Stadt Hamm erteilt Baugenehmigung

Meilenstein für Hindus: Baustart für Kulturzentrum in Uentrop steht bevor

Priester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal, sein Sohn Sri Athishankarar, Architekt Heinz-Rainer Eichhorst zum Hindu-Kulturzentrum in Hamm Uentrop
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In diesen Tagen gibt es viel zu besprechen: Oberster Priester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal und sein Sohn Sri Athishankarar klären mit Architekt Heinz-Rainer Eichhorst Details zum geplanten Hindu-Kulturzentrum

Nach Erteilung der Baugenehmigung kann es losgehen: Die Hindus planen für Januar den Baubeginn des Kulturzentrums in Uentrop. Das Haus unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Gemeinde für alle Hindus in Europa.

Uentrop – „Die Götter sind auf der Seite des Priesters“, sagt Architekt Heinz-Rainer Eichhorst. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass nach jahrelanger Planung der Weg zum Baustart für das Hindu-Kulturzentrum in Uentrop endlich frei ist. Nach dem Bau des Sri-Kamadchi-Ampal-Tempels soll das Haus ein weiterer Meilenstein der Hinduistischen Gemeinde Deutschlands werden. In diesen Tagen kam die Baugenehmigung, und die Finanzierung in Höhe von drei Millionen Euro steht. „Damit sind die wichtigsten Voraussetzungen erfüllt“, sagt Eichhorst.

Oberster Priester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal weiß allerdings auch, es gehe „nicht allein mit Gottes Kraft“. Mit Eichhorst fand er bereits vor mehr als 20 Jahren in Hamm den Tempel-Architekten als Planer und als einen freundschaftlich verbundenen Begleiter. Als solcher unterstützt er seit rund 13 Jahren das Reifen der Ideen zu einem Hindu-Kulturzentrum. Es ist ein großes Vorhaben und soll ein Ort der hinduistischen Tradition, für Veranstaltungen, interreligiöse und -kulturelle Begegnung und Bildung werden.

Das neue Haus an der Siegenbeckstraße: Die Zeichnung zeigt das 72 Meter lange Hindu-Kulturzentrum. Es erhält ein Satteldach. Die einst vorgesehene Kuppel ist aus Kostengründen verschwunden. Der Eingangsbereich wird aber in hinduistischer Weise verziert.

Dazu sind, passend zur Feststellung des Priesters, eine Reihe von weltlichen Vorgaben zu erfüllen, wie die Finanzierung. Beim Tempelbau vor rund 20 Jahren lief das Eintreffen von Spenden und Handwerkerrechnungen, die zeitnah beglichen werden mussten, nicht immer synchron. Das konnte zu Problemen führen.

Das soll bei der ebenfalls spendenbasierten Finanzierung des Kulturzentrums nicht passieren. Die Gemeinde sorgte vor: Diesmal ist durch ein Kredit die komplette Bausumme schon vorhanden. „Es war nicht einfach, dafür eine Bank zu finden“, sagt Eichhorst über die drei Millionen Euro. Möglicherweise könne auch mit günstigen KfW-Mitteln gebaut werden. Das 72 mal 21 Meter große Gebäude mit Satteldach entsteht in Holzbauweise.

Die Kosten immer im Blick, haben Priester und Architekt den Plan mit der Zeit verändert. Das Zentrum wurde mal kleiner, mal wieder größer. Vieles war in Bewegung. Das erklärt auch die bislang zwei rituellen und an besondere Tage gebundene Grundsteinlegungen vor sieben Jahren und im vergangenen April.

Anfangs trug der Entwurf zum Kulturzentrum noch eine Kuppel. Er entstand im Zuge eines Masterprojektes von Studenten der RWTH Aachen. Die Spitze der Kuppel sollte das Pfauenhaus sein, das die jungen Architekten nicht nur bauten, sondern vor viereinhalb Jahren auch auf dem Gelände des Hindu-Kulturzentrums aufstellten. Eine Kuppel hätte den Bau des Zentrums aber „wesentlich verteuert“, sagt Eichhorst. Deshalb werde darauf verzichtet.

Das bedeutet auch, dass der Stamm mit dem Pfauenhaus dem Neubau weichen muss. „Wir überlegen, es woanders aufzustellen“, sagt der Architekt. Dabei geht es sowohl um die Wertschätzung der Studentenarbeit also auch um die Symbolik. Der Pfau ist im Hinduismus Reittier mehrerer Gottheiten.

Große hinduistische Hochzeiten in Uentrop

Die Hindu-Gemeinde will den Kredit in den kommenden 20 Jahren durch Spenden und Einnahmen aus dem neuen Zentrum abzahlen. Eine von mehreren Einnahmequellen sind die hinduistischen Hochzeiten. Im Jahr 2019 waren es 30, für dieses Jahr meldeten sich 45 Paare an.

Zu der jüngsten Hochzeit und noch vor dem Lockdown kamen coronabedingt nur 36 Personen, aber in der Regel sind es Hunderte. Bislang behilft sich die Gemeinde bei größeren Gruppen mit Zelten. So müssen die Besucher aber zwischen den Gebäuden wechseln und die Siegenbeckstraße überqueren. Künftig haben sie alles unter einem Dach und den Tempel gleich nebenan. Der Priester geht davon aus, das die Zahl der Hochzeiten weiter steigt. Über den tamilischen Fernsehsender werde europaweit dafür geworben, über das Radio sogar weltweit, sagt er.

Etwas müssen sich die heiratswilligen Hindus, die Künstler, wie Tänzer und Musiker mit ihren Kulturveranstaltungen aber noch gedulden. Dass mussten die Planer auch. Rund ein Jahr habe es gedauert, bis die Baugenehmigung vorgelegen habe, sagt Eichhorst. Teils hätten noch Unterlagen nachgereicht werden müssen.

Bei einem Besuch des Regierungspräsidenten Hans-Josef Vogel im Sommer am Hindu-Tempel war die Gemeinde noch von einem Baustart in diesem Herbst ausgegangen. Jetzt soll er Anfang Januar sein – sofern die Baufirmen für die Zeit gefunden werden können. In Zeiten des allgemeinen Baubooms kann das schwierig sein. Wenn alles gut gehe, könne der Bau bis Frühjahr 2022 fertiggestellt sein, sagt der Architekt. Dann sei auch hoffentlich die Corona-Pandemie zu Ende, und das Kulturzentrum könne für das Tempelfest 2022 genutzt werden.

Uentroper Hindu-Kulturzentrum

Das soll das Hindu-Kulturzentrum künftig bieten: Von den rund 1400 Quadratmetern Nutzfläche des Hindu-Kulturzentrums nimmt der Zeremonie- und Veranstaltungssaal mit seinen 485 Quadratmetern rund ein Drittel ein. Der Hochzeitssaal, wie er auch bezeichnet wird, bietet künftig 400 Sitzplätze und eine große Bühne.

Im Zentrum des länglichen Gebäudes sind diverse Funktionsräume, wie Umkleiden (für Hochzeitpaare), eine Küche samt Spülraum, ein Büro, ein Lager und Sanitäranlagen. Daneben befindet sich auf rund 184 Quadratmetern ein großer Speisesaal. Weitere Räume werden für eine Bibliothek eingerichtet, ein kleines Museum und zum Musizieren. Ein Meditations- und ein Konferenzraum komplettieren das vielseitig nutzbare Kulturzentrum.

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