„Maxi Terminal Hamm“ im Hafen

Mammut-Projekt in der Chemielogistik: Lanfer Logistik investiert mehr als 20 Millionen Euro

Großbaustelle am Kanal: Im „Maxi Terminal Hamm“ sollen ab 2022 bis zu 800 Gefahrgutcontainer gelagert werden. Michael Kirschner, einer von drei Geschäftsführern bei Lanfer Logistik, ist mit dem Baufortschritt zufrieden.
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Großbaustelle am Kanal: Im „Maxi Terminal Hamm“ sollen ab 2022 bis zu 800 Gefahrgutcontainer gelagert werden. Michael Kirschner, einer von drei Geschäftsführern bei Lanfer Logistik, ist mit dem Baufortschritt zufrieden.

Mit dem „Maxi Terminal Hamm“ am Datteln-Hamm-Kanal will das Meppener Unternehmen Lanfer Logistik seinen Standort im Hafen zu einer der „bedeutendsten Drehscheiben der Chemielogistik in Deutschland“ weiterentwickeln und die Anbindungen Wasser, Schiene und Straße bestmöglich kombinieren.

Hamm – Insgesamt investiert Lanfer über 20 Millionen Euro in das Projekt, dessen Herzstück ein 30 Meter hoher 75-Tonnen-Kran werden soll. Er kann bis zu sechs Container übereinander stapeln. So etwas gebe es in einem europäischen Binnenhafen bislang noch nicht, sagte Michael Kirschner, der als einer der drei Geschäftsführer von Lanfer Logistik für den Bereich „Intermodal“, also den kombinierten Verkehr, zuständig ist.

Maßgeblich vorangetrieben wurde das Projekt von Hermann Lanfer. Der Firmen-Chef ist ein Verfechter des kombinierten Verkehrs. Nicht erst, seit der 55-Jährige neuer Vorsitzender des Kombiverkehrs-Verwaltungsrates ist, setzt der Chemielogistiker auf alle Verkehrsträger.

Entlastung von Umwelt und Klima durch Züge

„Die trimodale Anbindung ist ideal. Hamm ist verkehrsgünstig an den Autobahnen A 1 und A 2 gelegen, verfügt über Bahnanschlüsse in alle Richtungen und ist für die Binnenschifffahrt perfekt erreichbar“, erklärt Kirschner die Standortwahl. Und: In Hamm habe man bereits jahrelange Erfahrungen in der Chemielogistik sammeln können. Kirschner sieht in dem Projekt auch einen Beitrag zur Entlastung von Umwelt und Klima.

Denn: Während die Zahl der Lanfer-Lkw stagniere, werde die Bahn für den Gütertransport immer wichtiger. Er zeigt dies an einem Beispiel auf: Güter, die derzeit noch mit dem Lkw von München nach Münster transportiert werden, können künftig mit dem Zug nach Hamm gebracht werden. Nur beim letzten Stück nach Münster kommen noch Lkw zum Einsatz.

Um das „Maxi Terminal Hamm“ errichten zu können, hatte Lanfer Logistik bereits vor einiger Zeit die ehemaligen Standorte von Raab Karcher und Hugo Schneider an der Hafenstraße erworben. Das Terminal wird auf einer Freifläche am Kanal errichtet. Die Arbeiten dort laufen seit rund einem halben Jahr.

Betonpfähle für mehr Stabilität

Eine „Riesenaufgabe“ dabei war es, den Untergrund herzurichten. Unter anderem habe man dafür, so der Geschäftsführer, 428 Betonpfähle mit einer Länge von 12,5 Meter in den Boden gerammt. Denn die Gewichte, die auf dem Untergrund lasten werden, sind enorm: Allein der Kran wiegt rund 500 Tonnen. Im Terminal selbst können bis zu 800 Container gelagert werden, die größten Tankcontainer mit knapp 14 Meter Länge und einem Gewicht von bis zu 75 Tonnen. Hinzu kommen noch Nebenanlagen wie die Schienen.

Denn um den Umschlag von Bahn zu Bahn beziehungsweise von Bahn zu Lkw – und umgekehrt – zu ermöglichen, muss die vorhandene Hafenbahn, über die die Güter in Richtung Rangierbahnhof transportiert werden, verlängert werden. Vier Anschlussgleise, zwei nördlich und zwei südlich der rund 50 Meter breiten Kranbrücke, sollen in den kommenden Wochen verlegt werden – insgesamt fast 900 Meter. Die vorhandenen Gleise direkt am Kanal bleiben erhalten, um von hier aus weiterhin Produkte aus den Schiffen in die Container beziehungsweise Tanks zu pumpen. Kirschner geht davon aus, dass ab 2022 pro Tag drei komplette beziehungsweise sechs „halbe“ Züge das Lanfer-Gelände verlassen werden.

Kran 2022 voll einsatzbereit

Nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts, circa Mitte 2021, wird der Testbetrieb auf der Terminalfläche starten. Allerdings noch ohne den großen Kran und auch nur mit zwei Anschlussgleisen. Beim Umschlag zum Einsatz kommen wird dann ein Reachstacker, eine Art Stapler, der bis zu fünf Container übereinander stapeln kann.

Der 75-Tonnen-Kran, mit dessen Hilfe Ladeeinheiten jeder Größe umgeschlagen werden können, wird künftig aus der Leitstelle im ehemaligen Schneider-Gebäude gesteuert, einen „Kranführer“ an Ort und Stelle wird es nicht geben. Der Kran werde aktuell, so der Geschäftsführer, vorgefertigt und dann ab Oktober in Hamm zusammengesetzt. „Die gesamte Anlage soll Anfang 2022 Volllast fahren.“

Herzstück des Terminals: Mithilfe des Krans können bis zu sechs Container übereinander gestapelt werden. (Für die Vollansicht oben rechts im Bild auf das Kreuz klicken)

Unterirdische Wannen für den Notfall

Aktuell werden im Hammer Hafen Produkte wie Öl, Leim, Flüssigdünger, AdBlue (eine flüssige Harnstofflösung, die bei bestimmten Fahrzeugen zur Reduzierung der Stickoxidemissionen vor einem speziellen Katalysator eingespritzt wird), Enteisungsmittel für Landebahnen und andere chemische Produkte umgeschlagen. Bis auf wenige Ausnahmen seien die Produkte harmlos, so der Geschäftsführer. Dennoch gibt es einige Dinge zu beachten, zum Beispiel Zusammenlagerverbote und Mengeneinschränkungen. Die dafür benötigte, spezielle Software werde extra entwickelt, um den Kran entsprechend zu steuern. Bereits angelegt worden seien riesige unterirdische Wannen, die, sollte ein Container einmal lecken, die Flüssigkeiten aufnehmen. Dadurch werde verhindert, dass sie ins Grundwasser gelangen.

Nach Fertigstellung wird das „Maxi Terminal Hamm“ ein Containerterminal sein, das in „Deutschland Maßstäbe setzt“. Aktuell werden bei Lanfer Logistik in Hamm jedes Jahr rund 3000 Ladeeinheiten umgeschlagen. Kirschner: „Künftig werden es rund 52.000 Einheiten im Jahr sein.“ Gearbeitet werde im Zwei-Schicht-Betrieb von 6 bis 21 Uhr an maximal sechs Tagen in der Woche. Neben den normalen Tankcontainern soll auch der neu entwickelten 75-Tonnen-Container umgeschlagen und gelagert werden.

Der zweitgrößte Kanalhafen in Deutschland

Aus Sicherheitsgründen werde das gesamte Terminal eingezäunt. „Sobald es jemand betritt, stoppt der Kran automatisch.“ Südlich und westlich des Terminals will das Unternehmen noch Platz zur Lagerung von rund 400 Leercontainern schaffen, die Lkw-Zufahrt erfolgt im Einbahnstraßensystem über die Straße zwischen ehemals Raab Karcher und Hugo Schneider. Neben dem Umschlag und der Lagerung von Gefahrgutcontainern werden am Lanfer-Standort Hamm weitere Dienste angeboten, beispielsweise das Ab- und Umfüllen beziehungsweise Mischen von Flüssigkeiten.

Für das „Maxi Terminal Hamm“ wird in Kürze extra eine Betreibergesellschaft gegründet, an der neben Lanfer Logistik unter anderem auch die Stadtwerke Hamm und die Deutsche Bahn beteiligt sind. Nach Dortmund ist Hamm der zweitgrößte Kanalhafen Deutschlands.

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