Protest in Hamm gegen "Krankes System Kirche"

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Licht ins Dunkel zu bringen forderten die Teilnehmer der Aktion von der Katholischen Kirche.

Hamm - Es war ein deutliches Zeichen, dass man die Situation in der katholischen Kirche im Zuge des Missbrauchsskandals nicht hinnimmt, als sich am Freitagabend rund 100 Hammer der Aktion „#MachtLichtAn“ vor der St.-Agnes-Kirche anschlossen. „Wir klagen, wir klagen an und wir beten“, sagte Maria Hagenschneider zu Beginn, als sich die Teilnehmer vor der Kirche versammelten.

„Viele von uns fragen sich: Wollen wir in die Kirche noch hineingehen“, erklärte Heike Frankenberg. Und die Symbolik mit einer Taschenlampenaktion wurde schließlich noch deutlicher: „Wir wollen die vielen Ecken und Kanten der Kirche an- und ausleuchten und wir rufen die Bischöfe auf, Licht ins Dunkel zu bringen“, sagte Ricarda Hemshorn, ehe die Teilnehmer mit Taschenlampen und ihren Handys auf den Eingangsbereich der St. Agnes-Kirche leuchteten. 

Unter dem Titel „#MachtLichtAn“ rief die katholische Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) bereits am 12. Dezember deutschlandweit in vielen Städten zu Aktionen für eine Erneuerung der katholischen Kirche und eine lückenlose Aufklärung des Missbrauchsskandals auf. Dass die Aktion an der St.-Agnes-Kirche von der kfd des Pastoralverbundes Hamm-Mitte-Osten erst jetzt stattfand – in Absprache mit dem kfd-Bundesverband – hatte terminliche Gründe. Zudem war die Aktion mit dem Pfarrgemeinderat abgesprochen, dem auch mehrere der Rednerinnen sowie ein männlicher Redner angehörten. 

Nach den symbolträchtigen Aktionen vor der Kirche ging es mit der Klageandacht drinnen weiter. Dort formulierten die Rednerinnen Hoffnungen, Wünsche und Forderungen, auf die es allerdings natürlich keine Antwort gab. „Will ich noch zu deiner Kirche gehören?“, wandte sich etwa Birgit Stirnberg an Gott. „Ich kann das Vertuschen nicht fassen“, machte sie aus ihrer Wut und Enttäuschung keinen Hehl. In ihren Fürbitten fanden auch die anderen Rednerinnen deutliche Worte. Zudem wurde gesungen und gebetet. 

Deutliche Worte fand auch Pfarrer Bernd Mönkebüscher, der das „System Kirche“ als krank bezeichnete. Mit einem sprachlichen Bild kritisierte er zudem das Zölibat, schließlich würde sich das Himmelreich für die Geistlichen nicht nur dann öffnen, „wenn Menschen morgens alleine am Tisch mit ihrem Brötchen sitzen müssen“. 

Dass ein Zeichen gesetzt wurde, fanden neben den Organisatoren auch die Teilnehmer gut und wichtig. So auch eine Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte. Sie wolle nicht mehr schweigen, sagte sie. Sie sei zwar nicht aus der Kirche ausgetreten, dennoch ist sie nicht einverstanden mit den Strukturen: „Ich fühle mich aus Tradition dazugehörig, aber im Moment nicht von der Kirche vertreten.“ Gesellschaftliche Entwicklungen müssten auch in der Kirche stattfinden.

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