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Lieber Essen als Wegwerfen? Metzger zur Frage, ob sie bald Nutria-Fleisch anbieten

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Von: Gisbert Sander

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Nutria zum Verzehr? In Hamm ist das kein Thema.
Nutria zum Verzehr? In Hamm ist das kein Thema. © rother

Schwein, Rind, Gans, Huhn - typische Fleischarten, die Metzger verarbeiten. Doch wie ist das mit Nutria-Fleisch? WA.de hat sich bei Hammer Metzgern umgehört.

Hamm – Wie wär’s denn mal mit Nutria-Fleisch auf dem Teller? Ein Essener Metzger hat seinen Kunden kürzlich Nutria-Fleisch angeboten, wie kürzlich unter anderem der WDR berichtete. In Hammer Metzgereien hingegen ist das Fleisch der Biberratte nicht zu bekommen, wie eine WA-Umfrage ergab.

Zu den Gründen wollte sich aber kaum ein Fleischer äußern – bis auf den Familienbetrieb Senz: Jürgen Senz antwortet mit einem deutlich überzeugten „Nein“ auf die Frage, ob er Nutria-Fleisch anbieten würde. Auch sein Sohn Steven Senz kann sich das nicht vorstellen: „Ich bin froh, dass ich mit dem Ungeziefer nichts zu tun habe.“

Tatsächlich gelten Nutrias als Schädlinge und dürfen nur deshalb bejagt werden, sagt Helmut Nordhaus, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Hamm. Nutrias unterliegen in NRW jagdrechtlich dem allgemeinen Schutz wild lebender Tiere und dürfen nur „bei Vorliegen eines vernünftigen Grundes“ gefangen oder getötet werden, heißt es in einem Erlass des NRW-Landwirtschaftsministeriums. Aber es gibt Ausnahmen: „Zur Abwendung erheblicher wasserwirtschaftlicher und landwirtschaftlicher Schäden sowie zum Schutz der heimischen Pflanzen- und Tierwelt ist die Bekämpfung (…) erforderlich“, heißt es weiter.

Wo Nutrias hier zu finden sind

Heimisch fühlen sich Nutrias in Hamm seit Langem, vor allem im Kurpark fallen sie Spaziergängern und Radfahrern immer wieder ins Auge, weil sie kaum Scheu zeigen. Aber auch in anderen Gebieten mit Teichen (Nordring) und überhaupt Wasser (Lippe, Kanal) fühlen sich die Biberratten wohl. Zum Leidwesen derjenigen, die ihr Augenmerk auf intakte Uferböschungen legen. Denn Nutrias bauen Gänge und Höhlen, die deren Standfestigkeit beeinträchtigen können.

Das sieht auch das städtische Umweltamt mit der Unteren Jagdbehörde so und stellt den Jägern Lebendfallen zur Verfügung – 15 Stück mittlerweile. Die sind alle mit Meldern ausgestattet, sodass der zuständige Jagdpächter informiert wird, wenn ein Tier in die Falle gegangen ist. „Nutrias sind nicht als jagdbares Wild eingestuft, sie gelten aber als Schädlinge, die als solche bekämpft werden“, klärt Nordhaus auf. Die „Strecke“, also die Zahl der gefangenen und getöteten Nutrias liegt kontinuierlich jährlich zwischen 400 und 500 Stück. Das sorgt nach Auskunft der Stadt für eine relativ gleich bleibende Population.

Kein Verzehr in Hamm

Nutria-Zucht in Hamm?

Helmut Nordhaus glaubt sich erinnern zu können, dass es hier eine Nutriazucht gegeben hat. Im Internet ist dazu lediglich ein Hinweis in der polizeihistorischen Sammlung zu finden. Polizeihauptkommissar a.D. Siegfried Paul schreibt im Kapitel „Die Nissenhütten in Heessen“: „Ein anderer Bewohner hatte versucht, mit einer Nutriazucht Geld zu verdienen. Die legte er in einem Abwasserschacht hinter den Häusern an, der eigentlich zum Abwassersystem gehörte.“ Die „Nissenhütten“ waren Notunterkünfte, die nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Vogelsang und Mansfelder Straße errichtet wurden.

Dass die gefangenen Nutrias von den Jägern verzehrt werden, glaubt Helmut Nordhaus nicht: „Die sehen ja auch nicht gerade appetitlich aus.“ Zumal vor dem Verzehr eine Pflicht zur Trichinenschau (Trichinen sind winzige Fadenwürmer) besteht, die von einem amtlichen Tierarzt durchgeführt werden muss. Möglicherweise wird das Fell verwendet. Dabei gilt das Nutria-Fleisch in seiner ursprünglich südamerikanischen Heimat tatsächlich als schmackhaft und selbst in Deutschland war einst die Zucht von Nutrias verbreitet.

Hammer Metzgereien verarbeiten kein Nutria-Fleisch, haben dafür aber genug mit anderen Fleischarten zu tun. Mit der Schließung der Fleischerei Engel gibt es einen Fleischer weniger in Hamm. Wie ist die aktuelle Situation bei den anderen Fleischern in der Stadt? Wir haben nachgefragt.

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