Tag der Architektur rein digital

Miteinander unter einem Dach: Mehrgenerationenwohnen am Kentroper Weg

Viktor Nachtigall stellt zum „Tag der Architektur“ das Mehrgenerationenhaus am Kentroper Weg vor.
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Viktor Nachtigall stellt zum „Tag der Architektur“ das Mehrgenerationenhaus am Kentroper Weg vor.

„Architektur ist systemrelevant“, findet Viktor Nachtigall. „Es geht nicht darum, wie ich nicht nass werde, sondern darum, wie wir miteinander leben wollen.“ Zum Tag der Architektur, der am 21. und 22.Juni begangen wird, präsentiert der Architekt deshalb das von ihm geplante Mehrgenerationenhaus am Kentroper Weg.

Hamm – Am Kentroper Weg leben in elf Wohnungen junge Familien, alleinstehende Berufstätige und Senioren Tür an Tür in einer Gemeinschaft. „Das Projekt ist mir eine Herzensangelegenheit“, erklärt der Architekt.

Die Idee dazu, hatte im Jahr 2012 Edeltraud Tümmers. Sie ist heute Vorsitzende des Vereins zur Förderung neuer Wohnformen und wohnt selbst in dem Haus am Kentroper Weg. Wer in das Haus einzieht, darüber entscheidet der Verein – schließlich muss es menschlich zwischen den Bewohnern passen. „Wir kümmern uns umeinander“, beschreibt Tümmers das Zusammenleben und gibt ein Beispiel: „Wenn ich sehe, dass eine ältere Nachbarin seit zwei Tagen ihr Auto nicht bewegt hat, dann frage ich nach, ob alles in Ordnung ist.“

Über Generationen hinaus gemeinsam Zeit verbringen

Außerdem verbringen die Mieter im Garten und im Gemeinschaftsraum mit Tischgruppen, Küche und sogar Zapfanlage gemeinsam Zeit. Auch gemeinsame Grillabende und Sporteinheiten gehören zum Alltag im Mehrgenerationenhaus dazu. „Man kann sich aber auch zurückziehen“, sagt Tümmers. Isoliert sei dennoch niemand.

Eine Hausgemeinschaft wie in einem Mehrgenerationenhaus sei wie eine Wahlfamilie, meint Nachtigall. Die Bedeutung des privaten Raumes steige, Menschen machten sich mehr Gedanken darüber, wie sie leben wollen. Auch die aktuelle Krise trage dazu einen Teil bei: „Corona war wie ein Katalysator für das Thema Wohnen.“

Nachfrage an Mehrgenerationswohnen hoch

Das Interesse an dieser Form des Wohnens sei groß, erklären Tümmers und Nachtigall. Ein zweites Haus ist deshalb bereits in Planung. In der zweiten Jahreshälfte soll mit dem Bau eines mit 22 Wohnungen doppelt so großen Mehrgenerationenhauses am Alten Uentroper Weg begonnen werden. Dort soll beispielsweise mit einem Carsharing-Konzept die Idee vom gemeinsamen Leben noch stärker umgesetzt werden.

Und auch darüber hinaus möchten sie das Konzept in anderen Hammer Stadtteilen etablieren – aktuell schwebt ihnen der Hammer Westen für ein drittes Haus vor. Dafür müsse aber erst ein passendes Grundstück und ein Investor gefunden werden. Wer daran interessiert ist, in den nächsten Jahren in ein Mehrgenerationenhaus zu ziehen, kann sich auch jetzt schon mit dem Verein in Verbindung setzen und andere potentielle Bewohner kennenlernen.

Das Haus am Kentroper Weg ist nicht das einzige Mehrgenerationenhaus: Nach Jahren der Planung wird es vor dem Friedrich-von-Bodelschwingh- und dem Amalie-Sieveking-Haus für das zweite Mehrgenerationenhaus des „Vereins zur Förderung neuer Wohnformen in Hamm“ konkret.

25.Tag der Architektur

Der 25.Tag der Architektur findet bundesweit unter dem Motto „Ressource Architektur“ statt. Gezeigt werden Wohnhäuser und Bauwerke, Quartiere, Privatgärten und Parks. In NRW wird der Tag von der Architektenkammer NordrheinWestfalen organisiert. Allerdings findet er in diesem Jahr nur digital statt: Besichtigungen vor Ort sind nicht möglich. Die 180 Architekturprojekte werden deshalb hier online vorgestellt.

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