Karies wird weggeduscht: Besuch beim Kinderzahnarzt

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Hamm - Wenn Kinder sich bei ihrem Zahnarzt wohlfühlen, klettern sie selbst auf den Behandlungsstuhl und öffnen den Mund. „Das ist der schönste Vertrauensbeweis“, sagen die Zahnärzte Elisabeth von Eicken und Andreas Barthelmey.

Sie haben sich mit ihren Praxen auf Kinder spezialisiert. Bis die Kinder ihnen vertrauen, ist es manchmal ein weiter Weg. Es erfordert Gespräche, Geduld und Einfühlungsvermögen.

Fröhliche Farben und beruhigende Bilder in der Praxis, Ablenkung durch Fernsehen und Gespräche, aber vor allem ist jedoch eins das Geheimrezept der Kinderzahnärzte: offene, ehrliche und kindgerechte Kommunikation. 

Kommunikation auf Augenhöhe

„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Diese Erkenntnis zu vermitteln, ist mein oberstes Ziel“, sagt Barthelmey. „Zentral ist dabei vor allem die Kommunikation auf Augenhöhe“, sagt er. Begriffe wie Bohrer, Karies und Spritze sind angstbesetzt – bei den Kindern und ihren Eltern. 

Elisabeth von Eicken befreit seit 21 Jahren Zähne vom Karies.

„Zum Teil wird die Angst von den Eltern übertragen“, sagt er. Wenn den Eltern vor Angst Schweiß auf der Stirn steht, fürchten sich auch ihre Kinder oft vor dem Zahnarzt. Auf die richtige Wortwahl kommt es deshalb an. 

Kindliche Vorstellungskraft nutzen

Von Eicken bohrt nicht, sie duscht den Zahn. Beim „Bohren“ haben kleine Kinder die Bohrmaschine des Vaters im Kopf, sagt sie. Sie erklärt ihren kleinen Patienten jeden Schritt der Behandlung vorab an Modellen. 

Die kleinen Helfer zeigen den Patienten von Andreas Barthelmey, wie die Zahnbehandlung ablaufen wird.

„Kinder sind sehr fantasiereich. Wenn man ihnen eine Geschichte erzählt, versetzen sie sich sofort in sie hinein“, erklärt von Eicken. „Ich erzähle von einem Strandspaziergang und dann von einem spitzen Stein, auf den das Kind tritt. In dem Moment bohre ich.“ 

Auch Barthelmey nutzt die Vorstellungskraft der Kinder während der Behandlung. Seinen Bohrer nennt er eine Zauberwaffe, mit der er gegen „Spuckepiraten“ kämpft, die sich in den Zähnen eingenistet haben. Manchmal weht dabei eine steife Brise und „Schlürfi“, der Speichelsauger, spült die „Piraten bis zur Nordsee“. 

Immer ehrlich zu den kleinen Patienten

Auch wenn der Zahnarztbesuch unangenehm werden kann, muss der Zahnarzt ehrlich bleiben, sagt von Eicken. 

„Alles muss geplant und organisiert sein“, ergänzt Barthelmey. Er gibt den Kindern eine kleine Maus, die sie sich auf den Bauch drücken sollen, wenn es zu sehr „kitzelt“. „Im Idealfall bauen wir schon fast ab der Geburt eine Beziehung zu einem Kind auf“, sagt von Eicken. Sie betreibt ihre Praxis „123Kinderzahn“ als Familienzahnarztpraxis seit 21 Jahren. 

„Viele meiner Patienten, die damals mit fünf, sechs Jahren zum ersten Mal bei mir waren, sind jetzt mit ihren Kindern da“, erzählt sie. Manche der früheren Patienten seien gerade schwanger und fragten sie bereits um Rat für den ersten Zahn. 

Zähneputzen ab dem 1. Zahn

Auch mit der Zahnhygiene sollten Eltern ab dem ersten Zahn beginnen, sagt von Eicken. Dadurch würden die Kinder an die notwendigen Rituale gewöhnt. Zugleich helfe der Druck der Zahnbürste auf den Kiefer gegen das Jucken beim Zahnen. „Die Durchbrüche werden erleichtert und die Durchblutung verbessert.“ 

Wenn ein Kind, das vorher nie den Mund aufgemacht hat, sich langsam öffnet und nach der Behandlung zu seiner Mutter sagt: „Mama, sie haben heute gar nicht gebohrt“, sondern den Schmerz am Zahn „mit der Dusche weggeputzt“, dann wissen Barthelmey und von Eicken, dass ihre Methode funktioniert – und auch die Eltern sind beruhigt.

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