Hammer (36) ohne Symptome positiv getestet - Lücken werden deutlich

Den Test machte Paul R. zuhause.
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Den Test machte Paul R. zuhause. (Klicken Sie rechts oben in das Bild, um das komplette Motiv zu öffnen.)

Wie unterschiedlich eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus verlaufen kann, verdeutlicht der Fall von Paul R. aus Hamm. Der 36-Jährige ist positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Symptome wie Husten oder Fieber zeigt er bislang keine.

Hamm – R., der eigentlich anders heißt, ist damit kein Einzelfall. Viele Menschen wissen nach Angaben von Ärzten gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen und es unwissend verbreiten. Das macht die Sache so gefährlich. Auch die Inkubationszeit ist mit bis zu 14 Tagen lang. So wird in vielen Fällen ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt. Und die Ausbreitung begünstigt.

R. gehörte zu einer Gruppe aus drei jungen Männern aus Hamm, die sich im Skiurlaub im Mayrhofen, Tirol, angesteckt haben. Alle tragen nachweislich das Virus in sich. „Das perverse ist, dass ich fit bin. Wüsste ich nicht, dass ich infiziert bin, könnte ich draußen herumlaufen und viele Menschen anstecken“, sagt R.

Dass er das seit der Rückkehr am Freitag bis zur amtlichen Quarantäne ab Montag nicht getan hat, liegt an der Weitsicht der drei Freunde. Alle isolierten sich und ihre engsten Angehörigen vorsorglich schon das Wochenende über. So sind aus ihrem Umkreis aktuell nur sechs weitere Personen in Quarantäne.

Coronavirus in Hamm: Hausarzt teste auf Drängen

Dass R. überhaupt getestet wurde, lag daran, dass er darauf drängte und sein Hausarzt die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts anders auslegte, als es die Stadt tut. Normalerweise werden nur Menschen getestet, die auch Symptome aufweisen. Und dann auch nur, wenn sie entweder aus einem Risikogebiet kommen oder mit einem Infizierten Kontakt hatten.

Wann R. das Haus wieder verlassen darf, ist ungewiss. „Wenn ich am letzten Tag meiner Quarantäne Symptome bemerke, muss ich weiter zuhause bleiben, bis die wieder weg sind. Und dann noch einmal zehn Tage“, erklärt R. Erst dann darf er wieder unter Leute.

Coronavirus in Hamm: Was ist mit der Ehefrau?

Zweimal am Tag misst er nun Fieber. Zweimal am Tag zeigt das Thermometer nicht einmal erhöhte Temperatur an. Von seiner Frau hält er Abstand. Denn ob sie auch infiziert ist – was nach dem engen Kontakt bis zu R.s positivem Ergebnis wahrscheinlich ist – weiß er nicht. Sie wird keinen Test machen dürfen, solange sie keine Symptome zeigt. „Wenn wir wüssten, dass sie das Virus auch hat, müssten wir diesen ganzen Zirkus nicht machen“, sagt R.

Das Paradoxe: Wäre R. nicht positiv getestet worden, wäre die Quarantäne für seine Frau nicht bindend gewesen. Obwohl sie so eng mit ihm zusammenlebt. Sie hatte keinen Kontakt zu den anderen beiden Urlaubern. Und hätte deswegen auch zur Arbeit gedurft, weitere Menschen anstecken können. „Das ist vielleicht nicht zu Ende gedacht“, sagt R. „Die Verbreitung hält man mit einem solchen Vorgehen jedenfalls nicht auf.“

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