Initiative "Maria 2.0"

Gegen Missbrauch, Zölibat und lebensfremde Sexualmoral - Frauen fordern eine andere Kirche

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Engagiert für eine andere Kirche: Maria Hagenschneider, Aktivistin in der Aktion Maria 2.0.

Hamm – Der weltweite Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Ordensfrauen durch katholische Priester und seine Vertuschung durch die Kirchenleitung hat das Verhältnis von Maria Hagenschneider und Beate Lütkenhaus zur katholischen Kirche erschüttert. Doch Austreten ist auch keine Option. Jetzt wollen sie etwas verändern - mit der Initiative „Maria 2.0 in Hamm – wir küssen die Kirche wach“.

Neben dem Missbrauch ist es die Ausgrenzung von Frauen von allen Ämtern der Kirche, männerbündnerische Strukturen, eine lebensfremde Sexualmoral und der Zwangszölibat für Priester, die es Maria Hagenschneider und Beate Lütkenhaus schwer machen, weiterhin Mitglied der Kirche zu sein.

„Trotzdem können wir nicht austreten, weil wir diese Kirche auch lieben. Sie ist Heimat, insbesondere auch unsere Gemeinde vor Ort“, sagen beide. Daher sei es Zeit, dass sich etwas ändert. Unter dem Motto „Maria 2.0 in Hamm – wir küssen die Kirche wach“ laden sie zu einem Informationsabend ein und wollen die in Münster gegründete Initiative Maria 2.0 sowie weitere Initiativen, die sich für die Veränderungen in der katholischen Kirche einsetzen, vorstellen.

Der Info-Abend findet am Donnerstag, 2. Mai, um 19.30 Uhr im Pfarrheim St. Agnes, Franziskanerstraße 4, statt.

Wachsendes Unbehagen in den erstarrten Strukturen der Kirche

Schon lange spürten sie ein wachsendes Unbehagen in den erstarrten Strukturen der Kirche zu leben. „Es muss sich etwas ändern“, so Maria Hagenschneider. Den Abend im Pfarrheim St. Agnes sehen die beiden als eine Standortbestimmung. 

Alle, die ähnlich fühlten und angesichts der momentanen Situation der katholischen Kirche Veränderungen für notwendig erachten, sind eingeladen, sich über Proteste Gedanken zu machen. Ob es auch zu einem Kirchenstreik kommen wird, wollen die beiden Organisatorinnen offenlassen. 

Kirchenstreik deutschlandweit als deutliches Zeichen

Diesem Kirchenstreik haben sich deutschlandweit inzwischen mehrere engagierte Frauen in verschiedenen Gemeinden angeschlossen. Sie werden vom 11. bis zum 18. Mai keinen Fuß in Kirchen setzen und keinen ehrenamtlichen Dienst tun. Damit will die Aktion Maria 2.0 ein deutliches Zeichen setzen und zeigen, dass es an der Zeit ist, etwas zu ändern.

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Eindeutige Forderungen für eine veränderte Kirche

Bei dem Info-Treffen am kommenden Donnerstag wird auch diese Aktion vorgestellt. Im Blick haben Maria Hagenschneider und Beate Lütkenhaus auch andere Basisbewegungen, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten gegründet haben. 

Dabei sind die Forderungen ähnlich, die Hagenschneider und Lütkenhaus formulieren: Zugang von Frauen zu allen Ämtern, die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine Ausrichtung der Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen.

Die beiden Frauen suchen viele Mitstreiter

Hagenschneider und Lütkenhaus engagieren sich seit vielen Jahren in der katholischen Kirche. Austreten ist für sie keine Option. Daher wollen sie nun für einen Weg kämpfen, um mit Freude in ihrer Kirche bleiben zu können. Dazu suchen sie nun viele Mitstreiter.

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Die Aktion Maria 2.0:

Maria 2.0 haben Frauen aus Münster eine Aktion genannt, mit der sie sich gegen Missbrauch und die Ausgrenzung von Frauen in der Kirche wendet. Entstanden ist die Aktion aus einer Gruppe von Frauen, die sich in Münster in einem Lesekreis zusammengefunden hatten. Dort tauschten sie sich über die Missbrauchsfälle und die ständige Ausgrenzung von Frauen aus. Ihrer Aufregung ließen sie Taten folgen – sie gründeten die Aktion Maria 2.0 und rufen vom 11. bis zum 18. Mai zum Kirchenstreik auf. 

Inzwischen hat die Aktion große Kreise gezogen, viele kirchliche Gruppen aus ganz Deutschland haben sich angeschlossen. Die Forderung der Katholikinnen aus Münster ist klar. Sie fordern einen Zugang zu allen kirchlichen Ämtern, also auch die Priesterweihe für Frauen. 

Mit der Namensgebung nehmen die Frauen Bezug auf die Gottesmutter Maria. In einem Brief an Papst Franziskus heißt es: „Frauenlob wird gerne von Kirchenmännern gesungen, die aber allein bestimmen, wo Frauen ihre Talente in der Kirche einbringen dürfen. In ihrer Mitte dulden sie nur eine Frau: Maria. Auf ihrem Sockel. Da steht sie. Und darf nur schweigen. Holen wir sie vom Sockel! In unsere Mitte. Als Schwester, die in die gleiche Richtung schaut, wie wir.“

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