Marien-Hospital Hamm will Partner in Dortmund finden

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Die Marien-Hospital-Eigentümer wollen Verhandlungen mit der Dortmunder Johannes-Gesellschaft. ▪

HAMM ▪ Die Gesellschafterversammlung des Marien-Hospitals hat am Mittwoch einstimmig entschieden, dass es eine „Verhandlungsaufnahme mit der St.-Johannes-Gesellschaft mit dem Ziel einer gesellschaftsrechtlichen Verflechtung“ geben soll. Die Eigentümervertretung wird von Pfarrer Bernd Mönkebüscher und einem Vertreter der Cura-Beratunsgesellschaft, die drei Prozent der Gesellschafteranteile mit Vetorecht hält, gebildet.

In einer ausführlichen Stellungnahme, die gestern allen Mitarbeitern des Marien-Hospitals zugeleitet wurde und darüber hinaus in der Mitarbeiterzeitschrift des Krankenhauses veröffentlicht sowie am Wochenende in den Kirchen ausliegt beziehungsweise verteilt wird, erläutert Mönkebüscher die Gründe für die (Vor)Entscheidung bei der Partnerwahl.

Hier der Wortlaut des Beitrages, der den Titel „Zur zukünftigen Ausrichtung des Marien-Hospitals“ trägt:

„In einer großen und mit allen Beteiligten intensiv geführten Diskussion hat der Kirchenvorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Agnes als Mehrheitsgesellschafter der St. Marien-Hospital Hamm gem. GmbH in seiner Sitzung am 29. März 2011 beschlossen, zur strategischen Ausrichtung des Hauses Verhandlungen mit der St.-Johannes-Gesellschaft in Dortmund aufzunehmen mit dem Ziel einer gesellschaftsrechtlichen Verflechtung der beiden Gesellschaften. Die katholische St.-Johannes-Gesellschaft Dortmund ist Träger von insgesamt acht Einrichtungen in Dortmund. Gesellschafter sind neben drei katholischen Kirchengemeinden die Stiftung Josefinenstift und die CURA Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft, die auch am St. Marien-Hospital beteiligt ist.

In den vergangenen Wochen haben wir eine leidige und tendenziöse Berichterstattung in der lokalen Presse zu einer grundsätzlich internen Angelegenheit, nämlich der Frage der strategischen Ausrichtung der St. Marien-Hospital gem. GmbH, erlebt. Die Berichterstattung hat viel Wirbel ausgelöst und viele Aspekte unvollständig und für Patienten und MitarbeiterInnen einseitig oder falsch dargestellt.

Hintergrund der strategischen Fragestellung für den Kirchenvorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Agnes sind die Entwicklungen im Gesundheitswesen und insbesondere auf dem Krankenhausmarkt.

So wird zukünftig einerseits ein durch die Budgetierung immens steigender Kostendruck entstehen, der alle anderen Krankenhäuser in Hamm in gleicher Weise treffen wird. Andererseits sehen wir das Bestreben der Gesundheitspolitik, den Wettbewerb zwischen den einzelnen Leistungserbringern, auch den Krankenhäusern, mit dem Ziel einer Qualitätsverbesserung zu verstärken. Die zunehmende Ökonomisierung zwingt alle Krankenhäuser, auch konfessionelle Einrichtungen, dazu, wirtschaftlich zu arbeiten, um ihren Auftrag der Krankenversorgung in der Nachfolge Christi dauerhaft erfüllen zu können. Im Gegensatz zu privat getragenen Krankenhäusern, die ihren Jahresgewinn an die Eigentümer oder Aktionäre als Dividende ausschütten müssen, kann bei uns der Jahresgewinn allerdings vollständig reinvestiert werden, eine Gewinnausschüttung gibt es nicht.

Im Hinblick auf die Situation in Hamm stellt sich zu den allgemeinen gesundheitswirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Aspekt, dass seit Jahren die Zahl der Betten in Hammer Krankenhäusern zu hoch und ein Abbau auch vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung mit rückläufigen Bevölkerungszahlen erforderlich ist.

Die dargestellten Entwicklungen führen zwangsläufig dazu, dass Krankenhäuser sich zusammenschließen oder Partner suchen. Im Bereich der Kindergärten haben wir uns auch schon angesichts ähnlicher Entwicklungstendenzen dazu entschlossen, unseren Kindergarten unter die Führung der für den Gemeindeverband Hellweg im Erzbistum im letzten Jahr gegründeten Katholische Kindertageseinrichtungen Hellweg gem. GmbH zu stellen. Bei den Krankenhäusern in Hamm ist die Situation derzeit ähnlich. Bis auf unser Haus befinden sich schon die Evangelische Krankenhaus Hamm gGmbH im Valeo-Verbund mit 13 (!) weiteren Krankenhäusern und die St. Barbara-Klinik GmbH im Verbund von immerhin 12 (!) Krankenhäusern, die von einer Stiftung des Ordens der Mauritzer Franziskanerinnen geführt werden. Es wird anhand dieser beeindruckenden Größen sicher deutlich, dass für das St. Marien-Hospital die Einbindung in einen größeren Verbund notwendig ist.

Im Bereich des Erzbistums Paderborn ist hierfür das CURA-Konzept entwickelt worden, um vormals alleinstehenden Katholischen Krankenhäusern eine nachhaltige Verbindung mit anderen Krankenhäusern zu ermöglichen. Die Kirchengemeinden als Altträger behalten ein wesentliches Mitspracherecht, das wirtschaftliche Risiko wird hingegen auf mehrere Schultern verteilt Der CURAVerbund ist derzeit der größte Träger katholischer Krankenhäuser in Deutschland. Er steht für eine einheitliche Krankenhaus-Philosophie, mit dem Verständnis des Krankenhauses als pastoralem Ort, einer einheitlichen Grundordnung, einer flächendeckenden Gültigkeit der AVR und dem Bewusstsein für die Werterhaltung kirchlichen Vermögens. Die CURA Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft für soziale Einrichtungen mbH hält als Minderheitsgesellschafter des St. Marien-Hospitals einen Anteilvon 3 %.

In der Entscheidung über die zukünftige Ausrichtung des St. Marien-Hospitals in Hamm standen daher mehrere Alternativen zur Diskussion, die vor allem die derzeitige Situation und lokale Einbindung des Hauses berücksichtigen mussten. So werden seit Jahren Kooperationen mit der St. Barbara Klinik und auch mit der St. Johannes Gesellschaft in Dortmund gepflegt. Der Kirchenvorstand war sich einig, dass diese bewährten und erfolgreichen Strukturen weiter bestehen und nicht verändert werden sollen. Umso erstaunter konnten wir zwischenzeitlich vernehmen, dass der Träger der St. Barbara-Klinik hierauf zukünftig wohl keinen Wert legt, wenn eine gesellschaftsrechtliche Verflechtung mit der St. Johannes Gesellschaft vollzogen ist. Eine solche Entscheidung würden wir gerade im Interesse der optimalen Patientenversorgung bedauern.

Die Entscheidung, Verhandlungsgespräche über eine gesellschaftsrechtliche Verflechtung mit der St. Johannes Gesellschaft aufzunehmen, folgt im wesentlichen der Argumentation, die oben die Entwicklung des CURA-Verbundes erläutert hat: wir möchten weiter unser Haus im Erzbistum Paderborn mit dem entwickelten Profil und Standard eingebunden wissen und sehen das in der Entscheidung für einen bistumsinternen Partner gewährleistet. Darüber hinaus hoffen wir, durch die Fortsetzung der Qualität in ärztlicher und pflegerischer Betreuung die große Patientenzufriedenheit zu halten und vielleicht noch erhöhen zu können. Wir möchten möglichst wenig Personalabbau.

Mit diesen Hintergrund-Informationen möchten wir ein Verständnis für den keineswegs einfachen Entscheidungsprozess schaffen und hoffen, für ein wenig Klarheit gesorgt zu haben. Das Interesse an der Entscheidung ist zu Recht vorhanden, doch steht für uns in unserer Funktion als Träger des Krankenhauses genauso wie für das ärztliche und nichtärztliche Personal das Patientenwohl im Vordergrund allen Handels. Wir bedauern, dass die durch Indiskretionen ausgelöste Presse-Berichterstattung in der Öffentlichkeit diese Einschätzung beschädigt hat. Wir haben aber auch im Rahmen unserer Beratungen erfahren dürfen, mit welch hohem Engagement sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses, gleich, welch eine Lösung nun favorisiert wurde, für die zukünftige Ausrichtung eingesetzt haben. Diesem Einsatz gebührt unser herzlicher Dank.“

Hamm, im April 2011

Für den Kirchenvorstand St. Agnes

gez. Bernd Mönkebüscher

Pfarrer

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