Schutz für Risikogruppen

Corona in Hamm: Mehr Tests, mehr Sicherheit? Alle Seniorenheime testen jetzt per Schnelltest

Die Mitarbeiterin eines Seniorenheims testet eine Bewohnerin
+
Ein Antigen-Schnelltest wird in einem Seniorenheim durchgeführt.jpg

In allen Hammer Seniorenheimen werden Bewohner, Mitarbeiter und einige Gäste nun häufig per Schnelltest auf das Coronavirus untersucht. Für die Heime ist der Aufwand immens. Doch nicht alle Schnelltests sind akkurat.

Hamm – Der großzügige Einsatz von Schnelltests soll Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen besser vor Coronainfektionen schützen. Seit der vergangenen Woche kommen die Antigen-Tests in den Hammer Heimen flächendeckend zum Einsatz. 20 Tests pro Bewohner und Monat stehen den Heimen zu. „Es haben mittlerweile alle stationären Senioren- und Pflegeeinrichtungen Testkonzepte eingereicht“, teilte Stadtsprecher Lukas Huster mit. Die Stadt gehe daher davon aus, dass die Heime die Tests auch durchführen.

Bewohner von Pflegeheimen gehören zu der am stärksten durch das Coronavirus gefährdeten Gruppe. 50 Menschen sind in Hamm mit dem Virus gestorben, der Großteil von ihnen war hochbetagt und lebte zuvor in einem Seniorenheim. Dass nun Bewohner, Mitarbeiter und Besucher häufiger per Schnelltest auf das Virus untersucht werden, ist die Folge einer bundesweiten Testverordnung. Sie trat Mitte Oktober in Kraft und sah den Einsatz der Tests vor.

Heime müssen Mitarbeiter schulen und Konzepte entwickeln

Dass es etwa einen Monat bis zum flächendeckenden Einsatz in Hamm gedauert hat, liegt an der notwendigen umfangreichen Vorbereitung: Mitarbeiter sollen die Schnelltests durchführen, sie mussten aber erst lernen, wie das geht. Zudem mussten die Heime Testkonzepte vorlegen. „Lediglich in wenigen Fällen gab es kleinere Nachbesserungsbedarfe, die zwischenzeitlich erledigt worden sind“, sagt Huster.

„Das bindet jetzt noch einmal viele Kapazitäten“

Für die Heime bedeutet der Einsatz der Tests einen hohen Aufwand. Die Durchführung muss vorbereitet, begleitet und protokolliert werden. „Das bindet jetzt noch einmal viele Kapazitäten. Wir haben alle Pflegefachkräfte geschult, um das bewältigen zu können“, sagt Jens Jörger, Geschäftsführer des Seniorenheims St. Stephanus.

Wie die 20 Tests pro Monat und Bewohner eingesetzt werden, liegt im Ermessen der Heime. So testen die meisten regelmäßig alle Mitarbeiter und Bewohner. Sie werden hingegen nicht alle Besucher untersuchen. „Dafür reichen die Kapazitäten nicht. Und Zeit haben wir dafür auch nicht“, sagt Jörger. Im St. Stephanus werden nur Gäste getestet, die aus einem Hochrisikobereich kommen. Für alle weiteren gilt weiter das Symptom-Screening mit Fiebermessung. Lesen Sie hier unseren News-Ticker zur Pandemie in Deutschland.

Zwei Infektionen fielen bisher in den Hammer Heimen durch Schnelltests auf. „Bereits bei Vorliegen des Schnelltest-Ergebnisses haben die betroffenen Einrichtungen die üblichen notwendigen Hygiene- und Quarantänemaßnahmen eingeleitet“, sagt Huster.

Wie viele Schnelltests in Hamm insgesamt bereits positiv waren, lässt sich nicht sagen. Schließlich kommen die Tests nicht nur in den Heimen zum Einsatz, sondern unter anderem auch bei Hausärzten. „Bei mir in der Praxis waren davon bislang zwei positiv“, erklärt Dr. Matthias Bohle, Sprecher der Hammer Ärzteschaft. „Das Interesse an diesen Tests bei den Menschen ist sehr hoch. Bis zu fünf am Tag werden aktuell nachgefragt.“

Bohle schult auch ambulante Pflegedienste. „Die Nachfrage ist sehr hoch. Bisher sind fünf Schulungen gelaufen, drei stehen unmittelbar bevor“, sagt er.

Leserin berichtet: Schnelltest zeigt keine Infektion, PCR-Test weist sie nach

Doch wie sicher sind die Antigen-Tests? Beim WA meldete sich eine Leserin, deren Mann infiziert war. Daraufhin wurden bei ihr gleichzeitig Proben für einen Schnelltest und den PCR-Test genommen. Während der Schnelltest nach einer halben Stunde ein negatives Ergebnis zeigte, fiel der PCR-Test einige Tage später positiv aus. Die Begründung: Die Virenlast sei für den Schnelltest nicht hoch genug gewesen, der PCR-Test dagegen deckte sie auf. Das zeigt: Ein negatives Ergebnis im Schnelltest heißt nicht, dass man das Virus nicht in sich trägt.

In wie vielen Fällen Antigen- und PCR-Test bislang unterschiedliche Ergebnisse angezeigt haben, kann die Stadt erst am heutigen Montag mitteilen. Aber: Zeigt ein Schnelltest Auffälligkeiten, ordnet die Stadtverwaltung immer einen PCR-Test an – zur Sicherheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare