Befürchtungen in Bockum-Hövel

Mehr Lkw-Verkehr durch neuen MVA-Verbrennungsofen

Aus vier mach fünf: Die Müllverbrennungsanlage soll einen weiteren Brennofen bekommen. Für die Stadtbezirke Bockum-Hövel und Herringen ist dann mit zusätzlicher Abgasbelastung und zusätzlichem Verkehr zu rechnen.
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Aus vier mach fünf: Die Müllverbrennungsanlage soll einen weiteren Brennofen bekommen. Für die Stadtbezirke Bockum-Hövel und Herringen ist dann mit zusätzlicher Abgasbelastung und zusätzlichem Verkehr zu rechnen.

Die Müllverbrennungsanlage (MVA) soll um einen fünften Verbrennungsofen erweitert werden. Begründung: Die vorhandenen vier Öfen sind dauerhaft nicht das gesamte Jahr über im Einsatz. Nur sechs bis acht Monate liefen die Öfen zusammen, sagt Reinhard Bartsch, Geschäftsführer des Abfall- und Stadtreinigungsbetriebs. Mit der Erweiterung wird die Auslastung steigen, damit aber auch die Belastung für den Stadtbezirk Bockum-Hövel.

Bockum-Hövel/Herringen – Aktuell sind es rund 217 000 Tonnen Müll, die jährlich in der MVA verbrannt werden. Auf Anfrage unserer Redaktion, um wie viel sich die Menge erhöhen wird, teilte Stadtsprecher Lukas Huster mit, durch den dann technisch möglichen dauerhaften Vier-Linien-Betrieb könnten in Abhängigkeit vom Heizwert theoretisch bis zu 30 000 Tonnen Abfall mehr pro Jahr verbrannt werden.

Das bedeutet natürlich zum einen eine Zunahme der Abgasbelastung. Um wie viel sie steige, lasse sich noch nicht abschätzen, so Huster. Das hänge im wesentlichen von Art und Herkunft der Müll-Anlieferung ab, die noch nicht endgültig bekannt sei. Es bedeutet zum anderen auch eine Zunahme des Anlieferverkehrs. Diese zusätzlichen Lkw-Fahrten, die über die Straßen Bockum-Hövels und Herringens rollen, lassen sich beziffern. Nach Auskunft der Stadt sind das – grob überschlagen – rund 1200 pro Jahr. „Also fünf Fahrten pro Tag zusätzlich, bei maximaler Auslastung“, so Huster. Im Echt-Betrieb werde das zusätzliche Verkehrsaufkommen wahrscheinlich geringer ausfallen, teilt er mit.

Jährlich werden fast 10.000 Lkw Zur MVA fahren

Doch dieser Verkehr kommt zu den fast 8700 Fahrten hinzu, die nach dieser Berechnung schon jetzt jährlich anfallen. Damit werden dürften nach Inbetriebnahme der fünften Verbrennungslinie, die für 2024 geplant ist, jährlich fast 10.000 Lkw zur Müllverbrennungsanlage fahren, um Material zur Befeuerung abzuliefern. Hinzu kommt der andere Verkehr zum Recyclinghof. Vor der Einfahrt stauen sich auf beiden Seiten die Fahrzeuge zu den Stoßzeiten in langen Schlangen, um Sperrmüll, Grünschnitt oder Problemabfall aus privaten Haushalten wegzubringen.

Woher der zusätzliche Müll für die Verbrennung stammen wird, könne aktuell noch nicht abgeschätzt werden. „Wir gehen aber davon aus, dass sich auch die Müllmengen aus den umliegenden Kreisen und Städten erhöhen werden“, so Huster.

Strukturausgleichsmittel sind kein Thema mehr

Zur Kompensation der Nachteile gab es in den 1990er Jahren Strukturausgleichsmittel für die betroffenen Stadtbezirke. Wie Stadtsprecher Huster mitteilte, ist diesmal nicht daran gedacht, solche Mittel für Bockum-Hövel und Herringen wieder aufzulegen, um die erhöhte Belastung abzugelten. „Nein, das ist kein Thema“, so Huster.

Bockum-Hövel ist ein „Stadtbezirk der Entsorgung“. So sagte es Bezirksbügermeister Hartmut Weber im vergangenen Juli. Er führte die Müllverbrennungsanlage an. Hier würden sechs Kommunen ihren Abfall los und zögen auch noch Gewinne aus dem Betrieb. Weiterhin verwies er auf den Recyclinghof am Lausbach, den Betrieb für Nährstoffrecycling und den Betrieb zur Bauschuttaufarbeitung – beide im Gewerbegebiet Römerstraße. Schließlich sei Bockum-Hövel auch noch von der Braunkohlestaubverbrennung durch Firmen im Hafen stark betroffen.

Zweiter Recyclinghof in einem südlichen Stadtbezirk von Hamm

Weber setzt sich seit Jahren für den Bau eines zweiten Recyclinghofes in einem südlichen Stadtbezirk ein, um Bockum-Hövel zu entlasten. Dass der Bedarf vorhanden ist, zeigen aktuelle Zahlen. Nach der Pandemie-bedingten Schließung waren am Montag erstmals wieder Anlieferungen möglich. 80 Anlieferer kamen zur Sammelstelle an den Zentralhallen und nur 70 zum Recyclinghof am Lausbach.

„Die Strukturausgleichsmittel haben uns richtig gutgetan“, sagt der ehemalige Bezirksvorsteher Günter Bachtrop. „Damit haben wir den Hallohpark gestalten können“, führt er ein Beispiel für die Verwendung der Mittel an.

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