Schwere Menschenraub

Melonen-Drama: Neue Details um angeklagten Hammer

Schlägerei in der Hammer Innenstadt mit Verletzten: Polizei trennt Gruppen mit Pfefferspray
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Das Opfer soll massiv geschlagen worden sein. 

Gehörten zwei Angeklagte aus Hamm und Lünen zu jenen Tätern, die in der Nacht vom 21. zum 22. Juli 2020 einen 43-jährigen Mann aus Hagen bedrohten, zusammenschlugen und zum Schein hinrichteten?

Hagen/Hamm – Einer der Hauptermittler berichtete am Dienstag im Landgericht Hagen, wie die beiden Angeklagten als mögliche Täter ins Spiel kamen.

Nach anfänglichem Zögern hatte das Opfer des Gewaltexzesses den ihm persönlich bekannten Beschuldigten aus Lünen als Täter benannt. Die Kriminalbeamten überprüften daraufhin, mit welchen Personen er schon mal in Verbindung gestanden hatte und fanden unter anderem den Angeklagten aus Hamm.

Der Hauptbelastungszeuge kannte lediglich seinen Vornamen. Die Ermittler hatten sogar ein Foto dieses Verdächtigen, das aus einer „erkennungsdienstlichen Behandlung“ stammte. Der Belastungszeuge habe die Person auf dem Foto wiedererkannt, erklärte der Polizeizeuge. Der Verdacht gegen die beiden Männer reichte aus, um einen Durchsuchungsbeschluss zu erwirken. Bei der Durchsuchung in Hamm fanden die Ermittler eine Ehefrau und vier Kinder, aber nichts Verdächtiges.

Melonen-Handel und Scheinhinrichtung

Auch der 42-jährige Beschuldigte war nicht zuhause. Ein Hinweis seiner Angehörigen verhieß nichts Gutes über sein Familienleben: Er sei seit Monaten nicht mehr zuhause gewesen, hörten die Beamten. Der ansonsten schweigsame Angeklagte grätschte während des Zeugenberichts ausnahmsweise dazwischen: „Ich habe sechs Kinder.“

Während der mehrstündigen Entführung des Geschädigten wurden zahlreiche Telefongespräche geführt. Die Täter wollten durch die Übersendung blutiger Bilder des Opfers offenbar sogar dessen Bruder im Iran veranlassen, die geforderte Summe für seinen Bruder in Deutschland zu bezahlen. Weitere Telefongespräche und Bilder sollen an einen Bekannten des Opfers in Duisburg gegangen sein. Das lieferte den Anlass für eine Dienstreise an den Niederrhein. Ja, er kenne den Geschädigten, bestätigte der Zeuge. Er habe ihm erzählt, dass er einen Handel zusammen mit dem Angeklagten aus Lünen eingefädelt habe.

Verschwundene Melonen führen zu Gewaltexzess

Wenn er davon gewusst hätte, hätte er dem Geschädigten davon abgeraten, soll der Mann aus Duisburg gesagt haben. Der Zeuge bestritt bei der Polizei allerdings, dass er am Tatabend telefonische Kontakte zu den Tätern gehabt habe. Das war etwas überraschend und passte nicht zu den Ergebnissen der weiteren Handydaten-Auswertung. Klarheit könnte hier die Vernehmung des Duisburgers bringen.

Seine Rolle ist bislang mysteriös. Er scheint mit den Vorgängen aber in Verbindung zu stehen. Dem ihn vernehmenden Beamten hatte er davon berichtet, dass der Angeklagte aus Lünen und weitere Personen ihn abgeholt und in ein Restaurant gefahren hätten. Auch in dieser „Drohatmosphäre“ ging es angeblich um die verschwundenen Lastwagen voller Wassermelonen, die nach dem letzten Stand der Vernehmungen aus Griechenland nach Schweden geliefert werden sollten. Er habe mit dem ganzen Handel nichts zu tun, erklärte der Duisburger erst seinen Gesprächs-„Partnern“ und später den Ermittlern.

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