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Ukrainer nutzen Hammer Tafel - Portionen rationiert - Picnic dabei

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Von: Sarah Hanke

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Knut Straach (links) aus dem Vorstand und Toni Ciotti, Geschäftsführer der Hammer Tafel
Noch ist die Situation gut beherrschbar: Knut Straach (links) aus dem Vorstand und Toni Ciotti, Geschäftsführer der Hammer Tafel, kommen mit der höheren Zahl an Kunden zurecht. © Robert Szkudlarek

Die meisten ukrainischen Flüchtlinge, nämlich rund 1200, sind mittlerweile mit einer Wohnung in Hamm versorgt worden. Damit wächst zugleich die Zahl derer, die anspruchsberechtigt sind, bei der Hammer Tafel einzukaufen.

Hamm – Seit März sind noch einmal 200 Bedürftige aus der Ukraine dazugekommen. Insgesamt versorgt die Tafel in Hamm derzeit rund 1300 Kunden. Im Gegensatz zu den Tafeln in Essen oder Düsseldorf, bei denen aufgrund des großen Andrangs ein Aufnahmestopp nötig war, ist die Situation in Hamm noch entspannter.

„Bei uns ist Zahl der Bedürftigen nur minimal erhöht“, sagt Geschäftsführer Toni Ciotti. Während die Anzahl der bedürftigen Flüchtlinge sich um 200 erhöht hat, ist die der anderen Bedürftigen leicht gesunken. Auch in der Franziskusküche wird derzeit ein größerer Zulauf verzeichnet.

Rationen pro Person vorsorglich verringert

Als im Frühjahr immer mehr ukrainische Geflüchtete zur Hammer Tafel kamen, habe man zunächst gezweifelt, ob die Lebensmittel für die Versorgung aller Bedürftigen ausreichen würden. Deshalb seien die Rationen pro Person im April vorsorglich verringert worden, erklärt Ciotti. „Wir wollen ja, dass jeder etwas abbekommt. Man will ja auch ein bisschen was an Lebensmitteln in der Hinterhand haben.“ Die kleineren Tüten sorgten anfangs allerdings auch für Verstimmung. „Einige Kunden waren schon ein bisschen am Murren“, erinnert sich Ciotti. 4 Euro kostet ein Einkauf bei der Tafel für einen Erwachsenen, Kinder zahlen 1,50 Euro.

Bislang sei die Hammer Tafel mit den Lebensmitteln aber gut über die Runden gekommen. Wöchentlich bekommt die Hammer Tafel Lebensmittel von der Handelskette Metro. Neu dazu gekommen ist Online-Supermarkt Picnic, der seit Ende Mai in Uentrop ansässig ist. Mal erhält die Tafel elf Rollis, mal nur drei. Ab und zu würden die Tafeln auch Lebensmittel untereinander tauschen – die Hammer Tafel tauscht beispielsweise mit der Tafel in Ennigerloh. „Man muss immer von Tag zu Tag gucken. Es ist alles ein großes Fragezeichen.“

Auch bei Hammer Tafel könnte es eng werden

Sollten die Energiepreise im Winter wegen des Ukraine-Kriegs ins Unermessliche steigen, könnte sich die Situation auch bei der Hammer Tafel zuspitzen. Irgendwann wird auch hier die Kapazitätsgrenze erreicht sein. „Wenn die Umlage im Oktober kommt und von heute auf morgen ein Schwung von 200 Leuten zu uns kommt, müssen wir vielleicht auch noch mal stoppen“, sagt Knut Straach vom Vorstand der Hammer Tafel. „Dann wird es auch bei uns eng.“

Wer ist bei der Tafel anspruchsberechtigt?

Lebensmittel bei der Tafel einkaufen darf nicht jeder. Die Tafeln sind grundsätzlich für alle Menschen da, die als arm oder armutsgefährdet gelten. Armut wird definiert als ein Einkommen, das weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens beträgt. Wer bei der Tafel als Anspruchsberechtigter aufgenommen werden möchte, muss nachweisen, dass er bedürftig ist. Das kann zum Beispiel mit einem ALG-II-Bescheid geschehen oder auch einem Renten- oder sonstigen Einkommensnachweis. Wer so einen oder einen ähnlichen behördlichen Nachweis über seine Bedürftigkeit vorweisen kann, erhält eine Kundenkarte der Tafel und ist, solange sich seine finanzielle Situation nicht ändert, anspruchsberechtigt.

Rund 90 Mitarbeiter sind an sechs Tagen bei der Hammer Tafel beschäftigt, um die Versorgung der Bedürftigen sicherzustellen -- viele ehrenamtlich. Darunter sind inzwischen auch sechs Ukrainer, die sich bei der Tafel nicht nur die Taschen vollmachen, sondern auch mithelfen wollten. Die Ukrainer wollten sich einbringen und mit anpacken, sie sind sehr rege, „ein bisschen wie Flummies“, sagt Ciotti schmunzelnd.

Wer die Hammer Tafel ehrenamtlich unterstützen will, kann sich unter Telefon 371 70 31 (Ciotti) melden.

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