Eine Woche Streik

"Maria 2.0": Katholische Frauen prangern Missstände an und setzen starkes Zeichen

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Viele Frauen, aber auch Männer, waren zu dem Protestgottesdienst erschienen.

Hamm - Auch in Hamm protestieren seit dem Wochenende katholische Frauen unter dem Titel "Maria 2.0" gegen Missstände in der katholischen Kirche und die Rolle der Frauen, die oft noch "außen vor" seien.

Mit weißen Bändern war der Kirchplatz der Höveler Christus-König-Kirche geschmückt und auch die rund 130 Teilnehmer des Wortgottesdienstes am Sonntagmorgen hatten weiße Kleider an oder sich in weiße Schals gehüllt. Es sollte ein Zeichen der Trauer sein, da die Frauenbewegung „Maria 2.0“ den Finger in die Wunden der katholischen Kirche legt.

Angeprangert wird die Rolle der Frau in der Kirche. Aber auch der Missbrauchsskandal und der Umgang damit oder die undurchsichtigen Machtstrukturen innerhalb der Kirche werden genannt. Initiiert wurde die Bewegung „Maria 2.0“ von einer Frauengruppe aus Münster. So verbreitete sich diese Bewegung über das Bistum Münster bis ins angrenzenden Erzbistum Paderborn und ist mittlerweile bundesweit bekannt. Selbst in der Schweiz und Österreich rufen Frauen im Rahmen von „Maria 2.0“ zum Kirchenstreik auf.

Ehrenämter sollen eine Woche lang ruhen

Die kfd-Gruppen der Hl.-Geist-Gemeinde beteiligen sich ebenfalls am ausgerufenen Kirchenstreik und riefen Frauen dazu auf, ihre Ehrenämter in der Gemeinde für eine Woche ruhen zu lassen. So soll es in dieser Woche keine Lektorinnen, Kommunionhelferinnen, Messdienerinnen, Kirchenchorsängerinnen oder Putzgruppen geben. Selbst die Büchereien haben am Wochenende geschlossen.

Dadurch soll verdeutlicht werden, wie leer die Kirche ohne Frauen wäre. Dabei waren die Frauen aus Hl. Geist nicht alleine, sondern bekamen Unterstützung aus dem Pastoralverband Hamm-Mitte-Ost. Im Wortgottesdienst, der vor der Christus-König-Kirche stattfand, um zu verdeutlichen, dass Frauen in der Kirche noch immer „außen vor“ sind, wurde auch ein öffentlicher Brief an Papst Franziskus vorgelesen. In ihm werden die Klagen der Frauenbewegung vorgetragen und auch die Forderungen formuliert, wie beispielsweise einen Zugang zu Ämtern für Frauen oder die Aufhebung des Pflichtzölibats.

Die Organisatorinnen (von links): Uta Wahl, Mechthild Möller, Magdalene Finkennest, Maria Hagenschneider, Bezirksvorsteherin Vera Dunkel-Gierse und Monika Grabenmeier.

Es braucht einen "langen Atem"

Im Anschluss an den Gottesdienst hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, diesen Brief zu unterschreiben. Pastoralreferentin und Mitorganisatorin Mechthild Möller freute sich, dass so viele der Einladung gefolgt waren, was zeigen würde, dass dieses Thema vielen ein Dorn im Auge sei. Sie lobte das Engagement der Frauen in Hl. Geist, erwähnte beispielsweise den Liturgiekreis, der fast ausschließlich aus Frauen besteht, und forderte einen „langen Atem“ bei diesem Thema, da die Probleme sich sicher nicht mit nur einer Woche Kirchenstreik lösen ließen.

Auch Pfarrer Robert Winschuh erfreute sich an der Veranstaltung, hatte er doch bereits in der Osternacht über genau dieses Thema gepredigt und sich für die Rolle der Frau in der katholischen Kirche stark gemacht. Für ihn sind Frauen das Rückgrat der Kirche und mit einem Schmunzeln erinnerte er daran, wer zuerst am Grab von Jesus war – nämlich die Frauen. Er erhoffe sich von der Aktion „Maria 2.0“ einen Weckruf für die gesamte katholische Kirche.

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