Erziehen und unterrichten

Marienschule: Rektor Wolfgang Vonstein geht in den Ruhestand

Rektor Wolfgang Vonstein vor dem Altbau der Marienschule.
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Blickt auf 35 Jahre im kirchlichen Schuldienst zurück: Rektor Wolfgang Vonstein vor dem Altbau der Marienschule.

Wolfgang Vonstein hat in der halben Republik unterrichtet: Schwaben, Nordseeküste, Münsterland. Die vergangenen 18 Jahre hat er als Leiter der Marienschule in Hamm verbracht, und hier wird der 64-Jährige mit dem Schuljahresende auch in Pension gehen. Zeit für einen Rückblick.

Hamm - Am Altbau der Marienschule, hinter der Agneskirche, gibt es eine kleine Treppe, die auf den Hof führt. Ein Traditionsort, Abschlussklassen und Ehemaligengruppen stellen sich dort gerne für Gruppenfotos auf. Wolfgang Vonstein lehnt sich über das Geländer und lässt den Blick über seinen Schulhof schweifen. „Überschaubare Verhältnisse“, sagt er, und meint damit nicht nur die gepflegten Anlagen, sondern auch die Schule an sich. Rund 570 Schüler besuchen die Realschule, 40 Lehrkräfte erziehen und unterrichten sie.

Die Marienschule ist katholisch, sie wird vom Erzbistum Paderborn getragen; eine vergleichbare Konstruktion gibt es in der Stadt nur noch mit dem benachbarten St.-Franziskus-Berufskolleg. Zurück in seinem Schulleiterbüro betont Vonstein erst mal, dass man sich „als eine von sechs Realschulen in Hamm“ sehe und an die gleichen Standards wie die öffentlichen Schulen gebunden sei.

Doch natürlich macht die katholische Ausprägung sich bemerkbar: Religion ist durchgehendes Pflichtfach. Und es wird nicht nur unterrichtet, sondern auch bewusst erzogen. „Wir sehen uns als Erziehungspartner der Eltern“, sagt Vonstein. „Und wir sagen deutlich, dass wir einen Erziehungsauftrag haben und Werte vermitteln.“ Man erziehe und unterrichte die Kinder und Jugendlichen auf Basis des christlichen Menschenbildes im Sinne von Nachhaltigkeit, Respekt und Toleranz.

Christlich heißt längst nicht mehr nur katholisch

Christlich heißt dabei nicht mehr ausschließlich katholisch, ein Quotensystem lässt inzwischen sogar fünf Prozent Schüler mit nicht-christlichem Hintergrund zu. Bei den Eltern kommt die kirchliche Prägung der Schule offenbar gut an. „Wir hatten in den 18 Jahren immer mehr Anmeldungen als Plätze“, sagt Vonstein. Schüler abzulehnen, sei im immer schwergefallen.

Vonstein war immer im katholischen Schulwesen zuhause. Er stammt aus Stuttgart, ist Lehrer für Deutsch, Mathematik und Sport geworden, hat in Bremerhaven unterrichtet und war Schulleiter im Münsterland, bevor er 2003 nach Hamm wechselte. Zunächst sei er gependelt, seit sechs Jahren wohne er nun auch in der Stadt, sagt er. Im gefalle die gelassene Art der Hammer.

Die Stadt sei für ihn ein guter Arbeitsort gewesen, sagt Vonstein. jetzt werde es für ihn und seine Frau ein guter Ort für den Lebensabend. Die drei Kinder sind aus dem Haus; langweilig werde im nicht werden. Wer ihm an der Schule als Rektor nachfolgt, steht noch nicht fest.

„Wir versuchen, sie mit Heiligenschein zu entlassen“

Der Rektor sieht seine Schule gut für die nächsten Jahre gerüstet. 13 Millionen Euro habe das Erzbistum zuletzt in den Gebäudekomplex investiert. Und an den Bauten seien auch Veränderungen abzulesen: Eine Mensa beispielsweise habe bei seinem Dienstantritt vor 18 Jahren noch nicht gegeben.

Als klassische mittlere Schulform gelte es an der Marienschule, die Schüler ausbildungsfähig zu machen. Man verfolge die Bildungskarriere viele Absolventen und sehe sich da auch bestätigt. Die künftige Herausforderung werde darin bestehen, Digital- und Präsenzunterricht zu verknüpfen. Ohne dass die Beziehung zu Stift und Buch verloren gehe.

Gibt es für Vonstein ein Fazit nach 18 Jahren an der Marienschule? „Wir haben ganz normale Schüler“, sagt er. „Wir versuchen, sie mit einem Heiligenschein zu entlassen. Aber das gelingt uns natürlich nicht.“

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