WA.de-Serie "Mut zu Hamm" (Teil 3)

HSHL-Professor Olaf Goebel, Hamm: Leute sind hilfsbereit und unkompliziert

+
Seine bisherigen Wohnorte waren etwas mondäner als Hamm, sagt Olaf Goebel. Trotzdem sieht er derzeit keinen Grund, wieder wegzuziehen.

Hamm - Von Abu Dhabi nach Hamm – dieser berufliche Werdegang klingt zumindest ungewöhnlich. Olaf Goebel, der als Ingenieur schon für die European Space Agency und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt gearbeitet hat, hat sich bewusst für die Lippestadt und die HSHL entschieden. Sein „Mut zu Hamm“ hat sich gelohnt.

Der Professor Dr.-Ing. konnte sich der Hochschule Hamm-Lippstadt seine Themenschwerpunkte Erneuerbare Energien und thermische

Die Serie. Neben Wegzügen kommen auch immer wieder Menschen bewusst von außerhalb nach Hamm, finden hier eine Wirkungsstätte – und bleiben dauerhaft. Manche von ihnen arbeiten in oder für die Öffentlichkeit und vertreten damit die Stadt mit ihrem Gesicht nach außen. Um solche Hammer geht es in unserer Serie „Mut zu Hamm“, die wir lose fortsetzen werden.

Kraftwerke selbst aussuchen. Er schätzt nicht nur seinen Arbeitsplatz, sondern auch die Menschen in Hamm, erzählt der 57-jährige Familienvater im Interview.

Woher stammen Sie? Wo und wann haben Sie vor Hamm beruflich Ihre Erfahrungen gemacht? 

Olaf Goebel: Eigentlich stamme ich ganz aus der Nähe, aus Dortmund. Doch bevor ich nach Hamm kam, war ich 32 Jahre lang in anderen Regionen unterwegs: Bundesmarine in Flensburg, dann Studium des Maschinenbaus an der RWTH in Aachen. Gearbeitet habe ich für ein Jahr in Noordwijk (Niederlande), anschließend neun Jahre lang in Stuttgart, zwei in Wiesbaden, sechs in Frankfurt und als letzte Station vor Hamm fünf Jahre lang in Abu Dhabi.

Seit wann sind Sie in Hamm in Ihrem Job aktiv? 

Goebel: In März 2012 habe ich meine Professur an der HSHL angetreten. Seitdem wohne ich auch mit meiner Familie in Hamm.

Professur in Berlin liegen gelassen

Warum sind Sie nach Hamm gekommen? 

Goebel: Es war das interessante Jobangebot. Die Hochschule war damals noch ganz jung, und ich konnte mir meine

"Mut zum Hamm":

Kneipenwirt Karsten Plaß (48): "Hört auf mit dem Rumgejammere!" (Teil 1)

Pastor Bernd Mönkebüscher (52): "Erlebe die Stadt sehr offen" (Teil 2)

Unterrichtsfächer frei aussuchen. So macht mir das Unterrichten viel Spaß, und die Studierenden bekommen praxiserprobtes Wissen vermittelt, was diese auch zu schätzen wissen. Ich hatte damals unter anderem ein Angebot für eine Professur in Berlin, das ich dann wegen des interessanteren Angebots an der HSHL nicht angenommen habe.

Haben Sie in dieser Zeit mal mit dem Gedanken gespielt, aus Hamm wegzuziehen?

Goebel: Nein, definitiv nicht. Wir sind ja erst sechs Jahre hier, und bisher ist nichts passiert, was solche Gedanken hätte auslösen können. Ich bin übrigens nie irgendwo weggezogen, weil es mir dort nicht mehr gefiel, sondern immer nur, weil ich irgendwo eine reizvollere Aufgabe angeboten bekommen habe. Solche Angebote bekommt man seltener, wenn man Professor ist. Insofern sieht es wohl eher so aus, als ob wir hierbleiben würden.

Prof. Dr. Olaf Goebel im September 2013 als Dozent der VHS-Kinderuni - Thema: "Wir kommt die Sonne in die Steckdose?".

Warum sind Sie bis heute geblieben? 

Goebel: Uns allen, auch meiner Frau und den zwei Kindern, gefällt es bisher ausgesprochen gut. Das war vorher nicht unbedingt klar. Unsere vorherigen Wohnorte waren schließlich alle etwas mondäner. Dafür hat Hamm andere Vorteile: Häuser sind nicht so teuer, kurze Wege, Fahrradfreundlichkeit – die ist uns wichtig. Die Nachteile: Im Winter gibt es nicht viel, was man in der Stadt unternehmen kann. Das merken wir immer dann, wenn Freunde zu Besuch kommen. Das war an unseren früheren Wohnorten durchaus besser als hier. Das Gute im Schlechten: Jetzt sieht man, wer die echten Freunde sind. In Abu Dhabi hatten wir deutlich häufiger Besuch als hier.

23 Gründe, bloß niemals nach Hamm zu kommen

23 Gründe, bloß niemals nach Hamm zu kommen

23 Gründe, nie nach Hamm zu fahren (hier klicken!)

Welchen Eindruck haben Sie von den Menschen in Hamm – auch und besonders im Vergleich zu vorherigen Wirkungsorten? 

Goebel: Absolut gut! Die Menschen sind aufgeschlossen, unkompliziert, haben keinen Standesdünkel und sind hilfsbereit. Die schwierigsten Menschen habe ich während meiner Zeit in Stuttgart kennengelernt. Da wird immer zwischen Eingeborenen und Zugezogenen unterschieden. Dort gab es auch in der Nachbarschaft immer Spaßverhinderer wegen Lautstärke, Parken und so weiter. In unserer Nachbarschaft hier gibt es ausnahmslos nur angenehme Menschen!

Der Ruf des Ruhrgebiets ist schlecht

Was lief beziehungsweise läuft gut, aus beruflicher Sicht?

Goebel: Mein Arbeitsplatz, die Hochschule, ist neu und hat eine moderne Ausstattung. Viele Unternehmen in Hamm sind an der Zusammenarbeit mit der Hochschule interessiert, und wir haben schon einige Projekte zum Nutzen beider Seiten durchgeführt. Es

macht Freude, zu sehen, wie unsere Absolventen im Beruf erfolgreiche Wege gehen. Diejenigen, die in der Region bleiben, bringen diese weiter nach vorne, und diejenigen, die in Welt hinausgehen, tragen dazu bei, den Ruf des Ruhrgebiets aufzupolieren. Und dieser ist im Rest der Republik ziemlich schlecht, wie ich in meinen 32 Jahren auf der Wanderschaft feststellen musste!

In der Hochschule läuft vieles gut

Was ist verbesserungswürdig aus beruflicher Sicht, und was müsste sich dafür gegebenenfalls ändern?

Goebel: Da die Hochschule mit Landesmitteln finanziert wird, werden viele der für uns relevanten Entscheidungen eher in Düsseldorf als in Hamm getroffen. Innerhalb der Hochschule läuft das allermeiste sehr gut. Da bleibt ein Blick auf unsere Studierenden: Da gibt es viele wissbegierige junge Menschen voller Tatendrang und Energie. Die sind bei uns gut aufgehoben, und die werden allesamt ihren Weg machen. Aber es gibt auch welche, die weder wissbegierig noch engagiert sind. Um die tut es mir leid, weil sie wertvolle Jahre ihres Lebens vergeuden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare