken. Dazu versuchen wir jedes Jahr, ein, zwei erfolgreiche Songs herauszubringen. Mal gelingt es mehr, mal weniger. Die Hits hängen nicht in den Bäumen. Aber wir geben nach wie vor zu 100 Prozent Vollgas und haben immer wieder versucht, uns neu zu erfinden statt uns zurückzulehnen. Wenn ich bedenke, welche Songs ich in den letzten sieben, acht Jahren gesungen habe, wird einem fast schwindelig. Das haben andere in 20 Jahren nicht geschafft.

Gehört zu diesem neu erfinden auch, die Zielgruppe zu erweitern? Vor zehn Jahren hätten Sie sicher keine Einladung zu Florian Silbereisen bekommen.

Krause: Absolut. Bis 2009 war ich als typischer Ballermann-Sänger verschrien, was für mich aber kein Problem war. Bei vielen gelte ich ja als Erfinder der Ballermann-Musik – heute heißt das ja Mallorca-Style. Aber mit den „10 nackten Frisösen“ oder „Zeig doch mal die Möpse“ wurde schon eine bestimmte Mallorca-Musik geschaffen. Das lief ja auch gut, aber irgendwann haben wir gemerkt, dass diese Mallorca-Geschichte ein bisschen stagniert. Dann flog mir Gott sei dank der Titel „Schatzi, schenk mir ein Foto“ entgegen. Das war alles purer Zufall. Damit haben sich dann Türen geöffnet, die einem vorher verschlossen waren: Dann landet man plötzlich bei Silbereisen, Carmen Neben oder im Fernsehgarten. Das kriegst du eben nicht mit „Dicke Titten, Kartoffelsalat“ oder „Johnny Däpp“ hin.

"... irgendwann geht dir das auf den Senkel"

Wie schwierig ist es, sich immer wieder neu zu erfinden und das Publikum bei Laune zu halten, ohne dass sie genug von einem haben?

Krause: Ich hätte völliges Verständnis dafür, wenn die Leute irgendwann sagen, sie können den Krause nicht mehr sehen oder hören. Das ist bei Helene Fischer auch nicht anders. Sie ist ja mittlerweile so omnipräsent – irgendwann geht dir das auf den Senkel. Aber ich glaube, dass wir die Gabe besitzen, wohl dosiert mit dem Thema Mickie Krause umzugehen.

Nervt es Sie nicht irgendwie, dass es heute reicht, einmal in den Dschungel zu gehen und dann auf Mallorca aufzutreten?

Krause: Ich muss mich darüber nicht aufregen, wenn etwa eine Melanie Müller als Dschungel-Königin plötzlich auf Mallorca singt. So etwas ist ja nur von einer gewissen Haltbarkeit, das sieht auch jeder. Oft ist es eher tragisch sich ansehen zu müssen, was der eine oder andere Dschungel-Star da abliefert. Da geht es nur darum, für eine gewisse Zeit Geld mitzunehmen. Den Leuten, die in den Dschungel gehen und dann auf Mallorca landen, einzig und allein ums Geld. Ich kann es den Leuten nicht verübeln. Es kann funktionieren, kann aber auch richtig in die Hose gehen.

Das klingt so, als würde sich Mickie Krause den Dschungel nicht antun.

Krause: Nein. Man müsste mir dafür mindestens eine Million Euro geben. Aber ich glaube auch, dass mich die Leute gar nicht im Dschungel sehen wollen. Vor drei Jahren habe ich bei dem Koch-Format „Hell‘s Kitchen“ mitgemacht. Da war ich elf Tage mehr oder weniger eingeschlossen und umgeben von vielen anderen Protagonisten, mit denen ich nicht wirklich gut klar kam. Das kann schon anstrengend werden. Dann wird aus dem lustigen Mickie Krause plötzlich der nachdenkliche Mickie Krause, und den wollen die Leute nicht sehen.

Mickie Krause (r.) mit seinem Kumpel Jürgen Drews auf der Bühne.
Was können wir denn 2018 von Ihnen erwarten?

Krause: Es wird auf jeden Fall ein neues Album geben. Wahrscheinlich werden wir eine Kombi schaffen aus Best-of und neuen Songs. Schlimmstenfalls machen wir sogar ein Doppel-Album.

Ihr Freund Jürgen Drews steht mit 72 Jahren noch auf der Bühne. Ist das bei Ihnen auch möglich?

Krause: Undenkbar ist es auf keinen Fall. Ich sehe ja, dass Jürgen mit 72 noch recht erfolgreich unterwegs ist. Es geht darum, auch mit 72 noch Spaß zu haben an dem, was man macht. Wenn ich den mit 72 noch habe und die Leute Krause buchen – warum nicht?

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