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Mehr dringend benötigte Plätze für hilfesuchende Frauen in Hamm

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Von: Sabine Begett

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Frauen, die Gewalt erfahren oder davon bedroht sind, können im Frauenhaus Hilfe erhalten.
Frauen, die Gewalt erfahren oder davon bedroht sind, können im Frauenhaus Hilfe erhalten. © Maurizio Gambarini/dpa/Illustration

Bereits seit 1977 beteiligt sich die Stadt Hamm an der Unterhaltung des Frauenhauses der Diakonie Ruhr-Hellweg. Diese Unterstützung wird nun ausgebaut - genauso wie das Platzangebot im Frauenhaus.

Hamm – Das Frauenhaus bietet für gewaltbetroffene oder von Gewalt bedrohte Frauen und ihre Kinder einen Zufluchtsort in der Not. Hier erhalten sie neben einer vorübergehenden Wohngelegenheit an einem weitestgehend anonymen Ort Unterstützung in ihrer aktuellen Lebenssituation.

Anzahl von Frauen mit Migrationshintergrund gewachsen

Diese umfasst Angebote der Beratung, etwa bei finanziellen, rechtlichen, sozialen, integrationsbezogenen, psychischen und sprachlichen Problemen, der Begleitung, beispielsweise zu Behörden, medizinischen Einrichtungen oder bei der Wohnungssuche, aber auch Angebote für Kinder in Form von Unterstützungs- und Freizeitangeboten.

Leiterin Sarah Gaber ergänzt: „Die Anzahl der Frauen mit Migrationshintergrund und damit die sprachlichen Barrieren sind gewachsen. Wir sind daher froh, dass wir uns auf deutsch, englisch, russisch und arabisch mit den Hilfesuchenden verständigen können.“

Frauen und Kindern ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen

Ziel sei es, den Frauen und ihren Kindern ein gleichberechtigtes, gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Gaber hat dabei schon manche Lebenssituation und Familiengeschichte kennengelernt. „Manchmal kehren die Frauen trotz aller Hilfe in das gewalttätige Umfeld zurück. Das ist kaum nachvollziehbar. Da muss man dann schon ein ziemlich dickes Fell haben und darf solche Schicksale nicht zu nah an sich heranlassen.“

Die finanzielle Unterstützung des Trägers des Hammer Frauenhauses, die Diakonie Ruhr-Hellweg, erfolgt seit vielen Jahren in vertraglicher Form. Notwendige Veränderungen über die Jahre sind jeweils unter Beteiligung der politischen Gremien vorgenommen worden.

Der Rat der Stadt hat in seiner Sitzung am 14. Dezember beschlossen, ab 2022 jährlich 30.000 Euro zusätzlich für die anteilige Finanzierung des Frauenhauses in Hamm zur Verfügung zu stellen.

Erweiterung des Frauenhauses um vier Plätze

Das Frauenhaus beabsichtigt, diese Mittel zur Erweiterung um vier Plätze (von acht auf zwölf Plätze) zu nutzen. Ein notwendiger Antrag für die Landesfinanzierung soll nach Zustimmung des Rates zu dieser Beschlussvorlage gestellt werden. Mit Bewilligung des Antrags erhält das Frauenhaus 28.000 Euro als Festbetrag aus Landesmitteln, dazu kommen laufende Einnahmen (Tagessätze) aus der Belegung der Plätze.

Demgegenüber stehen nach gegenwärtiger Kalkulation der Diakonie Ruhr-Hellweg zusätzliche Ausgaben in Höhe von 102.500 Euro für Personal-, Overhead- und Sachkosten. Der Betrag von maximal 30.000 Euro soll zur Deckung des Fehlbetrags eingesetzt werden. Die konkrete Abrechnung erfolgt über einen jährlichen Verwendungsnachweis.

Der bestehende Vertrag mit der Diakonie Ruhr-Hellweg soll für die neue Platzzahl angepasst werden.

Allein 2021 142 Frauen abgewiesen

Die Erweiterung der Platzzahl ist dringend notwendig, da in den Jahren 2019 bis 2021 die Auslastung des Frauenhauses bereits bei 100 Prozent lag. Darüber hinaus mussten allein 2021 bereits 142 Frauen abgewiesen werden, die dringend eine Unterbringung benötigten.

Die Plätze zur Unterbringung der betroffenen Frauen und Kinder werden im Frauenhaus selbst sowie in zwei Wohnungen angeboten. Die zusätzliche Wohnung in unmittelbarer Nähe zum bisherigen Standort steht seit Kurzem zur Verfügung. Somit sind jetzt alle Voraussetzungen zur Antragstellung erfüllt.

Herter: „Am liebsten, wenn wir überhaupt keine Frauenhäuser bräuchten“

Die Gleichstellungsbeauftragte Uta Weischenberg bedankte sich bei Karsten Weymann, (Vorsitzender Ausschuss für Soziales und Gesundheit, aber auch Vorsitzender des Aufsichtsrats der HGB) für die erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Suche nach passendem Wohnraum. Für die weitere Umsetzung ist eine Entscheidung des Rates vonnöten. Erst nach Ratsbeschluss kann der Antrag auf Landesförderung gestellt sowie die zusätzliche Wohnung angemietet und renoviert werden. Daher sei eine Entscheidung im Wege der Dringlichkeit geboten.

„Nur so ist eine zeitnahe Umsetzung der Platzzahlerweiterung möglich“, erklärt Oberbürgermeister Marc Herter. „Am liebsten wäre uns allerdings, wenn wir überhaupt keine Frauenhäuser bräuchten.“ Bis dahin scheint es allerdings noch ein weiter Weg zu sein.

Hilfe finden Betroffene beim Frauenhaus unter Telefon 53061 (arabisch, russisch, englisch, deutsch), online auf den Seiten der Stadt oder: frauen-info-netz.de

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