Süßes nach Opas Rezept aus Hamm

Duft von Weihnachten: Mandelbrenner Hoppe geht Corona-bedingt neue Wege

Die Mandelbrennerei Hoppe ist auf dem Parkplatz am Maxicenter in Hamm anzutreffen.
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Anlaufstelle für süße Leckereien: Die Mandelbrennerei ist aktuell mit einem Verkaufswagen auf dem Parkplatz am Maxicenter anzutreffen (in Höhe des Kreisverkehrs Ostwennemarstraße).

Es ist ein Hauch von Weihnachtsmarkt-Flair, der das Hammer Maxicenter bereichert – und zwar mit nur einem einzigen Stand: dem der Mandelbrennerei Hoppe. Der schafft weihnachtliche Atmosphäre nicht nur durch die Holzbude und viele Lichter, sondern vor allem durch den Duft, den er verbreitet.

Uentrop – „Die Leute riechen die gebrannten Mandeln und wollen sich das heimelige Gefühl nach Hause holen“, sagt Elke Hoppe von der Uentroper Mandelbrennerei im Hinblick darauf, dass süße Naschereien für viele Menschen einfach zur Weihnachtszeit dazugehören. Entsprechend gut ist die Resonanz auf den Verkaufsstand, der zu dieser Jahreszeit normalerweise woanders stehen würde. „Wir wären jetzt auf dem Weihnachtsmarkt im Rathausinnenhof in Münster“, erklärt Mark Hoppe, der die weit über Hamm hinaus bekannte Mandelbrennerei zusammen mit seiner Frau betreibt. Die Absage aller Weihnachtsmärkte sorgte jedoch dafür, dass die Pläne der Hoppes durchkreuzt wurden.

Dabei fing das Jahr schon denkbar schlecht an: Denn kaum hatte die Saison für die Schausteller aus Uentrop im März begonnen, da war sie durch Corona bereits wieder beendet. Die Folge: Mark und Elke Hoppe stornierten alle Waren, meldeten zwei der drei Verkaufsstände ab und kündigten schweren Herzens ihren Aushilfen. „Die NRW-Soforthilfe war wichtig für uns“, sagt Mark Hoppe, der nur so seine Familie mit drei Kindern ernähren konnte.

Finanziell besonders kritisch war es, weil im Januar und Februar für Schausteller klassischerweise Pause ist und daher keine Einnahmen erzielt werden. Auch der eigentlich ganzjährig geöffnete Verkaufsstand im Maxipark musste durch die Lockdown-bedingte Schließung der Einrichtung zwischenzeitlich zumachen. Mit der Wiedereröffnung des Parks und vor allem der Freigabe der Spielplätze ging es für die Hoppes wieder ein bisschen bergauf, weil nun auch wieder viele Familien in den Park kamen. „Ich stand dann selbst im Verkaufswagen, sieben Tage die Woche“, erinnert sich der 49-jährige Mark Hoppe an die harte Zeit. Positiv lief schließlich auch das „Herbstleuchten“, das die Schaustellerfamilie quasi über Wasser hielt.

Mandelbrennerei Hoppe aus Hamm geht neue Wege: Kunden freuen sich

Die ersten und auch einzigen Kirmesveranstaltungen, bei der die Uentroper Mandelbrennerei dann wieder dabei war, waren der Send in Münster im Oktober sowie eine Kirmes in Telgte. Beide waren ähnlich wie in Hamm als umzäunter Freizeitpark organisiert. „Es lief bei beiden Veranstaltungen gut – den Umständen entsprechend“, sagt Mark Hoppe. Eigentlich mache die Kirmes-Saison Zwei Drittel der Einnahmen aus – vor Corona.

Weil auch die Weihnachtsmärkte abgesagt wurden, fragten die Hoppes nach einem Platz für ihren Verkaufsstand auf dem Maxicenter-Parkplatz nach – und bekamen eine positive Antwort. Dort laufe es gut. Viele Kunden würden sich darüber freuen, dass sie auch ohne Weihnachtsmarkt gebrannte Mandeln, Popcorn und Schokofrüchte bekommen, erzählt die 48-jährige Elke Hoppe.

Mandelbrennerei Hoppe aus Hamm geht neue Wege: Freude über Trinkgeld

Sie und ihr Mann freuen sich aber auch darüber, dass die Kunden den Schaustellern in dieser schwierigen Zeit helfen. „Sie wollen uns unterstützen“, sagt Elke Hoppe und zeigt sich sehr dankbar dafür, dass viele Kunden neuerdings gerne ein Trinkgeld geben und manche Kunden sogar eine weite Anfahrt in Kauf nehmen, um sich die süßen Leckereien von Hoppe zu holen.

Die Familie(n) dahinter

Hinter der Mandelbrennerei Hoppe verbirgt sich eine lange Handelstradition. So begann Franz Hoppe als Obst- und Gemüsehändler in der Wörthstraße im Hammer Westen schon nach dem Ersten Weltkrieg. Sein Sohn Walter Hoppe trat zunächst mit einem selbst gebauten Stand, an dem er unter anderem Kokosnüsse verkaufte, in seine Fußstapfen. Er spezialisierte sich auf den Verkauf von noch Zuhause produzierten, gebrannten Mandeln und Nüssen sowie Popcorn auf mobilen Verkaufswagen.

Die Rezepte gab er später an seine drei Söhne weiter, zwei von ihnen stiegen ins Familiengeschäft ein – allerdings getrennt voneinander: Hans-Walter übernahm den elterlichen Betrieb, während Franz-Josef eine externe Mandelbrennerei erwarb und diese anschließend im Sinne der Familientradition weiterführte. Beide Hoppes traten unter demselben Namen und Logo auf, weil sie beide nach denselben Rezepten ihres Vaters Mandeln und Co. brannten.

Mittlerweile sind schon die dritte und die vierte Generation in den Familienbetrieben aktiv. Mark Hoppe aus Uentrop erwarb mit seiner Frau Elke genau wie sein Vater Franz-Josef eine Mandelbrennerei in den 90er Jahren und führt diese im Sinne der Familientradition weiter. Als Franz-Josef Hoppe im Jahr 2015 in Rente ging, übernahm Lucas Hoppe den Betrieb seines Onkels. Die Firmen haben unterschiedliche Schwerpunkte bei den Standorten, unterstützen sich aber gegenseitig.

Wann und wie es endlich wieder normal weitergeht, wissen die Betreiber natürlich nicht. Immerhin: Vom neuerlichen Lockdown blieb der bis zum 24. Dezember geöffnete Stand am Maxicenter verschont. Um ab Januar eine weitere Verkaufsmöglichkeit zu haben, wird es unterdessen dann auch einen Onlineshop geben. Darum kümmern wird sich einer ihrer Söhne, der das Familienunternehmen möglicherweise eines Tages übernimmt. Solange werden Elke und Mark Hoppe sich noch selbst um alles kümmern – und das, trotz aller Tiefpunkte in diesem Jahr weiterhin gerne. „Der Beruf macht Spaß“, sagt Mark Hoppe – „vor allem, weil sich die Leute freuen und lächeln, wenn sie bei uns etwas kaufen.“

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