Größer Arbeitgeber der Stadt

Führung der Stadtverwaltung in Hamm immer weiblicher

218 Leiter von Ämtern, Abteilungen und Sachgebieten hat die Stadt Hamm. 88 von ihnen sind Frauen. Das entspricht einer Quote von 40 Prozent. Vor 2009 hatte diese Quote noch bei 28 Prozent gelegen.
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218 Leiter von Ämtern, Abteilungen und Sachgebieten hat die Stadt Hamm. 88 von ihnen sind Frauen. Das entspricht einer Quote von 40 Prozent. Vor 2009 hatte diese Quote noch bei 28 Prozent gelegen.

Durch die Flure von Hamms größtem Arbeitgeber weht ein anderer Wind als vor zehn Jahren. Möglicherweise liegt das an der steigenden Zahl von Frauen in Führungspositionen.

Hamm – Kommunikativer als früher sei die Arbeit bei der Stadtverwaltung geworden, Führungspersonen bezögen Mitarbeiter stärker ein und berücksichtigten deren persönliche Situation. Das sagt Bernd Maßmann, Leiter des Personalamtes der Stadt Hamm. Der Grund? „Vielleicht liegt es an der neuen Generation, die die Führung übernimmt.“ Vielleicht liege es auch daran, dass heute mehr Frauen Personalverantwortung tragen. Er hat den neuen Gleichstellungsplan vorgestellt, der ab sofort öffentlich ausliegt.

218 Leiter von Ämtern, Abteilungen und Sachgebieten hat die Stadt Hamm. 88 von ihnen sind Frauen. Das entspricht einer Quote von 40 Prozent. Vor 2009 hatte diese Quote noch bei 28 Prozent gelegen.

Hälfte gesetzlich vorgeschrieben

Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass die Stadt eines Tages die Hälfte ihrer Führungspositionen mit Frauen besetzt. Doch gerade bei höher dotierten Stellen liegt dieses Ziel in einiger Ferne. Je höher die Position, desto seltener übernehmen Frauen den Posten. Es dauere eben, bis die Frauenförderung in den Spitzenpositionen ankomme, erklärt Christin Rottmann, Leiterin für Personalstruktur und -kosten bei der Stadt. Das liege vor allem daran, dass meist ältere Mitarbeiter die Spitzenjobs übernehmen – und es die Frauenförderung noch nicht so lange gibt. Der erste Frauenförderplan der Stadt Hamm wurde 2007 aufgelegt.

Seitdem wurden viele Maßnahmen ergriffen, um Frauen bei ihrer Karriere zu unterstützen. Viele davon betreffen die Frage, wie sich Familie und Beruf vereinbaren lassen – und kommen damit auch Männern zu Gute.

39 Prozent der Frauen in Vollzeit

Allerdings scheinen sich bei den städtischen Mitarbeitern mehrheitlich Frauen um die Familie zu kümmern. So nahmen die männlichen Mitarbeiter im Durchschnitt 40 Tage Elternzeit, also etwa zwei Monate. Frauen hingegen gingen 6,5 Mal so lange in Elternzeit, durchschnittlich für mehr als ein Jahr. Außerdem arbeiten Männer bei der Stadt zu 87 Prozent in Vollzeit, bei den Frauen sind es nur 39 Prozent. Die übrigen 61 Prozent der Mitarbeiterinnen haben ihre Arbeitszeit reduziert.

Um Beruf und Familie vereinbaren zu können, bietet die Stadt inzwischen mehr als 100 Möglichkeiten zur Aufteilung der Arbeitszeit, erklärt Maßmann. Mitarbeiter dürfen vielfach von zu Hause arbeiten, es gibt die Führung in Teilzeit, Stellenausschreibungen werden neutral formuliert – und Frauen sollen bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt werden.

Frauenförderung als Notwendigkeit

Den letzten Punkt hatten Männer und Frauen kritisiert, Frauen, weil sie nicht zur Quotenfrau degradiert werden wollten, Männer, weil sie Nachteile fürchteten. „So ein Fall, dass man gar keine Unterschiede in der Qualifikation feststellt, ist bei uns noch nicht vorgekommen“, sagt Uta Weischenberg, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Sie meint, dass bisher keine Frau nur aufgrund ihres Geschlechts eingestellt wurde.

Maßmann hält die Frauenförderung für eine Notwendigkeit. Nur so könne die Stadt alle Stellen nachbesetzen. Gut 2700 Mitarbeiter hat die Verwaltung heute. In den kommenden 13 Jahren gehen 43 Prozent von ihnen – etwa 1100 Menschen – altersbedingt in den Ruhestand. „Wir sind auf Frauen angewiesen“, sagt der Personalchef.

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