Männlich, alt, wohlhabend: Hammer Rat bestätigt Studie

+
Der aktuelle Rat der Stadt Hamm bei seiner konstituierenden Sitzung im Jahr 2014.

Hamm - Der typische Lokalpolitiker ist männlich, gebildet und reicher als sein Wähler. Zu dieser Erkenntnis kommt jetzt eine Studie der Universität Duisburg-Essen unter der Leitung von Prof. Goerres. Wir wollten wissen: Passt das auch in Hamm?

Auf Grundlage einer repräsentativen Umfrage sind unter den ehrenamtlichen Mandatsträgern in den Gemeinde- und Stadträten überdurchschnittlich viele Männer, die zumindest das Abitur haben, verheiratet und fest angestellt sind und gut verdienen.

Hamm gehörte nicht zu den zehn per Stichprobe herausgepickten Kommunen in Nordrhein-Westfalen, die an der Untersuchung teilnahmen. Ein genauer Blick in das Handbuch des Rates der Stadt Hamm lässt aber den Rückschluss zu, dass die grundsätzlichen Aussagen der auf Umfragen beruhenden Studie zutreffen. Auch die Zusammensetzung des Hammer Stadtrates mit seinen 59 Mandatsträgern bestätigt das Bild. Der Rat der Stadt Hamm ist auch im Jahr 2016 weiterhin eine Männerdomäne. 18 Frauen sehen sich hier 41 Männern gegenüber.

Immerhin ist der Rat in der Lippestadt kein von Lehrern dominiertes „Parlament“. Lediglich fünf Exemplare dieser „Spezies“ und eine Schuldirektorin finden sich, die noch im aktiven Dienst sind. Zusätzlich gehören aber einige ehemalige Lehrer zum Rat, die bereits im Ruhestand sind. Die Altersstruktur des Hammer Rates ist durchaus auch eine Anmerkung wert: Allein elf Rentner und Pensionäre bestimmen hier über die Geschicke der Stadt. Sie werden im Laufe dieser Legislaturperiode noch Zuwachs erfahren: Mehrere weitere Mandatsträger stehen kurz vor der Ruhestandsgrenze. Auffällig ist außerdem, dass dem aktuellen Rat viele Volljuristen angehören. Sechs Anwälte und ein ehemaliger Staatsanwalt sind Ratsmitglieder.

Über ein eher überdurchschnittliches Einkommen dürften die Mandatsträger ebenfalls verfügen. Einen Arbeiter sucht man vergeblich auf der Liste, aber immerhin gibt es eine Hausfrau. Ansonsten finden sich mehr als 20 Angestellte auf der Liste der Ratsvertreter – das Spektrum reicht vom Bankkaufmann über Justizfachwirte bis hin zu Sozialpädagogen, Erziehern und Heilpraktikern. Dazu gesellen sich zwei Ingenieure, ein Architekt, ein Informatiker, ein Arzt, ein Industriemechaniker und ein Gewerkschaftssekretär.

Über das Einkommen der Mandatsträger finden sich im Ratshandbuch keine Angaben, auch nicht zu den Nebeneinkünften aus anderen Mandaten, zum Beispiel von Tätigkeiten in Aufsichtsräten und Gesellschafterversammlungen, in die einige von ihnen durch den Rat entsandt sind. Sämtliche angegebene Berufe lassen aber den Rückschluss zu, dass auch die Ratsvertreter in der Stadt Hamm in der Regel über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügen.

„Die meisten der 396 Kommunen in NRW verfügen, anders als die Stadt Hamm, nicht über ein Handbuch des Rates“, sagte Prof. Dr. Achim Goerres auf WA-Anfrage. Deshalb liefere seine Studie erstmals Erkenntnisse darüber, wer die etwa 20.000 ehrenamtlich tätigen Kommunalpolitiker in den Räten eigentlich sind. „Die sozio-ökonomische Verzerrung der politischen Eliten ist eine der wenigen Gesetzmäßigkeiten in der Politikwissenschaft“, sagte Goerres. „Das diese Verzerrung aber auch auf die unterste politische Ebene so ausgeprägt zutrifft, hat uns sehr erstaunt. Sozial gesehen spiegeln die Gewählten damit nicht ihre Wähler wider“, sagte der Politikwissenschaftler. Wer sich wünsche, dass Lokalpolitiker ein Abbild der Gesellschaft seien, müsse angesichts der Studienergebnisse enttäuscht sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare